July 25, 2024

In Spreitenbach macht eine Meldung in Whatsapp die Runde, die von einer Entführung berichtet. Die Schule und die Kantonspolizei sprechen von Fake News.

Thomas ObrechtMarino WalserEine Textnachricht sorgt in Spreitenbach für Hysterie.Darin heisst es: «In Spreitenbach AG passiert seit Wochen Kidnapping.»Konkret soll ein 19-Jähriger entführt und erst nach über zehn Stunden wieder freigelassen worden sein. «Sie haben ihn gezwungen, am Bankomaten Geld abzuheben», ist der Nachricht weiter zu entnehmen.

Darum gehts

  • In Spreitenbach sorgt eine kursierende SMS für Hysterie. 

  • Darin steht, dass ein 19-Jähriger entführt und erst nach zehn Stunden wieder freigelassen worden sei.

  • Nach Angaben der Kantonspolizei Aargau handle es sich dabei um eine Falschmeldung. 

  • Es habe zwar kürzlich ein Betrugsfall stattgefunden, dabei könne aber in keinster Weise von einer Entführung gesprochen werden. 

  • Aufgrund der grossen Besorgnis von Eltern musste auch die Schule reagieren. 

«In Spreitenbach AG passiert seit Wochen Kidnapping», heisst es in einer SMS, die in der Spreitenbacher Bevölkerung kursiert. Konkret soll ein 19-Jähriger entführt und erst nach über zehn Stunden wieder freigelassen worden sein. «Sie haben ihn gezwungen, am Bankomaten Geld abzuheben», ist der Nachricht weiter zu entnehmen.

Laut der Verfasserin soll es sich bei den Entführern um eine fünf bis 15-köpfige Gruppe handeln, die ihr Unwesen in Spreitenbach treibt. «Ob sie bewaffnet sind, ist unklar», heisst es weiter. Es seien auch bereits schon zwei Personen wegen Entführung verhaftet worden.

Polizei hat Kenntnis, spricht aber von Fake News

Auf Nachfrage sagt der Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, Bernhard Graser, dass die Polizei von der SMS Kenntnis habe. «Dabei handelt es sich aber um Fake News. Dennoch ist in Spreitenbach eine regelrechte Hysterie ausgebrochen.»

Es sei zwar korrekt, dass ein 19-Jähriger Geld abgehoben habe, um es Betrügern zu übergeben. Dies ereignete sich aber bereits am 1. November. Zudem soll er weder dazu gezwungen, noch in irgendeiner Weise entführt worden sein. 

Konkret sei dem jungen Erwachsenen auf der Strasse eine Rolex-Uhr zum Kauf angeboten worden. Daraufhin habe dieser freiwillig am Bankomaten Geld bezogen, um es gegen die Luxusuhr einzutauschen. «Diese stellte sich im Nachhinein als Fälschung heraus.» Der junge Mann sei einem Trickbetrug zum Opfer gefallen. «Weder stand damals eine Entführung im Raum, noch beobachtet die Polizei eine Gruppe, die in Spreitenbach ihr Unwesen treibt», so Graser. Die Betrugsmasche der Täter sei der Polizei bekannt und werde weiter untersucht. 

Mutter startete die Unruhe

Doch wie kam es zur SMS, die in Spreitenbach die Runde macht? «Die Mutter des Betrugsopfers hat falsche Schlüsse gezogen», sagt Gasser. In guter Absicht habe sie mit der Nachricht im Chat ihres Arbeitsortes warnen wollen. «Dabei dürfte der Vorfall etwas unglücklich beschrieben worden sein.»

«Wie nicht anders zu erwarten, fand die Nachricht den Weg nach draussen und verbreitete sich dann unkontrolliert», so der Polizeisprecher. Die daraus entstandene Hysterie sei genau der Grund, weshalb die Kantonspolizei regelmässig dazu mahne, keine solche Warnmeldungen in sozialen Medien zu veröffentlichen. 

Schulleitung musste auf Hysterie reagieren

Auch die Schulleitung in Spreitenbach musste auf die Hysterie reagieren. Laut dem Schulleiter der Schule Spreitenbach haben sich diese Woche gleich mehrere Eltern an die Schule gewendet und ihre Besorgnis kundgetan. «Wir hatten mehrere Anrufe. Vor allem von Eltern, deren Kinder im Kindergarten und in der Primarschule sind», sagt Stefan Wagner, Schulleiter der Schule Spreitenbach. Nach kurzem Austausch mit der Polizei habe man deshalb alle Eltern per Schulkommunikations-App informiert: «In Spreitenbach hat es zu keiner Zeit einen Entführungsfall gegeben.»

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