July 19, 2024

Brian hat einen Entschuldigungsbrief des einstigen Leiters des Zürcher Justizvollzugs, Thomas Manhart, erhalten. Er sei «Teil der Maschinerie» gewesen, die ihm unrecht getan habe. 

Brian erhielt einen Entschuldigungsbrief.

Darum gehts

  • Thomas Manhart war 25 Jahre im Justizvollzug tätig. Von 2007 bis 2019 war er Zürcher Amtschef.

  • Er war mitverantwortlich dafür, dass Brian in Einzelhaft kam.

  • Nun hat er sich bei Brian in einem Brief entschuldigt. 

«Ich verfolge Ihr Schicksal mit zunehmender Sorge. Ich sehe, wie Ihnen der grösste Teil Ihrer Jugend gestohlen wird, Sie hinter Gittern sind und nicht mehr herauskommen. Und in dieser Zeit ist sehr vieles schiefgelaufen»: Thomas Manhart, von 2007 bis 2019 Leiter des Zürcher Justizvollzugs, hat dem 28-jährigen Brian einen handgeschriebenen Brief überbringen lassen. Darin übt er viel Selbstkritik, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Zudem entschuldigt er sich «in aller Form für das Unrecht, das Ihnen unter meiner Verantwortung angetan wurde, für die Verletzung Ihrer Menschenrechte, die überlange Einzelhaft, die Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit, welche ich mitverantwortet habe». Er sei «Teil der Maschinerie» gewesen, die ihm unrecht getan habe, schreibt Manhart. Das sei durch nichts zu rechtfertigen. Er hoffe, dass die schwierige Zeit für Brian nun ein Ende habe. «Mögen sich Ihre Wünsche und Träume endlich erfüllen!», so der Ex-Amtschef.

Kritik an Justizvollzug

Manhart bezeichnet sich als «einen der Hauptverantwortlichen für die Missstände» und nennt weder Justizdirektion noch die heute Verantwortlichen. Trotzdem kann der Brief als indirekte Kritik an der Justizdirektion und Regierungsrätin Jacqueline Fehr gelesen werden. Manhart schreibt, dass er sich in seiner Berufszeit immer wieder gefragt habe, wie er sich in einem repressiven und menschenrechtswidrigen Justizsystems verhalten würde. Er habe nicht gemerkt, dass er selbst «Bestandteil eines solchen Systems geworden war». 

Auslöser für den Brief sei der laufende Prozess gegen Brian vor dem Bezirksgericht Dielsdorf gewesen. Dieser habe ihm «die Augen geöffnet». Manhart hat die Zürcher Justizdirektion bereits in der Vergangenheit kritisiert. Zwei Jahre nach seiner Absetzung 2019 veröffentlichte er seine Memoiren. In diesen zog er über ehemalige Mitarbeitende und Fehr her. Die Zürcher Justizdirektion hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Eine Alternative zur Unterbringung Brians habe es aufgrund von dessen Aggressivität nicht gegeben.

Urteilseröffnung am Mittwoch

Brian muss sich derzeit vor dem Bezirksgericht Dielsdorf wegen 31 Delikten verantworten, die er während seiner Einzelhaft in der Pöschwies begangen haben soll. Die Verteidiger Brians fordern einen Freispruch – und eine Entschädigung in der Höhe von rund zwei Millionen Franken. Der Staatsanwalt verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von neun Jahren und sieben Monaten. Das Urteil wird am Mittwoch eröffnet.

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