May 26, 2024

Am Donnerstag fand auf dem Bürkliplatz eine Mahnwache für die Geiseln der Hamas statt. Mit dabei war auch Shira Levy Michels – ihr Vater wurde von den Terroristen getötet.

Die Mahnwache hat der Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde Zürich Noam Hertig mit einem Shabbat-Gebet beendet.Am Donnerstagnachmittag fand auf dem Bürkliplatz in Zürich eine Mahnwache für die über 240 Geiseln der Hamas statt.Für die Mahnwache wurde ein Shabbat-Tisch mit 240 leeren Stühlen nachgestellt. 

Darum gehts

  • Am Donnerstagnachmittag fand auf dem Bürkliplatz in Zürich eine Mahnwache für die über 240 Geiseln der Hamas statt.

  • Für die Mahnwache wurde ein Shabbat-Tisch mit 240 leeren Stühlen nachgestellt. 

  • Shira Levy Michels (40) erzählt, wie sie die Tage seit dem Angriff erlebt hat. Ihr Vater wurde bei dem Angriff der Hamas am 7. Oktober getötet.

«Ich habe meinen Vater verloren, ihn können wir nicht zurückholen. Aber die Geiseln in Gaza sind noch am Leben – wir können sie zurückbringen.» Am Donnerstag wurde auf dem Bürkliplatz in Zürich im Rahmen einer Mahnwache für die Geiseln der Hamas ein Shabbat-Tisch mit 240 leeren Stühlen aufgestellt. 

Auch Shira Levy Michels (40) war vor Ort. Ihr Vater wurde bei dem Angriff der Hamas am 7. Oktober umgebracht. Im Gespräch mit 20 Minuten erzählt sie, wie sie die Tage seit dem Angriff erlebt hat und warnt: «Es hört nicht in Gaza und Israel auf.»

«Was, wenn es mich getroffen hätte?»

Auch einen Monat nach dem Angriff schmerzen die Erlebnisse: «Ich weiss immer noch nicht, wie ich mich fühle», sagt die 40-Jährige.  Sie erzählt: «Ich habe meinen Vater verloren. Ich habe mein Haus verloren, meine Heimat, meine Gemeinschaft, meinen vertrauten Ort, den Ort, auf den ich stolz bin – für mich ist das ein totaler Schock.»

Sie müsse sich die Geschehnisse immer wieder vergegenwärtigen, sagt Michels. «Es ist real, es ist wahr.» Sie erzählt, dass sie nur zwei Tage vor dem Angriff flog. «Heute denke ich darüber nach, was passiert wäre, wenn ich eine der Entführten wäre – ich, meine Kinder oder mein Mann.»

«Wir sind die nächsten»

Sie kenne einige der Geiseln, weil sie von dort stamme, sagt Michels. «Es sind Mütter mit Kindern, es sind Kinder ohne Eltern, es sind Babys, es sind ältere Menschen.» Sie empfindet den Druck der Weltgemeinschaft als zu gering und fordert, dass die Welt aufhöre, zu schweigen. «Die Welt sollte kommen und die Hamas jetzt stoppen und uns in dieser schrecklichen Situation nicht allein lassen.»

Auch die Situation in der Schweiz beunruhige sie sehr: «Ich kann in der Schweiz mehr und mehr Antisemitismus wahrnehmen.» Sie warnt: «Man sieht es mehr und mehr auf der ganzen Welt. Es wird auch hierher kommen. Wir sind die nächsten.»

«Nie wieder ist jetzt»

Der Rektor der jüdischen Schule Noam in Zürich Zsolt Balkanyi ist an der Mahnwache und der dazugehörigen Initiative beteiligt. Für ihn ist die aktuelle Stimmung gegenüber der jüdischen Gemeinschaft besonders mit dem Hintergrund des 85. Jahrestags der Reichspogromnacht besorgniserregend. Es müsse klar sein: «Nie wieder ist jetzt.»

Ebenfalls an der Aktion beteiligt ist Nadine Bdil-Zielinksy (44). Da sie selbst neun Jahre in einem Kibbutz – im Süden Israels an der jordanischen Grenze – lebte und die Willkommenskultur dort erlebt habe, schmerze sie der Anblick der leeren Stühle der Installation sehr. Sie betont: «Die Schweiz muss sich dafür einsetzten, dass die Geiseln wieder nach Hause kommen.»

Die Mahnwache wurde mit einem Shabbat-Gebet – geführt vom Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde Zürich Noam Hertig – beendet. «Auch der Himmel weint mit uns» begann er seine Ansprache. Die vielen, trotz des schlechten Wetters, Anwesenden ermahnte er: «Es ist besonders jetzt wichtig, dass wir uns vom Hass auch hier nicht einschüchtern lassen und unser jüdisches Leben leben und zelebrieren.»

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