July 20, 2024

Linke Aktivisten kündigen an, die Wasseranschlüsse von möblierten Apartments abzudrehen und zuzubetonieren. Ein erster Versuch an der Josefstrasse 198 scheiterte jedoch.

Die Wohnungen an der Josefstrasse 198 werden zumeist an Touristen und Geschäftsleute vermietet. Die Wohnungen in den Viadukt-Apartments kosten zwischen 270 und 360 Franken pro Nacht – dank eines Angebots zum Jahresende.  Normalerweise kosten die Wohnungen zwischen 410 und 560 Franken pro Nacht.

Darum gehts

  • Linksautonome kündigen online an, die Wasserversorgung von möblierten Apartments zu unterbrechen. Danach sollten die Anschlüsse zubetoniert werden.

  • Die erste Aktion im Kreis 5 scheiterte jedoch. Laut der Stadtpolizei sind keine Meldungen wegen einer unterbrochenen Wasserversorgung eingegangen. 

  • Die Wasserversorgung der Stadt Zürich kritisiert die Ankündigung.

«Der Gentrifizierung den Hahn zudrehen»: Unter diesem Titel teilten Linksautonome auf der Online-Plattform Barrikade.info kürzlich mit, dass sie bei der Firma Viadukt Apartments an der Josefstrasse 198 in Zürich den Wasseranschluss abgedreht und zubetoniert haben. «Gut betuchte Touris oder Business-Leute» in den möblierten Luxus-Apartments nähmen den Anwohnern Wohnungen weg, im traditionellen Arbeiterquartier könnten sich Alteingesessene wegen der Gentrifizierung den Wohnraum kaum mehr leisten.

An der Josefstrasse seien aus bezahlbaren 4-Zimmer-Wohnungen luxuriöse 3-Raum-Wohnungen für 4500 Franken pro Monat gemacht worden. «Für die profitorientierte Firma ist dies deutlich lukrativer, als die Wohnung dauerhaft an Bewohnerinnen und Bewohner zu vermieten», schreiben die Urheber dazu.

Sachbeschädigung und Nötigung

Weil selbst die Politik keine Antworten auf die immer weiter steigenden Mieten habe, sei man selbst aktiv geworden: «Wir nehmen wie bisher die Sache selbst in die Hand und werden auch künftig mit nächtlichen Besuchen zeigen, dass Aufwertung angreifbar ist und bleibt.» Dazu posten die Linksautonomen eine Anleitung, wie der richtige Wasseranschluss identifiziert, abgedreht und mit Konstruktionsleim oder Schnelltrockenzement gefüllt werden soll. 

Nur: Offenbar ging der Plan nicht ganz auf. Laut der Stadtpolizei Zürich ist bisher keine diesbezügliche Meldung eingegangen. Es würde sich um eine Sachbeschädigung und eventuell Nötigung handeln, sagt ein Polizei-Sprecher. Auf Antrag kann das Gericht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe aussprechen.

«Lieber, man sucht das Gespräch»

Die Firma «Bedu Service GmbH», die die Viadukt Apartments anbietet, hat bisher ebenfalls keine Störungsmeldung erhalten. Geschäftsführerin Thi Ngoc Dung Nguyen sagt, sie sehe selbst, dass die Wohnungsnot in der Stadt gross sei. Geschäftsleuten und Touristen seien zentrale Wohnungen allerdings sehr wichtig. «Davon profitieren nicht nur wir, sondern Läden und Restaurants im Quartier und in ganz Zürich – das belebt die Wirtschaft.» 

Die teuerste Wohnung koste derzeit 360 Franken pro Nacht, sagt Nguyen. Platz hätten bis zu acht Leute darin. Sie gibt unumwunden zu: «Es gibt Leute, die bis zu 10’000 Franken pro Monat bezahlen. Touristen bringen das Zwei- bis Dreifache einer normalen Vermietung.» Ein guter Teil fliesse davon aber wieder ab: «Für die Steuern, die Angestellten und die Reinigung.» Sie selbst arbeite regelmässig 16 Stunden pro Tag. Dass Linksautonome ihrer Firma jetzt schaden wollten, finde sie schlimm. «Lieber, man sucht das Gespräch und findet gemeinsame Lösungen.» 

Trinkwasser als Allgemeingut

Auch die Wasserversorgung der Stadt Zürich kritisiert die Ankündigung der Linksautonomen: «Mit solchen und ähnlichen Sachbeschädigungen kann das Problem nicht gelöst werden; es trifft vielmehr am Ende die Falschen», sagt Sprecher Hans Gonella. Die Sachbeschädigungen müssten nämlich von Mitarbeitenden beseitigt werden, von denen viele genauso von der Wohnungsknappheit betroffen seien.

Zudem sei Trinkwasser ein Allgemeingut, auf das jede und jeder ein Anrecht habe. «Die Qualität des Zürcher Trinkwassers ist hoch – diese zu gefährden, trifft Mitmenschen, darunter auch Kinder», sagt Gonella. «Daher verurteilt die Wasserversorgung das Vorgehen der Aktivisten auf das Schärfste.»

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