February 25, 2024

Eine Immobilienfirma vermietet Gebäude, die abgerissen oder saniert werden sollen. Darunter auch Zimmer in prekärem Zustand. Dem Mieterinnen- und Mieterverband Zürich ist dies bekannt.

Für dieses Schimmelzimmer werden pro Monat 650 Franken verlangt. Angeboten wird das Zimmer von Projekt Interim. Die Spezialistin für Zwischennutzungen wirbt damit, dass ihre Angebote meist konkurrenzlos günstig sind.Das Zimmer befindet sich an der Hallwylstrasse 40 in Zürich. Auch andere Zimmer werden dort zur Zwischennutzung angeboten.Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich (MVZH) ist über das Angebot von Projekt Interim wenig überrascht. «Gammelwohnungen, wie die auf dem Bild, werden zum halben Preis vermietet. Die nicht stark sanierungsbedürftigen Wohnungen mit zwei Zimmern und Balkon kosten das Doppelte.»

Darum gehts

  • Der 23-jährige R.G.* besichtigte vor zwei Wochen ein ausgeschriebenes Zimmer.

  • Als ein Mitarbeiter der Anbieterin Projekt Interim dem 23-Jährigen das Zimmer zeigte, verschlug es ihm die Sprache.

  • Bei der Besichtigung traf der Interessent auf ein Schimmelzimmer.

  • 650 Franken pro Monat verlangt Projekt Interim für das Zimmer. 

Eine auf Zwischennutzung spezialisierte Immobilienfirma wirbt damit, dass ihre Angebote «meist konkurrenzlos günstig» seien. Das sogenannte «Projekt Interim» verspricht Eigentümern oder Verwaltungen «mit massgeschneiderten Zwischennutzungen, Leerstand zu vermeiden oder zu überbrücken».

Von diesem Angebot wollte auch R.G.* profitieren. Auf der Suche nach einem Zimmer oder einer Wohnung meldete sich der 23-Jährige bei der Anbieterin an. Tatsächlich konnte G. vor knapp zwei Wochen ein Zimmer an der Hallwylstrasse 40 in Zürich besichtigen, in Begleitung eines Mitarbeiters von Projekt Interim.

Zimmer voller Schimmel

«Als ich das Zimmer betrat, verschlug es mir die Sprache», sagt der 23-Jährige. Dass in Zürich die Preise für eine Wohnung oder ein Zimmer extrem sind, ist dem jungen Mann bewusst. «Dieses Zimmer überschreitet aber jegliche Grenze – es ist gar gesundheitsgefährdend», sagt G.

650 Franken im Monat soll das Zimmer laut «Projekt Interim» kosten. Bad und Dusche müssen im Hausflur mit Bewohnenden anderer Zimmer geteilt werden. Im Preis inbegriffen ist dafür Schimmel. «Ein solches Zimmer darf nicht angeboten werden», so G.

Verzweifelt über die Wohnsituation fragte G., ob die Verwaltung das Zimmer vor Einzug noch sanft renovieren würde. «Es wurde explizit darauf hingewiesen, dass nichts am Zimmer gemacht wird.» Selbst Hand anlegen dürfen die Mietenden allerdings. «Die Ironie ist aber, dass der Mietvertrag festhält, das Zimmer beim Auszug wieder so zu verlassen, wie man es angetroffen hat», so G.

«Das ist Abzocke»

Angesprochen auf das Schimmelzimmer an der Hallwylstrasse, reagiert Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich (MVZH) über die Angebote von «Projekt Interim» wenig überrascht. «Die teils sehr prekären Verhältnisse in den Wohnungen sind uns bekannt.» Auch andere Wohnungen sehen laut Angst so oder ähnlich aus. Die von Interim verlangten Mieten differierten stark, sagt Angst. «Gammelwohnungen, wie die auf dem Bild, werden zum halben Preis vermietet. Die nicht stark sanierungsbedürftigen Wohnungen mit zwei Zimmern und Balkon kosten das Doppelte.»

Laut Angst ist das Vorgehen von «Projekt Interim» anmassend. Er ist der Ansicht, dass die Wohnungen saniert werden müssen, anstatt die nicht gebrauchstauglichen Zimmer zu einem tieferen Mietzins anzubieten. «Vermutlich macht Interim das nicht, weil sich der Aufwand aufgrund der kurzen Vermietungszeit nicht lohnt. Ein solches Vorgehen ist Abzocke.» Das Risiko für Interim sei allerdings hoch. Denn die Mieter könnten nach der Unterzeichnung des Mietvertrags die Instandsetzung verlangen, egal, wie hoch die Kosten seien.

Apropos Risiko: Laut Lunge Zürich ist Schimmelpilz in der Wohnung auch gesundheitsschädigend. «Generell können Schimmelpilze zu Reizungen der Augen, Haut, Atemwege und Schleimhäute führen», sagt Claudia Wyrsch von Lunge Zürich. Für Personen, die an bestimmten Vorerkrankungen litten, bärgen Schimmelpilze zusätzliche Risiken, ergänzt Wyrsch. «Betroffene von chronischem Asthma oder Cysterischer Fibrose können dadurch an einer gefährlichen allergischen Lungenerkrankung ABPA (Allergische Bronchopulmonale Aspergillose) erkranken.»

Für Hinweise dankbar

Simon Günthard von Projekt Interim sagt auf Anfrage, dass es in dieser Liegenschaft Zimmer im Dachgeschoss gebe, die erst saniert werden müssten, bevor Projekt Interim diese vermieten könne. Dieses Zimmer sei eines davon. Günthard sagt aber: «Wenn wir Zimmer vermieten, achten wir stets darauf, dass diese gut bewohnbar sind.»

Das Interesse an Zimmern bei der Hallwylstrasse sei derart gross gewesen, dass sich die Personen an den Besichtigungen im Haus frei bewegen konnten. «In diesem Projekt waren die Zimmer teilweise noch mit Möbeln vollgestellt, als wir es übernommen haben. Darum war es nicht möglich, die Zimmer vor der Besichtigung zu sanieren», sagt Günthard. Selbstverständlich werde «Projekt Interim» auch bei diesem Zimmer an der Hallwylstrasse, sollte es vermietet werden, vorher sämtliche Mängel beheben. 

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