July 27, 2024

Ein riesiges Kraftwerk in Indien soll dereinst sauberen Strom für 16 Millionen Haushalte liefern. Ironie: Dahinter steckt ein riesiger Kohlekonzern.
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Das Wichtigste in Kürze

  • In Indien wird derzeit das grösste Kraftwerk der Welt gebaut.
  • Künftig soll es 16 Millionen Haushalte mit sauberem Strom versorgen.
  • Hinter dem Projekt steht ironischerweise der grösste Kohleförderer des Landes.

Indien steht in den nächsten Jahrzehnten vor gewaltigen Herausforderungen. Das Land hat eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Sein Energiebedarf hat sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt und dürfte weiter stark wachsen. Zudem werden noch 70 Prozent des im Inland erzeugten Stroms aus Kohle gewonnen.

Gleichzeitig hat Premierminister Narendra Modi dem Land im Jahr 2021 ambitionierte Klimaziele gesetzt. Bis 2070 soll Indien klimaneutral werden. Erneuerbare Energien sollen bis zum Ende des Jahrhunderts die Hälfte des Strombedarfs abdecken.

Kohlemilliardär investiert massiv

Um diese Ziele zu erreichen, setzt das Land auf ein neues Projekt: Das indische Energieunternehmen ani Green Energy Limited (AGEL) baut das grösste Kraftwerk der Welt – den Khavda Renewable Energy Park. Wie CNN berichtet, soll er dereinst 16 Millionen indische Haushalte mit Strom aus erneuerbaren Energien beliefern. Damit könnte das Kraftwerk problemlos die ganze Schweiz versorgen.

Interessant ist, woher das Geld für das riesige Kraftwerk fliesst: AGEL gehört zur mächtigen ani-Gruppe. Deren Gründer Gautam ani ist einer der reichsten Menschen Asiens. Sein Vermögen wird auf umgerechnet über 70 Milliarden Franken geschätzt. Er ist zudem der Onkel von Sagar ani, dem AGEL-Geschäftsführer.

Der Mischkonzern dominiert weite Teile der indischen Wirtschaft – von den Flughäfen über die Logistik bis zu den Medien. Aber er ist in Indien eben auch der grösste Kohleproduzent und -importeur. Gere dieser Konzern investiert nun massiv in den Ausbau der erneuerbaren Energien, die die Kohle dereinst ablösen sollen.

Anlage fünfmal grösser als Paris

Die Megaanlage soll die fünffache Fläche der französischen Hauptstt Paris umfassen und sogar aus dem Weltraum sichtbar sein. AGEL investiert für das Projekt umgerechnet knapp 18 Milliarden Franken.

Gebaut wird das Kraftwerk in einer unfruchtbaren Salzwüste im Bundesstaat Gujarat im Westen des Landes. Geschäftsführer Sagar ani erklärt die Vorteile des Standorts gegenüber CNN: «Die Region ist so unbelastet – ohne Wildtiere, ohne Vegetation und ohne Besiedelung. Es gibt keine bessere Nutzung für dieses Land.»


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Allerdings befindet sich der Park nur gut 20 Kilometer von der Grenze zu Pakistan entfernt. Angesichts der Spannungen zwischen den beiden Staaten liegt er damit in einer geopolitisch heiklen Lage.

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