July 21, 2024

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich verzeichnet einen Trend zu immer mehr und komplexeren Fällen. Der Aufwand droht die Behörde an ihre Grenzen zu bringen.

Jan JanssenMarino Walser

Darum gehts

  • Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich informierte am Donnerstag über ihre Tätigkeit im Jahr 2023.

  • Dabei berichtet sie von immer mehr und aufwändigeren Fällen, welche die Behörde an ihre Grenzen bringen.

  • Obwohl aktuell noch alle Fälle bewältigt werden können, mache man sich Gedanken über eine zukünftige Priorisierung der Fälle, bei der weniger schwerwiegende hintangestellt werden müssten.

Die Staatsanwaltschaft Zürich hat in ihrem Jahresbericht 2023 eine deutliche Zunahme der Fallzahlen verzeichnet. Das teilte sie am Donnerstag mit. Insgesamt seien 32'270 neue Verfahren eingegangen, was einem Anstieg von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche und einem Anstieg um über 15 Prozent in nur zwei Jahren.

Eine Rate, die weit über dem kantonalen Bevölkerungswachstum und den Zahlen vor der Corona-Pandemie liege – und auch über der Personal- und Ressourcenzunahme bei der Staatsanwaltschaft. Pro Staatsanwältin oder Staatsanwalt bedeute dies eine Pendenz von 90 bis 100 Fällen pro Jahr, sagt Dr. Andreas Eckert, Leiter Oberstaatsanwaltschaft. «Das ist zu viel.»

Gedanken über Verzicht und Priorisierungen

Trotz dieser Herausforderungen und dank zusätzlicher personeller Ressourcen, die von der kantonalen Politik bewilligt wurden, konnte die Staatsanwaltschaft 2,2 Prozent mehr Verfahren abschliessen als im Vorjahr, so die Staatsanwaltschaft weiter. Allerdings ist die Zahl der zum Jahresende noch offenen Verfahren um 11,3 Prozent gestiegen, was die anhaltenden Herausforderungen unterstreiche.

Fühlst du dich in Zürich sicher?

Eckert macht am Donnerstag deutlich, dass es so nicht weitergehen kann. «Während wir aktuell das Ausmass noch bewältigen können, machen wir uns schon jetzt Gedanken, ob wir in Zukunft gewisse Fälle priorisieren und auf andere verzichten müssen.» Weniger schwere Fälle wie Nachbarschaftsstreite, aber auch Ehrverletzungen müssten dann hinten anstehen.

Solch ein Vorgehen müsste auch in Absprache mit der Polizei verfolgt werden, die ebenfalls von einer ähnlichen drohenden Überforderung berichte. Bisher könne die Staatsanwaltschaft trotz der zunehmenden Last immerhin noch keine vermehrten Kündigungen verzeichnen.

Digitale Kriminalität und formelle Hürden als Haupttreiber

Die Gründe für die gestiegene Arbeitslast seien vielfältig. So nehmen die Anzahl, die Komplexität und die formellen Anforderungen an die Staatsanwaltschaft stetig zu. Bei den Fällen spiegle sich die Zunahme insbesondere bei den Deliktbereichen der Urkunden-, Gewalt-, Strassenverkehrs- und Vermögensdelikten wider.

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