May 26, 2024

Der Velotunnel führt unter den Gleisen des Hauptbahnhofs durch. Ende 2024 soll er eröffnet werden. 20 Minuten konnte bereits jetzt einen Augenschein nehmen. 

Nicolas Marz ist Gesamtprojektleiter des Velotunnels.Der Velotunnel führt von der Sihlpost …… unter dem HB durch …

Darum gehts 

  • Ursprünglich war unter dem HB ein Autotunnel angedacht. 

  • Im Juni 2021 sagten 74 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher Ja zum Velotunnel.

  • Die Baukosten für den Velotunnel betragen 38,6 Millionen Franken.

  • Ende 2024 soll er fertiggestellt sein.

Sechs Meter unter dem Hauptbahnhof hämmern und werken 15 Arbeiter mit grossen Geräten, Maschinen zerteilen Steine und mischen Beton. Es ist laut und dunkel. Gleichzeitig schlängeln sich hinter dem HB zahllose Autos durch die Baustelle am Sihlquai. Pendlerinnen und Pendler müssen mit einer temporären Haltestelle vorliebnehmen und Anwohner und Anwohnerinnen täglichen Baulärm aushalten. Der Grund für die Monster-Baustelle: Der Velotunnel, der von der Sihlpost unter den Gleisen des Hauptbahnhofs hindurch bis zum Sihlquai führt.

Der 192 Meter lange und 25 Meter breite Tunnel soll Ende 2024 fertiggestellt sein. Velofahrerinnen und Velofahrer, die vom Kreis 4 in den Kreis 5 kommen wollen, erhalten dann eine Alternative zur Langstrassen-Unterführung. Im Tunnel selbst ist zudem eine Velostation geplant, die direkt mit der Passage Sihlquai des Hauptbahnhofs verbunden ist. Rund 1100 Velos, 100 Cargo-Bikes und 65 E-Roller sollen darin Platz finden. Die Nutzung ist kostenlos.

Tunnel war einst für Autos gedacht

Nicolas Marz ist Gesamtprojektleiter des Velotunnels. Mit dem Baufortschritt ist er zufrieden: «Die Bauarbeiten kommen sehr gut voran. Bis im Frühling 2024 sollten die gröbsten Bauarbeiten fertiggestellt sein.» Ab März fänden dann die Ausbauten für die Haustechnik sowie die Ausstattung der Velostation statt.

Die Herausforderungen seien teilweise gross gewesen: «Etwa ging es darum, das ÖV-Netz und den Autoverkehr möglichst nicht zu stören oder gar zu blockieren», sagt Marz. Aber auch die Lage des Tunnels gleich entlang der Sihl habe man berücksichtigen müssen. «Wir hatten das grosse Glück, dass wir auf dem bestehenden Bauwerk – dem geplanten Autotunnel – aufbauen konnten, der jahrelang leer stand.»

1 / 2So soll der Eingang zum Velotunnel beim Sihlquai dereinst aussehen.Im Untergrund ist eine grosse Velostation mit rund 1100 Velos geplant. 

Umfahrungen statt Tunnel

Ursprünglich war nämlich geplant, den Tunnel für den Autoverkehr zu nutzen: 1962 genehmigte der Bundesrat das Vorhaben, die drei Autobahnzubringer Hardturm, Letten und Wiedikon zu verbinden. So sollte die Stadt vom Verkehr entlastet werden. Aufgrund des erbitterten Widerstands aus der Bevölkerung verzögerte sich das Projekt allerdings. Und als sich nach dem Jahr 2000 abzeichnete, dass das sogenannte Ypsilon keine langfristige Lösung für den stark zunehmenden Verkehr bieten würde, verfolgte die Stadt andere Ansätze. 1985 wurde die Nordumfahrung Zürich eröffnet. 2009 folgte die Westumfahrung. Der Tunnel wurde im Rohbau belassen.

Schliesslich reichte der Verband Pro Velo 2011 eine Petition für einen Velotunnel ein. Nach einer Machbarkeitsstudie, einem Vorprojekt und den öffentlichen Planauflagen wurde das Projekt 2021 dem Volk vorgelegt: Im Juni 2021 sagte es mit 74 Prozent Ja zum Velotunnel.

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