February 29, 2024

Im Restaurant Sazio im Zürcher Seefeld bezahlen die Gäste für zwei Liter Wasser 20 Franken. Die Konsumentenschützerin übt Kritik – und auch Gäste sind entsetzt.

Marino WalserDaniel KrähenbühlIn der Osteria Sazio kostet ein Krug Wasser 20 Franken.«Wir alle am Tisch waren schockiert – das ist pure Abzocke», sagt F.Angesprochen auf den Literpreis Wasser sagt Sara Stalder vom Konsumentenschutz, dass der Wirt den Gast zumindest über die Kosten informieren müsse.

Darum gehts

  • Ein Leser geht mit seinen Freunden im Seefeld essen. Für 4 Liter Wasser verrechnete ihm das Lokal 40 Franken.

  • F. ärgert sich: «Wir alle am Tisch waren schockiert – das ist doch pure Abzocke.»

  • Die Konsumentenschützerin Sara Stalder übt ebenfalls Kritik.

  • Der Eigentümer der Osteria verteidigt sich und weist die Vorwürfe zurück. 

In der Osteria Sazio im Zürcher Seefeld kostet eine Pasta mit geräuchertem Lachs 14.50 Franken. Auch eine Pasta mit Oliven und Kapern bekommt der Gast für denselben Betrag. Faire Preise, findet R.F.* Deshalb ass auch er vergangene Woche ebenfalls in der Osteria. Als F. und die anderen fünf Personen am Tisch bezahlt hatten und das Lokal eigentlich schon verlassen wollten, warf er nochmals einen Blick auf die Quittung. «Da stand, dass wir 40 Franken für zwei Liter Wasser, serviert in Karaffen, bezahlt hatten.»

Davon überzeugt, dass es sich um einen Fehler handelt, rief F. nochmals eine Angestellte an den Tisch. «Sie sagte uns, dass es sich um keinen Fehler handelt.» Der Grund für den saftigen Preis: das Wasser sei filtriert und kühl gestellt.

Hahnen- oder Markenwasser?

«Wir alle am Tisch waren schockiert – das ist doch pure Abzocke», sagt F. Nicht zuletzt, weil die beiden Karaffen Wasser zu Beginn des Lunchs direkt und ohne Bestellung an den Tisch gebracht worden sind. «Ausserdem konnte niemand verifizieren, was in den Karaffen war – normales Hahnenwasser oder ein Markenwasser?» Bezahlt haben die sechs Personen das Wasser dennoch: «Wir wollten einen Streit verhindern», sagt F.

Andere Gäste machten die gleiche Erfahrung in der Osteria, wie ein Blick auf die Google-Rezensionen zeigt. Ein Gast schreibt darin: «Wir fühlten uns über den Tisch gezogen.»

Kritik von der Konsumentenschützerin

Angesprochen auf den Literpreis Wasser sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, dass der Wirt den Gast zumindest über die Kosten informieren müsse. «Auch auf der Karte sollte der Preis für das Wasser erwähnt werden.» Aber auch unabhängig davon: Ein Preis von 20 Franken für zwei Liter Wasser sei «überrissen», sagt Stalder. «In einem Setting, wie sich die Osteria Sazio präsentiert, geht man nicht von solch abstrus überteuerten Getränkepreisen aus.»

In ähnlichen Fällen soll man als Gast mit dem Personal des Restaurants sprechen und versuchen, eine Lösung zu finden – oder sich auf den Standpunkt stellen, den verlangten Betrag nicht zu bezahlen. Da der nächste Schritt – ein Schlichtungsverfahren – vielen Gästen zu aufwändig sei, würden viele einfach bezahlen. «Die Gastronomen wissen, dass den meisten Gästen Auseinandersetzungen im öffentlichen Raum unangenehm sind und legen es somit teilweise auch darauf an», so Stalder. 

Das sagt der Wirt

Der Eigentümer und Geschäftsführer der Osteria Sazio weist die Vorwürfe zurück: «Es handelt sich nicht um Abzocke», sagt Angelo Fancello. «Der Preis fürs Wasser ist auf drei Plakaten im Lokal angeschrieben, zudem hat eine Person aus der Gruppe das Wasser bestellt.» Es handle sich um eigens gefiltertes, gekühltes und mit Kohlensäure versetztes Wasser. Statt den Wasserpreis für sich alleine anzuschauen, müsse man bei ihm das Gesamtpaket berücksichtigen, sagt Fancello. «Die Hauptgerichte sind günstig, es gibt gratis Nachschlag und das Essen ist innert Minuten am Tisch.»

Weil das Lokal nur Wein, Bier, Espresso – für 3.80 Franken – und Wasser anbiete, sei er zudem auf die Einnahmen angewiesen. «Wer Wein bestellt, kriegt das Wasser gratis. Wird aber nur Wasser konsumiert, geht die Rechnung sonst nicht auf», so Fancello. Er zahle eine hohe Miete, aber auch überdurchschnittliche Löhne. «Ich betreibe das Lokal seit 20 Jahren, wir haben einfach hohe Ausgaben und versuchen, allen gegenüber fair zu sein – gegenüber den Kunden, aber auch gegenüber den Mitarbeitenden.» Bis jetzt habe er auch erst drei Reklamationen wegen des Wasserpreises erhalten. «Künftig werden wir den Preis aber wohl noch besser anschreiben müssen.» 

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels stand, dass die Osteria 20 Franken für einen Liter Wasser verrechnet. Das wurde 20 Minuten auch vom Leser kolportiert. Wie das Restaurant anmerkt, sind es jedoch 20 Franken für zwei Liter Wasser. 

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