February 21, 2024

Die Aktiven haben bei der Händlerin Fortura Konfetti-Mengen bestellt wie noch nie. Doch Probleme beim Nachschub und Preissteigerungen seit Covid geben zu reden.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Fasnächtler beider Basel haben dieses Jahr Schwierigkeiten, Konfetti zu beschaffen.
  • Neben dem Engpass haben die Aktiven auch mit höheren Preisen zu kämpfen.

Eine Fasnacht ohne Räppli in der Stt und Konfetti auf dem Land? Nein, dazu wird es auch in diesem Jahr nicht kommen. Doch die Situation ist tatsächlich angespannt.

Fasnächtler aus beiden Basel sprechen von einer Räppli-Krise. Cliquen, die bis jetzt noch kein Wurfmaterial organisiert haben, gehen im schlimmsten Fall leer aus – oder müssen für kurzfristige Einkäufe tief in die Taschen greifen. Ohnehin klagen sie, dass die Preise seit der Coronapandemie massiv gestiegen sind.

«Das ist eine ernste Angelegenheit», sagt Roger Borgeaud am Telefon als Erstes, als er von «OnlineReports» auf das Thema angesprochen wird. Er ist Obmaa der Wage IG. Der Interessengemeinschaft sind 114 von rund 120 Wagencliquen angeschlossen, die in Basel Fasnacht machen. Der Verbund hat unter anderem zum Ziel, dass man Wagenbau- und Wurfmaterial zu günstigen Konditionen beziehen kann.


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In diesem Jahr feiert die IG das 50-Jährige. Und sieht sich just zum Jubiläum mit einer Räppli-Situation konfrontiert, die «es so bisher noch nie gegeben hat», wie Borgeaud sagt.

Etwa ein Drittel der Mitglieder bezieht Räppli über die IG, die anderen kümmern sich selbst darum. Die Bestellung erfolge jeweils noch im alten Jahr, erklärt Borgeaud. So auch dieses Mal. Doch dann kam die Nachricht, dass die Zehn-Kilo-Säcke bei der Hauptlieferantin Fortura AG in Zunzgen bereits ausverkauft seien.

Drei Tonnen nachbestellt

Für Borgeaud und sein Team begann eine hektische Zeit. Mitglieder, die noch nichts bestellt hatten, wurden nervös. Die IG half dabei, die Räppli zu organisieren.

Doch musste sie auch auf andere Verkaufsstellen ausweichen. Diese beziehen ihre Räppli zwar ebenfalls bei der Fortura, verlangen aber höhere Preise.

Die Nachbestellungen fielen entsprechend teuer aus: Der grosse Sack koste dann rasch einmal zehn Franken mehr, sagt Borgeaud. Gegen drei Tonnen Räppli habe sein Team nochmals aufgetrieben. «Es war eng, aber die IG-Mitglieder werden versorgt sein.»

Vor Corona 18,50, heute 22,50 Franken

Das Thema Wurfmaterial werde seine IG aber noch länger beschäftigen, sagt Borgeaud. Die Preise geben nämlich auch abgesehen vom diesjährigen Material-Engpass zu reden. Vor Corona habe die IG einen Zehn-Kilogramm-Sack noch für etwa 18,50 Franken bezogen, inzwischen betrage der Bestellpreis rund 22,50 Franken.

Auch im Baselbiet diskutieren Fasnächtler über die Preise. Cliquen haben versucht, die Bestellungen im Verbund mit anderen zu tätigen und dafür bessere Konditionen zu verhandeln. Oder gar, die Konfetti direkt bei der Produzentin in Italien zu bestellen, was diese aber verweigert habe.

In der Stt wie auf dem Land fragt man sich, ob oder warum die Fortura AG dieses Jahr schlecht geplant hat. Aber die Fasnächtler zeigen auch Verständnis: Nach den Ausfällen wegen Corona sei es sicher nicht einfach, den aktuellen Bedarf zu ermitteln. Und IG-Obmaa Roger Borgeaud sagt: «Wir haben im Vorfeld vielleicht zu wenig miteinander geredet, auch von unserer Seite aus.» Man habe aber ein gutes Einvernehmen.

Fortura-Chef versichert Einhaltung von Aufträgen

Die Furcht, den Umzug dieses Jahr ohne Räppli oder Konfetti antreten zu müssen, hält sich bei einigen Fasnächtlern hartnäckig. Der Chef der Fortura AG, Roberto Papini, hat deswegen mehrere Anrufe erhalten. Doch er stellt auf Nachfrage klar: «Wer bestellt und von uns eine Auftragsbestätigung erhalten hat, muss keine Angst um seine Konfetti haben und wird sie ganz sicher bekommen.»

Auch neue Bestellungen seien noch möglich, denn der Produzent aus Norditalien würde nochmals zwei Lastwagen voll liefern. «Ich hoffe, dass wir damit möglichst alle versorgen können.» Die Herrenfasnacht beginnt am kommenden Wochenende, Morgestraich ist am 19. Februar.

«Wir haben noch nie so viel Konfetti verkauft wie dieses Jahr», sagt Papini. Er erklärt sich die hohe Nachfrage damit, dass die Cliquen kurz nach Corona womöglich nur vorsichtig bestellt haben. Doch nun seien die Reserven wohl aufgebraucht.

Dass Fortura schlecht vorgesorgt habe, lässt Papini nicht gelten: «Klar, im Nachhinein ist man immer schlauer. Aber wir konnten nicht damit rechnen, dass der Bedarf so massiv steigt.»

Wie üblich habe er das vergangene Jahr hindurch seine Lager gefüllt – mehr geht nicht. Und auf die aktuellen Lieferengpässe in Italien habe er nun mal keinen Einfluss.

Warum diese Preissteigerung?

Händler Papini schätzt, dass rund drei Viertel der Konfetti in beiden Basel von der Fortura stammen. Es gibt noch eine andere Anbieterin in der Schweiz, die Kurt Hauser AG in Näfels. Das sorge für einen Preiswettbewerb – er habe also kein Monopol, wie in den Fasnachts-Gassen oft vorwurfsvoll zu hören ist. Papini versichert, die Margen seit Corona nicht angehoben zu haben: «Wir haben sogar auf Margen verzichtet, um den Preis einigermassen vernünftig halten zu können.»


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Doch woher rührt dann die Preissteigerung? Laut Papini gibt es in Italien einen Mangel an Konfetti-tauglichem Papier, was die Produktion verteuern würde. Aber auch die Anforderungen an die Konfetti steigen: Die Papierschnipsel dürfen nicht abfärben, müssen frei von Plastik und entstaubt sein. «Ich finde das sinnvoll und richtig, aber es macht die Konfetti nicht billiger.»

Papini sagt, das Konfetti-Geschäft sei isoliert betrachtet «nicht wahnsinnig lukrativ». Er würde nicht «zu viel höischen». Wie auch bei den Rööseli und Mimöösli betrachte die Fortura die Räppli mehr als Dienstleistung; sie seien buchstäblich «ein Rappen-Geschäft», wie er sagt. «Wichtiger sind für uns die Süsswaren.»

Und die Fasnächtler? Sie reklamieren zwar, aber lassen sich von den Preisen offensichtlich nicht daran hindern, einzukaufen. Und in der fünften Jahreszeit für einen gewohnt bunten Räppli-Regen zu sorgen.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst im Basler Newsportal «OnlineReports» publiziert.

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