July 25, 2024

Das Stadtwerk Winterthur plant, die Gasversorgung von 4200 Hauseigentümerinnen und -eigentümern im Jahr 2033 zu kappen. Nicht alle sind damit einverstanden.

Im Winterthurer Birchermüesli-Quartier soll das Gas abgestellt werden.Das Stadtwerk Winterthur verweist darauf, dass das Winterthurer Stimmvolk sich zur Klimaneutralität bis 2040 bekannt hat.Der neue kommunale Energieplan sehe vor, dass sich die Gasversorgung schrittweise aus grossen Teilen der Stadt zurückziehe.

Darum gehts

  • Das Stadtwerk Winterthur will die Gasversorgung schrittweise stilllegen.

  • Rund 6750 Haushalte sind von den Plänen betroffen.

  • Unter anderem soll das Gas auch im sogenannten Birchermüesli-Quartier in Winterthur abgeschaltet werden.

  • Bis 2033 müssen die Hauseigentümer alternative Heizlösungen finden.

«Ihre Liegenschaft liegt in einem Gebiet, in dem die Gasversorgung spätestens Ende 2033 stillgelegt wird»: Einen solchen Brief des Stadtwerks haben Ende September zahlreiche Winterthurer Hauseigentümer erhalten. Den Anwohnern soll das Gas gekappt werden, weil sich die Stimmbevölkerung im November 2021 für die Klimaneutralität bis 2040 entschied, schreibt das Stadtwerk. Der neue kommunale Energieplan sehe vor, dass sich die Gasversorgung schrittweise aus grossen Teilen der Stadt zurückziehe.  

Statt Heizungen mit fossilen Brennstoffen würden erneuerbare Heizsysteme wie etwa Wärmepumpen zur Verfügung stehen. Sind Geräte und Leitungen zum Zeitpunkt der Netzstilllegung jünger als 20 Jahre, sollen Eigentümer eine «angemessene Restwertentschädigung» erhalten. Der Winterthurer Peter Junker ärgert sich: Sein Vater habe 1933 ein Haus im betroffenen Winterthurer Quartier «Birchermüesli» – damals noch für 11’000 Franken – gekauft. «Ich bin hier geboren worden, ging hier in die Schule und lebte hier viele Jahre lang.» Er kritisiert die Ankündigung scharf: «Dass der Gashahn bereits 2033 oder früher zugedreht werden soll, ist eine willkürliche Aktion vorauseilenden Gehorsams.» 

Hohe Kosten

Es sei ökologisch und ökonomisch unsinnig, Gasleitungen um Jahre früher als nötig zu kappen, sagt Junker. Den Entscheid bezeichnet er als «sehr radikal». «Dieser Entscheid wird einige Bewohnerinnen und Bewohner ins Mark treffen und deren finanzielle Strukturen angreifen.» Hinzu komme, dass der Bau von Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen oder Erdsonden aufgrund von Sonderbauvorschriften derzeit gar nicht möglich sei. «Was sollen die Anwohner denn tun – erfrieren?», fragt Junker rhetorisch. 

Für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sei die Gas-Stilllegung «sehr ärgerlich», sagt Ralph Bauert, Geschäftsführer des Winterthurer Hauseigentümerverbands. Der HEV habe in Verhandlungen mit dem Stadtwerk Winterthur zwar eine Restwertentschädigung herausholen können. «Die Umstellung auf ein anderes Heizsystem erfordert zum Teil grössere bauliche Massnahmen, welche für die betroffenen Eigentümer einen grossen zeitlichen Aufwand, eine Baustelle im Haus und zusätzliche Kosten bedeuten», sagt Bauert.

6750 betroffene Haushalte

Das Stadtwerk Winterthur teilt mit, dass die Stilllegung der Gasversorgung mit den Energie- und Klimazielen der Stadt Winterthur verknüpft sei: «Um Netto-Null CO2 bis 2040 für Gebäudewärme zu erreichen, müssen fossile Heizsysteme durch erneuerbare ersetzt werden», sagt Sprecherin Juliana Müller. Gas werde nur noch für Prozesse in den Industrie- und Gewerbezonen und zur Spitzenlastabdeckung in Wärmeverbunden zur Verfügung stehen. Insgesamt seien rund 6750 Erdgas-Anschlüsse betroffen. Bei 2550 Hauseigentümerinnen und -eigentümern werde das Gas per 2030 stillgelegt, bei etwa 4200 per 2033. 

Man gebe jetzt der Kundschaft Zeit, die Heizungen umzustellen, so Müller. Das Stadtwerk trenne dann den Hausanschluss ab und nehme die Leitungen so ausser Betrieb. «Will die Kundschaft die Leitungen entfernen, muss sie dies auf eigene Rechnung tun.» Da grosse Teile des Birchermüesli-Quartiers vom Grundwasserstrom durchzogen werden, darf aus Gründen des Gewässerschutzes – ausser am Rand des Gebietes – nicht gebohrt und damit auch keine Erdsonden installiert werden. «Da das Gebiet sehr dicht bebaut ist, könnte eine gemeinsame Lösung im Sinne einer Grundwasserwärmepumpe in Betracht kommen.» Hierfür bedürfe es jedoch weiterer geologischer oder technischer Abklärungen. 

Welches Heizsystem ist bei dir im Einsatz?

ÖlheizungGasheizungWärmepumpeHolzheizungElektroheizungFernwärmeEtwas anderes (Biogas, Solarthermie, etc.) 

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