May 29, 2024

Am Super Tuesday wird sich Donald Trump bei den Republikanern durchsetzen – ausser es geschieht ein Wunder.

Was ist der Super Tuesday?

Es ist der wichtigste Tag der US-Vorwahlen für die Präsidentschaft seit den 1980er-Jahren. Bei den Vorwahlen entscheiden die beiden grossen US-Parteien, wer ihr jeweiliger Kandidat für den Wahltag im Herbst sein wird. Am Super Tuesday wählen so viele Gliedstaaten auf einmal wie an keinem anderen Tag. Darunter sind so bevölkerungsstarke wie Kalifornien und Texas; rund ein Drittel der US-Bevölkerung wohnt in Super-Tuesday-Staaten. Darum gibt es an diesem Tag sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten die grösste Zahl von Delegiertenstimmen auf einmal zu gewinnen. Das Datum ändert sich von Wahl zu Wahl, weil die Parteien und die Gliedstaaten den Kalender stets etwas ändern. In diesem Jahr fällt der Super Tuesday auf den 5. März, wenn die Vorwahlen der Republikaner und der Demokraten in je 15 Staaten sowie Amerikanisch-Samoa stattfinden.

Warum ist der Super Tuesday so wichtig?

Oft fällt an jenem Dienstag die Entscheidung, welcher Kandidat sich durchsetzen kann. In diesem Jahr scheint die Entscheidung bei beiden Parteien seit Wochen klar: Donald Trump dürfte der Kandidat der Republikaner werden, Joe Biden jener der Demokraten. In einem für US-Medien unüblichen Understatement beschrieb die «New York Times» den diesjährigen Super Tuesday als «unüblich unwichtig». Dabei unterschlug sie jedoch spannende regionale Wahlen, etwa in Kalifornien und North Carolina. Zudem stehen Vorwahlen für mehr als ein Viertel aller Sitze im Repräsentantenhaus an. Der Super Tuesday wird zeigen, mit welchen Kandidaten die Demokraten die Mehrheit im House zurückzuholen versuchen und wie radikal die Abordnung der Republikaner sein könnte.

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In welchen Staaten finden Vorwahlen statt?

Bei den Republikanern und den Demokraten in je 15 Staaten plus Amerikanisch-Samoa. Die Insel im Südpazifik ist eines von neun Territorien der USA. Die US-Bürger, die dort leben, dürfen an den Vorwahlen teilnehmen, haben aber bei der Wahl im November keine Stimme. Bei den Republikanern finden Vorwahlen statt in Alabama, Alaska, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Maine, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee, Texas, Utah, Vermont und Virginia. Bei den Demokraten sind es dieselben Staaten mit Ausnahme von Alaska, dafür endet ihre schriftliche Primary in Iowa am Super Tuesday.

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Wann sind die Resultate zu erwarten?

Die Wahllokale schliessen je nach Gliedstaat zwischen 19 und 20 Uhr Ortszeit. In Vermont im Nordosten etwa endet die Vorwahl nach mitteleuropäischer Zeit um 1 Uhr am Mittwoch, in Kalifornien an der Westküste hingegen erst um 5 Uhr. Erste Hochrechnungen sind meistens kurz nach Schliessung der Wahllokale verfügbar, in Europa also im Verlauf des Mittwoch.

Wird sich Trump bereits die Nominierung der Republikaner sichern?

Nein. Er braucht mindestens 1215 Delegiertenstimmen für den Parteitag im Juli. Bisher hat er 244. Am Super Tuesday sind 874 weitere Delegiertenstimmen zu vergeben. Selbst falls Trump an diesem Tag sämtliche Stimmen gewinnen sollte – was so gut wie ausgeschlossen ist –, würde sein Zähler weiterhin unterhalb der entscheidenden Marke bleiben. Am 19. März aber dürfte es dann so weit sein. Davon geht zumindest sein Kampagnenteam aus.

Wird bei den Republikanern die Nummer 2, Nikki Haley, nach dem Super Tuesday aussteigen?

Nach dem Super Tuesday wird der Druck auf Nikki Haley steigen, ihre Kandidatur aufzugeben.

Nikki Haley hat kaum Chancen, Donald Trump auch nur in einem der 15 Gliedstaaten zu schlagen. Der Druck auf sie wird zunehmen, ihre Kampagne nach dem Super Tuesday zu beenden. Ihre Geldgeber wollten, dass sie im Rennen bleibe, sagte die frühere Gouverneurin von South Carolina und ehemalige UNO-Botschafterin. Kurz darauf gab das einflussreiche konservative Koch-Netzwerk bekannt, es stelle die Unterstützung für Haley ein. Ganz aufgeben wird sie ihre Kampagne indes bestimmt nicht, sondern suspendieren, genau wie andere Kandidaten. Sie lassen sich die Möglichkeit offen, in den Wahlkampf zurückzukehren, falls Donald Trump doch noch über seine rechtlichen Probleme stolpern sollte.

Welche Staaten sind bei den Republikanern interessant?

Donald Trump hat die stärkste Unterstützung auf dem Land und bei Wählern mit niedrigem Bildungsniveau. In den Agglomerationen und bei der Wählerschaft mit Studium bekundet er hingegen Mühe. Ob sich das auch am Super Tuesday bestätigt, wird sich etwa an den Resultaten von Virginia ablesen lassen, dem Südstaat mit den bevölkerungsreichen Gebieten in der Nachbarschaft der Hauptstadt Washington. Auch die Gouverneursvorwahlen in North Carolina werden Hinweise darauf liefern, wie stark die Trump-Anhängerschaft wirklich ist.

Kann Biden die Reihen hinter sich schliessen?

Eine besonders tiefe Wahlbeteiligung wäre für Joe Biden ein Grund zur Sorge.

Mehr als 100’000 Protestwähler legten vor einer Woche in Michigan ihre Stimme nicht für Biden ein, sondern entschieden sich für eine Art Enthaltung, aus Unzufriedenheit über seine Nahostpolitik. Am Super Tuesday dürfte der Krieg in Gaza erneut zum Thema werden. Nach der Vorwahl in Michigan haben ähnliche Protestkampagnen in Minnesota und Colorado Aufwind erhalten. Kaum gefährlich werden dürften Bidens Mitbewerber, der Abgeordnete Dean Phillips aus Minnesota und die Bestseller-Autorin Marianne Williamson. Allenfalls wäre eine besonders tiefe Wahlbeteiligung ein Grund zur Sorge für den US-Präsidenten, schlaflose Nächte wird sie ihm jedoch kaum bereiten: In den meisten Gliedstaaten nimmt nur eine Minderheit der Stimmberechtigten an den Vorwahlen teil.

Warum sind Kalifornien und North Carolina spannend?

In Kalifornien bestimmen die Demokraten, wer für den Senat kandidieren darf: Barbara Lee, Katie Porter oder Adam Schiff. Es ist eine Richtungswahl zwischen zwei unterschiedlich progressiven Frauen und einem zentristischen Mann, der als Favorit gilt. In North Carolina wird der Gouverneursposten frei, der bislang von einem Demokraten besetzt war. Um die Nachfolge buhlen ein weisser und ein schwarzer Kandidat, ein Testfall dafür, ob die Demokraten ihre wichtige afroamerikanische Wählerschaft auch mit einem weissen Kandidaten bei der Stange halten könnten. Der Favorit bei den Republikanern ist ein harter Trump-Anhänger; an seinem Resultat lässt sich ablesen, wie mehrheitsfähig solch polarisierende Kandidaten sind.

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5. März 2024 – der Super Tuesday: An diesem Dienstag finden in 15 Bundesstaaten sowie im US-Aussengebiet Amerikanisch-Samoa Vorwahlen der Republikaner statt. Höchstwahrscheinlich werden sich die Republikaner für Donald Trump als ihren Kandidaten entscheiden.

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15. bis 18. Juli: Die republikanischen Delegierten treffen sich in Milwaukee, Wisconsin. Auf dem Parteitag werden sowohl der republikanische Präsidentschaftskandidat als auch der Vizepräsidentschaftskandidat von den Delegierten offiziell gewählt, das Wahlprogramm verabschiedet und der Wahlkampf für die General Election eingeläutet.

19. bis 22. August: Die Demokraten treffen sich in Chicago, Illinois. Dabei geht es auch darum, die Reihen hinter dem Kandidatenduo Joe Biden und Kamala Harris zu schliessen.

2. September: Die heisse Phase des Wahlkampfs beginnt mit dem Labour Day. Höhepunkte sind traditionell die vier TV-Debatten, drei zwischen den Präsidentschaftskandidaten, eine zwischen den Vizes. Ob sie auch in diesem Jahr stattfinden werden, ist Gegenstand eifriger Spekulationen. Vorerst aber sind folgende TV-Duelle geplant:

  • 16. September: Erste TV-Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten in San Marcos, Texas

  • 25. September: TV-Debatte zwischen den Vize-Kandidaten in Easton, Pennsylvania

  • 1. Oktober: Zweite TV-Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten in Petersburg, Virginia

  • 9. Oktober: Dritte TV-Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten in Salt Lake City, Utah

5. November: Der Wahltag. Insgesamt sind 538 Elektorenstimmen zu vergeben, wer 270 davon holt, ist Präsident der Vereinigten Staaten. Neben dem Präsidenten werden alle 435 Abgeordneten im Repräsentantenhaus und 34 Senatoren, ein Drittel des US-Senats, gewählt. Ausserdem finden in verschiedenen Bundesstaaten Gouverneurswahlen statt.

Unsere gesammelte Berichterstattung zu den US-Wahlen finden Sie hier.

@fabian_fellmann

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