February 29, 2024

Die Hauptmieterin eines Hauses in Winterthur brachte IV- und Sozialhilfebezüger zur Untermiete unter. Aufgrund ausbleibender Zahlungen kündigte die Eigentümerin des Hauses der Hauptmieterin und verlangt, dass die Armutsbetroffenen ausziehen. 

Marino WalserJan JanssenSeit Monaten leben Mietende eines Hauses an der Strittackerstrasse in prekären Verhältnissen. Ende Oktober müssen sie nun ausziehen. Im Haus wurden aufgrund offener Rechnungen des Hauptmieters Heizung und Warmwasser abgestellt. Die Untermieter litten darunter.

Darum gehts

  • In einem Haus an der Strittackerstrasse in Winterthur, im Stadtteil Töss, spitzt sich ein Mietstreit zu.

  • Im Haus wurden Heizung und Warmwasser abgestellt, Reparaturen stehen noch aus.

  • Im Haus wurden von der Eigentümerin acht bis elf IV- und Sozialhilfebezüger zu überhöhten Mieten untergebracht.

  • Ende Monat müssen alle Bewohnenden aus dem Haus ausziehen. Die angebotene Notlösung gefällt den Mietenden nicht. 

An der Strittackerstrasse in Winterthur Töss tobt ein Streit zwischen einer Hauseigentümerin und einer Hauptmieterin. Die Opfer des Streits: die Bewohnenden des Hauses. Denn diese müssen Ende Oktober ausziehen. Doch die Notlösung der Wohnhilfe finden sie nicht genügend. Deshalb ist noch unklar, wo sie ab nächsten Monat wohnen werden.

Beim Hauptmieter eines Hauses in der Strittackerstrasse handelt es sich laut dem «Landbote» (Bezahlartikel) um das Architekturbüro Walter Bau GmbH. Dieser hatte zu mutmasslich überrissenen Untermieten zwischen acht und elf Mieter im Haus untergebracht – Sozial- oder IV-Bezüger und Armutsbetroffene. Der Hausbesitzerin erzählte der Firmeninhaber hingegen, er bringe darin einige der eigenen Bauarbeiter unter.

Nicht für die Kosten aufgekommen

Die Hauptmieterin selbst bezahlte die Miete jedoch nicht vollständig und die Hygiene im Haus vernachlässigte sie ebenfalls. Deshalb kündigte die Hausbesitzerin der Firma im Frühling und verlangte, dass die Bewohnenden das Haus verlassen.

Da viele der Bewohnenden es schwer haben, auf dem Wohnungsmarkt eine geeignete Wohnung zu finden, blieben sie über den Sommer im Haus. Einige suchten laut dem «Landboten» Unterstützung bei der städtischen Wohnhilfe.

Im Frühsommer wurde ihnen das Warmwasser abgestellt. Nicht, weil man sie rausekeln wollte, sondern weil das Architekturbüro die Nebenkosten nicht bezahlte. Die Eigentümerin ist aber nicht bereit, die offenen Kosten aus eigener Tasche zu bezahlen. Denn, so der Anwalt der Besitzerin gegenüber der Tageszeitung, es sind Rechnungen von über 20’000 Franken offen – zu begleichen durch die Walter Bau GmbH. Das Architekturbüro will sich dazu nicht detailliert äussern, sagt aber: «Wir bedauern aber sehr, dass die Bewohner in dieser Lage sind und wir ihnen nicht helfen konnten.»

Wohnhilfe kann nicht helfen

Die Bewohnenden haben davon allerdings wenig. Nicht nur das Warmwasser, auch die Heizung wurde im Haus abgestellt. Eine Bewohnerin sagt dazu: «Im Sommer ging das. Doch inzwischen ist es sehr kalt.» Sie müsse sich im Haus anziehen, als wäre sie auf der Strasse. Auch habe sich die hygienische Situation nochmals verschlimmert.

Die Frau, die im sechsten Monat schwanger ist, hat Angst um die Gesundheit von ihr und ihrem Nachwuchs. «Mein Arzt sagt, dass jeder Tag in diesem Haus eine Gefahr für das Kind ist.» Zusammen mit ihrem Partner, der in einer anderen von der Walter Bau untervermieteten Immobilie wohnt, bewerbe sie sich fast jeden Tag um Wohnungen. «Wir haben aber einfach keine Chance. Ich weiss nicht, was wir noch machen sollen.»

Auch die Wohnhilfe weiss im Moment noch nicht, wo die Bewohnenden unterkommen können. Es gebe keinen freien Wohnraum, um sie langfristig unterzubringen. Der Anwalt der Hausbesitzerin sagt aber, dass man das Haus der Stadt zur Miete angeboten hatte. Diese habe aber das Angebot abgelehnt.

Stadt will Haus nicht übernehmen

Beim Sozialdepartement erklärt man: «Die Wohnverhältnisse sind so nicht zumutbar. Deshalb kann die Stadt das Haus nicht als Hauptmieterin übernehmen.» Auch die finanziellen Risiken seien zu hoch und zu wenig einschätzbar. Die Wohnhilfe bot den Bewohnern deshalb Notlösungen an. Doch diese empfinden einige von ihnen als ungenügend.

Mittlerweile hat die schwangere Frau, zusammen mit ihrem Partner, eine Bleibe gefunden. Ein anderer im Haus wohnhafter Mann steht jedoch nach wie vor vor dem Nichts. Bis Ende Oktober hat er noch Zeit, eine Wohnung zu finden. 

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