April 12, 2024

Vor der Übernahme der Credit Suisse hat UBS unzählige verschiedene Szenarien durchgespielt, betont der Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher.
Colm Kelleher

Die UBS war laut ihrem Verwaltungsratspräsidenten auch rückblickend «bestmöglich» auf die Übernahme der Credit Suisse vorbereitet. Für die Zukunft müsse die Koordination der Aufsichtsbehörden und der Zentralbanken geklärt werden, sagte Colm Kelleher in einem Interview.

Vor der Übernahme habe die UBS unzählige verschiedene Szenarien durchgespielt, sagte der UBS-Präsident in einem am Sonntag publizierten Interview mit der «NZZ am Sonntag». Ihm sei ab Oktober 2022 klar gewesen, dass die Credit Suisse keine Zukunft haben werde. Damals stellte die Bank ihren Strategieplan vor. Ab November 2022 hätten externe Berater der UBS ihre Arbeit aufgenommen.

Im März 2023 seien schliesslich eine Einsatzzentrale, ein Strategie-Ausschuss im Verwaltungsrat und mit Lukas Gähwiler ein gut vernetzter Schweizer Vizepräsident bereit gestanden.

«War zwei Minuten lang sprachlos»

Dennoch habe Kelleher der Atem gestockt, als er den Anruf der Finanzmarktaufsicht Finma erhalten habe. «Ich war zwei Minuten lang sprachlos, obwohl ich ihn erwartet hatte», sagte Kelleher. Seine Gedanken seien bei den Mitarbeitenden der CS gewesen, die die Leidtragenden gewesen seien. «Aber es musste weitergehen: Wir hatten vier Tage Zeit, um einen Deal mit einer zögerlichen Braut hinzukriegen», sagte er.

Gestockt hätten die Verhandlungen nie. Doch es habe schwierige Momente gegeben, sagte Kelleher. Er habe teils beim Management und bei der Aufsichtsbehörden interveniert. «Die Finma hat zwischen dem 15. und dem 19. März sehr gute Arbeit geleistet», sagte der UBS-Präsident.

Die Befugnisse der Finma seien jedoch beschränkt gewesen. Nach der Übernahme der CS habe Kelleher Briefe gesichtet, die die Finma dem Verwaltungsrat der CS geschickt hatte. «Hätte ich einen solchen Brief bei einer amerikanischen Bank von einer US-Aufsichtsbehörde bekommen, hätte ich mich anders verhalten», sagte der UBS-Präsident.

In Zukunft brauche es neue Instrumente für die Aufsicht. «Wird es eine ‘Doppelspitze’ geben, mit einer Aufsichtsbehörde, die der Zentralbank untergestellt ist?» Diese Frage müsse geklärt werden.

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