April 24, 2024

Körpereinsatz in Schwarzweiss: Zweimal in der Woche trainiere er, sagte Macrons Frau neulich.

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Die Macht der Bilder, mit diesen Muskeln dann noch! Die Franzosen sind halb belustigt und halb befremdet über ein Foto, das ihren Präsidenten beim Boxtraining zeigt. Mit ziemlich entschlossener Miene und sehr eindrucksvollem Bizeps drischt Emmanuel Macron auf einen Schlagsack ein, einen Punchingball. Es gibt schon Spekulationen darüber, wem diese Schläge eigentlich gelten könnten, aber dazu später.

Man wusste ja, dass Macron boxt, schon lange. Seine Frau sagte neulich, er trainiere zweimal in der Woche. Aber reichen zwei Mal pro Woche für einen solchen Bizeps? Oder wurde da vielleicht ein bisschen nachgeholfen bei der Bearbeitung des Fotos, die dralle Ader vielleicht etwas betont?

Ihre Fotos sind toll – und sie heroisieren den Präsidenten

Nun, so viel ist klar: Das Bild ist nicht das Werk künstlicher Intelligenz. Man muss nicht lange hinschauen, um sich der Echtheit zu versichern, es ist also kein Gag aus der so plötzlich herübergewehten Zukunft.

Aufgenommen hat es Soazig de La Moissonnière, Macrons Hoffotografin, 42 Jahre alt. Und damit auch alle Zweifel ausgeräumt sind: Sie hat das Foto auf ihrem eigenen Account bei Instagram gepostet. Soazig de La Moissonnière begleitet den Präsidenten schon seit vielen Jahren und hält ihn in Schwarzweissfotos fest – eine Sammlung, die die Amtszeit des Präsidenten dann einmal unbedingt überleben soll. Tolle Fotos, sehr ästhetisch. Kritiker sagen, sie seien überästhetisiert, die starken Kontraste dramatisierten und heroisierten das präsidiale Sujet in allen seinen Auftritten.

Seit vielen Jahren Hoffotografin: Soazig de La Moissonnière.

Die sozialen Medien sind voll mit Persiflagen von «Rocky Macron», mit mehr oder weniger witzigen Memes und Fotomontagen, und das war auch nicht anders zu erwarten gewesen. Vor kurzem zeigte Carla Bruni der Welt ein Foto ihres Gatten Nicolas Sarkozy, 69 Jahre alt, Amtsvorvorgänger von Macron, auf dem der seinen rechten Oberarmmuskel spannt, als hinge davon das Schicksal der Republik ab, und erntete dafür viel Spott. Aber «Sarko» war gestern.

Die etwas ernsthaftere Analyse von Macrons Pose wird jetzt von Experten der politischen Kommunikation besorgt. Denn mag die Nummer dem Laien auch als infantil erscheinen: Das Foto des boxenden Präsidenten, von diesem ganz bestimmt vorab genehmigt, passt nun mal gut zu ähnlich machohaft inszenierten Aufnahmen von Wladimir Putin, der Nemesis des Westens.

Man hat den russischen Präsidenten schon als Judoka gesehen, der seine Gegner verdächtig leicht auf den Rücken legt, als Eishockeyspieler, als Reiter mit nacktem Oberkörper. Seit einigen Wochen macht es den Anschein, als wollte es der Franzose mit seiner wortreichen Kursverschärfung im Krieg in der Ukraine auch persönlich mit Putin aufnehmen, gewissermassen im Nahkampf.

Die Meinungen über Macrons Boxnummer gehen weit auseinander. Auf France Info zum Beispiel, einem öffentlichen Radiosender, stritten sich zwei Kommunikationsexperten darüber, ob der Präsident da nur mal wieder «primären Virilismus» zur Schau stelle oder ob er vielmehr die Lust der Franzosen nach dem «Coq» verkörpere, dem stolzen Hahn, bereit zum Kampf. Die Exegese hat erst begonnen – und man wünscht sich schon, dass das Bild ein Gag aus der so plötzlich herbeigewehten Zukunft wäre.

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@OliverMeiler

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