February 25, 2024

In der Nacht auf Freitag kam es im Kreis 7 in Zürich zu antisemitischen Sprayereien an mehreren Hauswänden und Fassaden. Bei den Anwohnern sitzt der Schock tief.

Daniel KrähenbühlJan JanssenAm Freitagmorgen wurden im Kreis 7 erneut mehrere antisemitische Graffitis entdeckt.Die Schmierereien sind an öffentlichen Wänden, Schulfassaden und Privathäusern – auch solche in der Nähe von Menschen jüdischen Glaubens.Die Bewohner sind betroffen und schockiert. 

Darum gehts

  • Am Freitag wurden im Zürcher Kreis 7 mehrere antisemitische Graffitis entdeckt.

  • Betroffen sind öffentliche Wände, Schulfassaden und Privathäuser – auch solche in der Nähe von Menschen jüdischen Glaubens.

  • Die Stadtpolizei Zürich wurde informiert, die Graffitis werden übermalt.

Davidsterne, Hakenkreuze und antisemitische und hetzerische Aussagen wie «Achtung, Juden» oder «Tod den Juden»: In der Nacht auf Freitag haben Unbekannte verschiedene Schmierereien am Zürichberg an Wände, Schulfassaden und Privathäuser angebracht. «Mein sechsjähriger Sohn hat heute Vormittag die Graffitis zuerst gesehen, zum Glück kann er noch nicht lesen und versteht die Bedeutung des Hakenkreuzes noch nicht», sagt ein jüdischer Anwohner. «Ich selbst bin extrem schockiert über diese Hassbotschaften.» 

Einen latenten Antisemitismus habe es in der Schweizer Gesellschaft schon immer gegeben, sagt der 52-Jährige. Die jetzige um sich greifende Judenfeindlichkeit gegen jüdische Personen bereite aber auch ihm Sorgen. «Das ist mehr als Antisemitismus, das sind Morddrohungen. Das macht uns schon Angst.» Wer die Urheber sind, wisse er nicht. «In der Strasse gibt es aber immer wieder FCZ- und ZSC-Graffitis, das sind wohl einfach irgendwelche Leute, die die Bedeutung nicht verstehen und Aufmerksamkeit suchen.» Er habe sogleich die Stadtpolizei informiert, die umgehend einen Streifenwagen vorbeigeschickt habe, so der Anwohner. «Die Graffitis wurden entfernt – aber trotzdem geht so etwas gar nicht.»

Polizei setzt Taskforce ein

Dieser Meinung ist auch ein News-Scout (20), der 20 Minuten die Bilder zukommen liess. «Ein Freund berichtete mir am Vormittag von mehreren antisemitischen Graffitis an den Häusern.» Dass es auch bei ihnen im Quartier zu so etwas komme, habe ihn überrascht. «Dass selbst junge Kinder diesem Hass ausgesetzt werden, schockiert mich sehr.» 

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt, dass sofort Ermittlungen eingeleitet worden sind und die Reinigung in Auftrag gegeben worden ist. Es handle sich um einen Straftatbestand, genauer um Diskriminierung und Aufruf zu Hass, sagt Stadtpolizei-Kommunikationschefin Judith Hödl.

Es ist nicht der einzige Antisemitismus-Vorfall seit dem 7. Oktober in der Stadt: «Bei der Stadtpolizei Zürich gingen in diesem Zusammenhang bisher rund zehn strafrechtlich relevante Anzeigen ein. Dabei handelt es sich grösstenteils um Schmierereien», sagt Hödl. Aufgrund der aktuellen Lage habe die Stadtpolizei einen Führungsstab eingesetzt, der auch laufend Lagebeurteilungen durchführe.

Vermehrt Fälle in Zürich

Seit dem Angriff der Hamas in Israel sind in Zürich vermehrt antisemitische Graffitis aufgetaucht. So kam es zum Beispiel in Wiedikon letzten Samstag zu mehreren Vorfällen. In Küsnacht kam es in der Halloween-Nacht zu Sprühereien. Auch im Kreis 7 ist dies nicht der erste Vorfall. So wurde bereits vor einigen Wochen bei der Kirche Fluntern die Wand mit einer antisemitischen Botschaft besprüht.

Am Donnerstagabend kam es im Zuge der aktuellen Geschehnisse auf dem Münsterhof in Zürich zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus. Mit dabei waren als Redner unter anderem auch SP-Ständerat Daniel Jositsch, SVP-Nationalrat Alfred Heer, FDP-Kantonsrätin Sonja Rueff und Mitte-Präsident Gerhard Pfister.

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