May 28, 2024

Vermehrt geraten schon Primarschüler in gewaltsame Auseinandersetzungen. Das zeigt sich auch in den Zahlen – doch an den Schulen fehlten sinnvolle Schutzkonzepte, kritisieren Fachpersonen.

Christina PirskanenJan Janssen

Darum gehts

  • In den vergangenen Monaten wurden vermehrt Gewalttaten an Schulen publik.

  • Auffallend dabei ist das niedrige Alter der Täter und Täterinnen.

  • Ein Kriminologe bestätigt, dass vermehrt schon junge Kinder zu Gewalt greifen.

  • Fachstellen kritisieren derweil, dass ausreichende Schutzkonzepte an den Schulen fehlten.

In Winterthur macht ein Flugblatt die Runde: Ein Schüler der fünften Klasse soll einen Drittklässler so stark gewürgt haben, dass dieser fast sein Bewusstsein verloren habe. Im Brief ist sogar von einem «Tötungsversuch» die Rede.

Die genauen Hintergründe sind nicht überprüfbar, die Schule nimmt auf Anfrage keine Stellung. Doch der Vorfall zeigt: Extreme Gewalttaten sind bereits in Primarschulen ein Thema.

Fälle mit jungen Gewalt-Ausübenden häufen sich

Es ist nicht der einzige Fall von gewalttätigen Eskalationen an Schulen, bei dem junge Kinder involviert sind: Erst im März tauchte ein Zwölfjähriger nach einem Streit mit einer Axt in einer Schule in Bümpliz (BE) auf. Ein Blick auf die letzten Monate zeigt weitere Vorfälle wie einen sexuellen Übergriff in Zürich, bei dem Täter und Opfer 13 Jahre alt sind, brutale Prügeleien zwischen jungen Mädchen und ein Angriff mit Baseballschläger im Aargau oder aber Schülerinnen und Schüler, die gar auf ihre Lehrpersonen losgehen.

Auch junge Kinder im Primarschulalter fallen vermehrt gewalttätig auf.

Experte bestätigt: Täterschaft wird jünger

Es gebe in der Schweiz tatsächlich zwei Trends, bestätigt Kriminologe Dirk Baier. «Einerseits nimmt laut polizeilicher Kriminalstatistik seit 2016 nach und nach die Anzahl an zehn- bis 14-jährigen Kindern zu, die einer Straftat beschuldigt werden.» Zweitens belegten Befragungen, dass seit 2014 die Gewalt im Schulkontext gestiegen sei – verbale ebenso wie physische Gewaltformen. Auch wenn die überwältigende Mehrheit junger Menschen auf Gewalt verzichte, zeige sich: «Es gibt Hinweise, dass junge Menschen innerhalb und ausserhalb der Schule mehr Aggressivität zeigen.»

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