May 28, 2024

Der irakisch-schweizerische Filmemacher Samir Jamal Aldin kritisiert die Bombardements der Israelis vehement. Für ihn ist klar, wer die Schuld an Leid und Tod trägt.

Der irakisch-schweizerische Filmemacher Samir Jamal Aldin sagt: «Wer sich für die Palästinenser oder für einen Waffenstillstand exponiert, gilt als ‹Hamas-Freund› und ‹Antisemit›.»Samir kritisiert vehement die Bombardements der Israelis, sagt aber auch, dass er sich gegen die Hamas stellt. 

Darum gehts

  • Der Filmemacher Samir kritisiert die Bombardements der Israelis.

  • Die Angriffe und Toten durch Israelis stehen laut ihm in keinem Verhältnis.

  • Es sei eine menschenrechtswidrige Bombardierung des Gaza.

Seit dem 7. Oktober verbreitet er auf der Plattform X Nachrichten, die das Leid der Palästinenserinnen und Palästinenser aufzeigen und die Botschaften der israelischen Regierung anzweifeln. Ebenfalls hat der irakisch-schweizerische Filmemacher Samir Jamal Aldin in Zürich eine Friedensdemo mitorganisiert und fordert einen Waffenstillstand im Nahostkonflikt.

Gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt der 68-Jährige, dass auch er zutiefst schockiert war, als die Hamas-Terroristen am 7. Oktober 1200 Menschen abgeschlachtet haben. «Dann aber ging es los mit der menschenrechtswidrigen Bombardierung Gazas, und die USA und Europa haben dies unterstützt», sagt Samir. Aus seiner Sicht sei dies eine Bankrotterklärung des Westens gegenüber der Idee, dass Menschenrechte universell sind. 

«Krasser Verstoss gegen das Völkerrecht»

Samir sagt, dass es im Nahostkonflikt doppelte Standards gibt. Für die eine Seite gelten die Menschenrechte, für die andere nicht. «Was die israelische Regierung macht, ist völlig unverhältnismässig und ein krasser Verstoss gegen das Völkerrecht.» 

Es sei im Krieg üblich, dass eigene Interessen mit Behauptungen durchgesetzt werden, sagt Samir auf die Äusserung der Zeitung, dass es laut der Völkerrechtler ein Bruch des Völkerrechts sei, wenn ein Regime die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde einsetze und Waffenlager unter Spitälern und Schulen anlege. «Ich bin erstaunt, dass die Mitteilungen der israelischen Armee ungeprüft als Tatsachen übernommen werden. UNO-Generalsekretär António Guterres sagte es deutlich: ‹Ihr verstösst gegen das Völkerrecht›.»

Ob die Hamas aber tatsächlich Waffen unter Spitälern lagert oder dort gar eine Kommandozentrale eingerichtet hat, wisse er aber nicht. «Ich weiss nur, dass die israelische Armee Kriegspartei ist und eine Propagandaabteilung hat.» Der Filmemacher stellt aber klar: «Ich glaube auch der Hamas nichts, ich kann mit Islamisten nichts anfangen und habe mich in meinen Filmen immer gegen sie gewendet. Aber noch einmal: Man bombardiert keine Spitäler, keine Schulen und keine Hilfseinrichtungen.»

«Wer wirft Bomben auf die Zivilbevölkerung ab?»

Um gegen die Hamas vorzugehen, hätte Israel ihre Elitesoldaten schicken können, um die Hamas-Terroristen unschädlich zu machen, sagt Samir auf die Frage, ob Hamas-Terroristen gefahrlos aus Spitälern und Schulen ihre Terroristen losschicken können. «Man sagt Israel nach, die viertstärkste Armee der Welt zu haben. Das israelische Militärkommando sagt, es hätte bislang 60 Terroristen getötet. Dafür sind über 10’000 Zivilisten durch Bombierungen gestorben, darunter Tausende von Kindern. Das steht in keinem Verhältnis», so Samir.

Es sei interessant, dass israelische Zahlen nie infrage gestellt werden. «Mich erschüttert diese Unmenschlichkeit, dass die Getöteten in Gaza als ‹Kollateralschaden› bezeichnet werden. Diese Menschen werden doppelt bestraft.» Denn laut Samir lehnen gemäss einer US-Umfrage von «Foreign Policy» über 70 Prozent der Leute in Gaza die Hamas ab. 

Daraufhin wird Samir vom Journalisten der «SonntagsZeitung» darauf hingewiesen, dass man deshalb gegen die Hamas protestieren soll, die das eigene Volk terrorisiert, und nicht gegen Israel. Der Filmemacher erläutert im Interview auf die Aussage: «Wer wirft Bomben auf die Zivilbevölkerung ab, die über 4000 Kinder getötet haben? Die Hamas? Es sind israelische Bomben, die töten.»

«Der Zynismus ist unglaublich»

Dabei ärgert sich der 68-Jährige auch darüber, wie in der Schweiz über den Konflikt diskutiert wird. «Der Zynismus vieler Leute ist unglaublich. Das Leid der Bevölkerung in Gaza interessiert sie nicht.» Samir selbst erfährt für die Forderung einer Waffenruhe viele Anfeindungen. «Wer sich für die Palästinenser oder für einen Waffenstillstand exponiert, gilt als ‹Hamas-Freund› und ‹Antisemit›», sagt Samir. 

Gleichzeitig sei es aber auch unhaltbar, dass Juden Angst haben müssen, sich zu bekennen. Paradoxerweise machen Muslime und Juden laut Samir in der Schweiz zurzeit dieselbe Erfahrung. «Beide werden attackiert und ausgegrenzt. Die Medien sind daran nicht unschuldig. Ständig werden Juden mit Israel gleichgesetzt. Dabei sind viele Juden gegen Netanyahu und die Besatzungspolitik. Und die Mehrheit der Muslime sind keine Hamas-Freunde», so Samir. 

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