July 25, 2024

Bei schönem Wetter kommen am Samstag und Sonntag täglich 20’000 Besuchende zum Juckerhof in Seegräben. Anwohnerinnen und Anwohner leiden unter dem Andrang.

Die Stimmung auf dem Juckerhof in Seegräben ZH ist an den Wochenenden gemütlich und ruhig.Jährlich lockt der Juckerhof zwischen September und Oktober Tausende Menschen nach Seegräben. Der Grund: Eine schöne Aussicht auf die Alpen und den Pfäffikersee und eine Kürbisausstellung, die weitherum bekannt ist. Die Anwohnenden stören sich an dem Touristenansturm. «Die Strassen werden regelmässig als grosse Fussgängerzone benutzt. Fährt man vorbei, schlagen und kicken sie uns gegen die Autos und drohen mit Gewalt», sagt S. 

Darum gehts

  • In Seegräben ZH befindet sich der Juckerhof, der jährlich zwischen September und Oktober Tausende Leute anlockt.

  • Der Verkehr und das Besucheraufkommen bringen erhebliche Einschränkungen für die Seegräbnerinnen und Seegräbner mit sich.

  • Die Seegräbnerinnen und Seegräbner fordern, dass die Gemeinde und auch die Kantonspolizei Zürich mehr gegen die Blechlawinen und die teils aggressiven und rücksichtslosen Besucher machen.

  • Die Gemeinde sagt, dass schon erhebliche Anpassungen vorgenommen wurden.

  • Auch der Betreiber des Juckerhofs ist der Meinung, dass bereits das Bestmögliche aus dem Erlaubten gemacht wird.

Der Juckerhof auf einer Anhöhe in der Gemeinde Seegräben ist prächtig gelegen. Vor dem Hof erstrecken sich die Voralpen und der Pfäffikersee, der Hof selbst ist mit Hunderten kleinen und grossen Kürbissen geschmückt. Gerade im September und Oktober gehört ein Besuch auf dem Hof für Tausende Besucherinnen und Besucher zum traditionellen Herbstprogramm.

Bei den Einwohnerinnen und Einwohnern von Seegräben sorgt das Treiben jedoch für Unmut: Die Nerven liegen bei vielen blank. Schuld daran sind das jährlich grösser werdende Verkehrsaufkommen und teils rücksichtslose Besucher. Wie Anwohnerinnen und Anwohner berichten, müssten sie jährlich mit massiveren Einschränkungen rechnen und leben.

Spontaner Besuch ist nicht möglich

Wochenende für Wochenende kommt es im und um das 1400-Seelen-Dörfchen zum Verkehrskollaps. Knapp 50 Halte- und Parkverbotstafeln vom Dorfeingang bis zur Dorfmitte zeugen davon. Das Ausmass sei am Wochenende derart extrem, dass die Seegräbnerinnen und Seegräbner keinen Spontanbesuch empfangen könnten, sagt G.S.*, der anonym bleiben will.

«Wir müssen unseren Gästen vorab eine Zufahrtsberechtigung senden, damit sie die Verkehrskadetten zu uns fahren lassen. Es ist absurd», sagt S. Die Anwohnerinnen und Anwohner selbst haben eine Vignette auf der Frontscheibe des Autos, damit sie ins eigene Zuhause durchgelassen werden.

Die 20 bis 24 Verkehrskadetten an den Wochenenden, die Zufahrtsberechtigung sowie die Vignette sind die neuesten Massnahmen der Gemeinde, um dem wöchentlichen Verkehr entgegenzuwirken. Eine dadurch leichte Verbesserung sei auch bei den Einwohnerinnen und Einwohnern von Seegräben erkennbar, sagt S.

Aggressive Besuchende

«Bevor der Ordnungsdienst im Einsatz war, kam es regelmässig vor, dass die Strassenränder voll mit Autos waren und wir auf unseren Privatparkplätzen zugeparkt wurden», sagt eine weitere Einwohnerin. Doch ein Problem bestehe weiter: rücksichtslose und aggressive Besucher vor Ort.

«Die Besucherinnen und Besucher nutzen die Gemeindestrassen als grosse Fussgängerzone. Fährt man vorbei, schlagen und kicken sie uns gegen die Autos und drohen mit Gewalt. Ich habe deshalb Pfefferspray im Auto – für den Fall, dass es eskaliert», bestätigt S. Viele Seegräbnerinnen und Seegräbner hätten es deshalb satt. Sie fordern die Gemeinde auf, die Gewalt zu unterbinden und das Dorf wieder lebenswert zu machen, wie in einem Schreiben an die Gemeinde hervorgeht, welches 20 Minuten vorliegt.

ZVV nimmt Buslinie auf

Zwei bis drei Mal pro Woche gelangten Beschwerden von Seegräbnerinnen und Seegräbnern an die Gemeinde, sagt Gemeindeschreiber Marc Thalmann. Man habe Verständnis für den Unmut. Dennoch sei man der Ansicht, schon vieles gegen die Probleme vor Ort zu tun. Beispielsweise werde das Dorf am Wochenende für den Ausflugsverkehr gesperrt, sobald der Dorfparkplatz, der Platz für 100 Autos biete, belegt sei.

«Zudem fährt an den Wochenenden ein Ausflugsbus zwischen dem Bahnhof Uster und Seegräben, in der Hochsaison im 15-Minuten-Takt», sagt Thalmann. Nach drei Jahren Versuchsbetrieb durch die Gemeinde nimmt der ZVV die Buslinie ab nächstem Jahr in den regulären Fahrplan. «Ein Novum im Kanton Zürich, das es so anderswo noch nicht gibt.»

Grundsätzlich sei die Gemeinde bemüht, den Aufwand allseits möglichst tief zu halten, sagt Thalmann. «Der neu eingesetzte Ordnungsdienst hat die Stausituation schon merklich verringert. Die Zufahrtsvignette vereinfacht die Handhabung für die Anwohnenden und die Zufahrtsberechtigung für den Besuch ist bereits vorab weitgehend akzeptiert gewesen», so Thalmann weiter.

«Die optimalste Lösung gefunden»

Und was sagen die Betreiber des Juckerhofs zur Situation? Martin Jucker sagt, er verstehe zwar, dass die Blechlawinen an den Wochenendtagen sowie andere Einschränkungen aufs Gemüt schlagen würden. «Klar ist, dass wir all unsere Gäste bitten, jeweils mit dem ÖV anzureisen.» Er setze sich seit geraumer Zeit für bessere Verkehrsanbindungen ein. «Wenn sich was ändern soll, dann müssen auch die Gemeinde und der Kanton mitspielen.» So kämpfe er etwa dafür, dass die S5 beim Bahnhof Aathal haltmache oder dass eine Seilbahn zwischen dem Bahnhof und dem Juckerhof bewilligt werde.

Zudem würde er beispielsweise einen möglichen Plan unterstützen, den Parkplatz im Dorf abzuschaffen, sagt Jucker. Nicht alle Seegräbnerinnen und Seegräbner wären davon begeistert: «Das wäre jenen ein Dorn im Auge, die am Sonntag zur Kirche gehen wollen.» Jucker ist sich daher sicher: «Von allen möglichen Lösungen haben wir jetzt die optimalste gefunden.»

*Namen der Redaktion bekannt

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