May 26, 2024

Verkehrsexperte Thomas Riesen klärt auf, wie es zum MFK-Betrug kommen konnte, und gibt Tipps, wie die Autos mit falscher Zulassung beim Kauf vermieden werden können.

Die Polizei sprengte am Mittwoch eine Gruppe von Personen, die bei MFK-Kontrollen betrügerisch vorgegangen sind.Ihnen wird vorgeworfen, ältere Motorfahrzeuge in teilweise mangelhaftem Zustand durch die MFK geschleust zu haben, um sie als angeblich vorgeführte Fahrzeuge zu verkaufen oder um sie in verschiedenen Kantonen weiter einzulösen.Die Autos mit falscher Zulassung könnten nun auf den Strassen landen.

Darum gehts

  • Ein MFK-Betrügerring schmuggelte zahlreiche Autos durch die Zulassung.

  • Der ehemalige Verkehrsexperte Thomas Riesen klärt im Interview auf, wie dies passieren konnte.

Ein grosser MFK-Betrügerring schaffte es, zahlreiche ältere Fahrzeuge in teilweise mangelhaftem Zustand mit falschen Zertifikaten wieder in Umlauf zu bringen. 30 Personen werden beschuldigt, die Polizei nahm am Mittwoch rund ein Dutzend Personen fest. Thomas Riesen, diplomierter Verkehrsexperte für Führer- und Fahrzeugprüfungen und früher beim Aargauer Strassenverkehrsamt tätig, ordnet die Hintergründe und Gefahren ein.

Was sagen Sie zu diesem Fall?
Laut der Staatsanwaltschaft hat es unter den knapp 30 Beschuldigten glücklicherweise nur einen Verkehrsexperten. Ich muss sagen, dass ich so etwas keinem meiner ehemaligen Arbeitskollegen zutrauen würde. Dieser Vorfall zeigt nur eines: Überall, wo Menschen arbeiten, muss man mit menschlichen Fehlern oder Unzulänglichkeiten rechnen. Für all die Verkehrsexperten, welche in der Schweiz täglich gute und wichtige Arbeit leisten, ist die Quote an schwarzen Schafen äusserst klein.

Ich bin der Überzeugung, dass ein x-Faches an Betrugsversuchen stattfindet, bei denen – bis auf ganz wenige Ausnahmen – die Mitarbeiter in den Ämtern und externen Prüfstellen standfest bleiben und ihren Job im Namen der Verkehrssicherheit professionell und unbestechlich ausführen.

Wie konnte es zu einem Betrug dieses Ausmasses kommen? 
Die Strassenverkehrsämter sind ISO-zertifiziert und die Abläufe sind sehr genau vorgegeben. Es werden Stichproben vorgenommen und auch die Experten haben einen Berufsstolz. Sie haben kein Interesse daran, selbst zu betrügen oder einen Betrug zu unterstützen. Fällt eine Ungereimtheit auf, wird dies den Vorgesetzten gemeldet.

Zudem werden die Fahrzeuge im Zufallsprinzip den Verkehrsexperten für die Prüfung zugeteilt, somit ist ein Betrug aus meiner Sicht in einem grossen Amt noch unwahrscheinlicher als in einer kleinen Aussenstelle. Ich schätze die Chance eines erfolgreichen Betrugs wirklich als sehr klein ein. In diesem Fall bestätigt wohl die Ausnahme die Regel.

Wie viele betroffene Betrugs-Autos unterwegs sind, ist nicht bekannt. Welche Gefahren gehen von ihnen aus?
Beschädigungen oder Verschleiss an einem Fahrzeug, die eine akute Auswirkung auf die Betriebssicherheit haben, machen sich in den allermeisten Fällen durch Geräusche oder anderweitig bemerkbar. Hier wird der Fahrer schon aus eigenem Interesse handeln.

Ich gehe davon aus, dass mit den erwähnten Betrügereien eher kostspielige Reparaturen im Bereich Umwelt – etwa Dieselpartikelfilter, Katalysatoren oder leuchtende Motorkontrolllampen – umgangen wurden. Es ist für mich auch vorstellbar, dass Karosserieschäden oder Teile des Airbag-Systems nicht fachgerecht repariert wurden.

Zudem fahren tagtäglich Fahrzeuge durch die Schweiz, die in Ländern immatrikuliert sind, in welchen nicht dieselben Standards gelten. Da die Medien nicht voll von Berichten mit Unfällen solcher Fahrzeuge sind, schliesse ich für mich aus, dass wir direkt wegen dieses Betrugsfalls Unfälle auf unseren Strassen sehen werden.

Können Autokäufer erkennen, ob die MFK-Prüfung echt ist?
Es gibt keinen Grund, an der Echtheit und der Qualität der MFK-Prüfung zu zweifeln. Täglich finden in der Schweiz Hunderte Fahrzeugprüfungen absolut regelkonform statt. Wenn der Betrug mit der Hilfe eines Insiders vonstattengegangen ist, wird der Laie einen Betrug auf dem Papier nicht erkennen können.
Generell rate ich jedoch Folgendes: Kaufen Sie Ihr Fahrzeug bei einer Garage Ihres Vertrauens, machen Sie eine Probefahrt – und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.

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