February 21, 2024

Rund um die ehemalige Chemiefabrik in Uetikon liegen giftige Abfälle aus der Säure- und Düngerproduktion. Wollte der Kanton erst alles entfernen, fährt er nun eine neue Strategie. 

In Uetikon am See liegen rund um die ehemalige Chemiefabrik giftige und teils radioaktive Abfälle. (Symbolbild)Während 150 Jahren Säure- und Düngerproduktion gelangten die Schadstoffe über das Abwasser in den See. Erst wollte der Kanton die Abfälle noch vollumfänglich entfernen. Neu fährt er aber eine andere Strategie. 

Darum gehts

  • Altlasten aus der Säure- und Düngerproduktion verschmutzen den Seegrund des Zürichsees.

  • Ursprünglich war vorgesehen, die Schadstoffe aus dem gesamten verunreinigten Gebiet zu entfernen.

  • Beim am stärksten belasteten Gebiet – direkt vor der Uferbefestigung – will man diese aber nicht mehr herausnehmen, sondern mit Kies und Sand überschütten.

  • Für diverse Bürgerinnen und Bürger ist dieses Vorgehen inakzeptabel.

  • Selbst Fachleute sprachen sich beim Kanton früher deutlich dagegen aus.

  • Schon länger wird der Umgang des Kantons mit den Altlasten kritisiert.

  • Besonders die Kommunikation nach aussen sorgt für rote Köpfe.

Rund um die ehemalige Chemiefabrik in Uetikon am See liegen giftige und teils radioaktive Schwermetalle am Grund des Zürichsees. Konkret lagern sich Arsen, Blei, Radium und Uran auf einem Gebiet von 75’000 Quadratmetern an, die während 150 Jahren Säure- und Düngerproduktion per Abwasser in den See gelangten. Erst wollte der Kanton die Abfälle noch vollumfänglich entfernen. Neu fährt er aber eine andere Strategie. 

Auf einer Fläche von zwei Fussballfeldern soll eine bislang unbehandelte, am stärksten belastete Zone direkt vor der Uferbefestigung nicht gereinigt, sondern mit Kies und Sand überdeckt werden. Dies, weil die giftigen Ablagerungen in diesem Bereich dicker seien als erwartet, schreibt der «Blick». Für Bewohnerinnen und Bewohner von Uetikon ein inakzeptables Vorgehen. Sie fordern deshalb die Abtragung der obersten, hochkontaminierten Schicht vor dem Baurekursgericht. 

Weiter ist fraglich, ob ein entsprechendes Vorgehen des Kantons überhaupt den Vorgaben des Bundes entspricht. Wie es in der Vollzugshilfe «Belastete Standorte und Oberflächengewässer» vom Bundesamt für Umwelt heisst, ist es nicht zulässig, belastete Sedimente durch «aktives Überschütten» zu sichern. Dennoch macht der Kanton in Uetikon aktuell genau das. 

Untergrund der Fabrik als weiteres Problem

Fachleute des Kantons waren klar gegen das Liegenlassen

Selbst für Fachleute des Kantons Zürich kam es früher nicht infrage, giftige Schwermetalle im See zu belassen. «Sonderabfall hat (…) in einem Trinkwasserreservoir natürlich nichts zu tun, oder kann nicht da bleiben», betonte es Bettina Flury, Sektionsleiterin beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), in einer Präsentation im Februar 2021.

Laut Markus Pfanner, Kommunikationsberater der Zürcher Baudirektion, hat das Awel seinen Standpunkt aber nicht geändert, sondern schlichtweg den neuen Wissensstand zum Uferbereich berücksichtigt. Im Fokus stehe, dass die Abfälle nicht im Kontakt mit der im See lebenden Flora und Fauna stünden. «Dieses Ziel wird mit der geplanten Überdeckung gewährleistet.»

Bevölkerung tappt im Dunkeln 

Zudem liess der Kanton die Bevölkerung über sein geplantes Vorhaben lange im Dunkeln. «Die Informations- beziehungsweise Desinformationspolitik von Kanton und Gemeinde war skandalös», sagte Marco Bähler (68), diplomierter Strahlenschützer aus Uetikon am See, gegenüber der Zeitung. Denn lange Zeit wurde die Überschüttung vom 22. Januar 2022 vom Awel nicht offiziell kommuniziert. Bekannt wurde das Vorgehen erst im Januar 2023, jedoch nicht über eine Medienmitteilung, sondern durch ein Baugesuch. Im April 2023 folgte dann doch noch eine öffentliche Info-Veranstaltung. 

Umgang mit Altlasten schon länger in der Kritik

Der kantonale Umgang mit den Altlasten steht schon länger in der Kritik. Die Arbeitergemeinschaft Marti Uetikon, welche die Seegrundsanierung durchführt, wurde vom Kanton nur mangelhaft informiert. Das geht aus Dokumenten hervor, welche der Zeitung vorliegen, stark geschwärzt und gegen eine Gebühr von 406 Franken. So seien etwa die Angaben zum radioaktiven Radium «nicht stimmig» gewesen und Schadstoffe wie Fluorid und Chrom-6 «an keiner Stelle erwähnt» worden. Die Sanierung werde entsprechend wohl doch komplexer und teurer. 

Kannst du dir vorstellen, deswegen nicht mehr im Zürichsee zu baden?

Ja, das gibt mir ein ungutes Gefühl. Na ja, eigentlich nicht, aber ich werde beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Nein, ich gehe weiterhin gern im Zürichsee baden. Ich bade nie im Zürichsee. Keine Angabe. 

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