April 12, 2024

Korruptions- und andere Vorwürfe: Prince Charles Johnson III, Kurzzeit-Verteidigungsminister von Liberia.

Prince Charles Johnson III hat einen prachtvollen Namen und eine prachtvolle Karriere im liberianischen Militär vorzuweisen. 17 Jahre lang diente er sich hoch in den Streitkräften des westafrikanischen Landes, bevor Ende Januar die Krönung folgte: Johnson wurde von Joseph Boakai, dem neuen Präsidenten Liberias, zum Verteidigungsminister ernannt.

Doch seine Amtszeit währte nur sehr kurz: Nach zehn Tagen räumte er am Montag seinen Posten schon wieder, weil die Wut über seine Ernennung einfach zu gross geworden war. Prince Charles Johnson III hatte sich die falschen Feinde gemacht.

Der Widerstand gegen Johnson kam aus den eigenen Reihen. Allerdings waren es nicht die Offiziere, die die Meuterei gegen den Minister anführten, es waren deren Ehefrauen. Am Wochenende organisierten sie landesweite Proteste und blockierten wichtige Verkehrsadern in dem Fünf-Millionen-Einwohner-Land am Atlantik, etwa die Autobahn zum Flughafen der Hauptstadt Monrovia.

Auf Bildern waren einfache, aber effektive Strassensperren aus Autoreifen, Holzbrettern und Plastikstühlen zu sehen. Liberianische Medien vermeldeten Staus, die so lang waren, dass manche Autofahrer ihre Fahrzeuge verliessen, um zu Fuss weiterzugehen. Die jährliche Feier zu Ehren der Armee wurde abgesagt. Die Soldatenfrauen, schrieb eine Zeitung, hätten das Land einen Tag lang in Geiselhaft genommen. Sie hatten Töpfe und Pfannen dabei, um an Ort und Stelle zu kochen und ihre Posten nicht verlassen zu müssen.

Veruntreuung von Geldern für Soldaten

Die Proteste gegen Prince Charles Johnson III hatten schon vor seiner Ernennung begonnen, diese aber nicht verhindern können. Daraufhin forderten die Demonstrantinnen seine Absetzung und gingen zur Blockade über. Die Liste der Vorwürfe gegen Johnson ist lang und bezieht sich auf seine Zeit als Stabschef zwischen 2018 und 2024. So werden ihm unter anderem selbstherrliche Amtsführung und Korruption vorgeworfen.

Ein anonymer Offizier bezeichnete ihn als «Diktator» und als «herzlos». Unter anderem soll er Gelder veruntreut haben, die eigentlich für Soldaten in Auslandseinsätzen reserviert waren, etwa einer Friedensmission in Mali. Zudem richteten sich die Proteste gegen niedrige Löhne und schlechte Wohnbedingungen in den liberianischen Kasernen, wo immer wieder der Strom ausfällt.

In seinem Rücktrittsgesuch ging der Verteidigungsminister auf die gegen ihn persönlich gerichteten Vorwürfe nicht ein. Johnson begründete seinen Schritt vielmehr damit, dass er Frieden und Sicherheit Liberias nicht gefährden wolle. Präsident Joseph Boakai dankte Johnson gemäss einer Mitteilung für seine «unschätzbaren Dienste».

Historische Ernennung: Geraldine George, die erste Verteidigungsministerin Liberias.

Liberia hatte nach einem zwei Jahrzehnte währenden mörderischen Bürgerkrieg und einer verheerenden Ebola-Epidemie zuletzt durch einen friedlichen Machtwechsel positive Schlagzeilen geschrieben. Die Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr gewann Boakai gegen den 2017 gewählten Amtsinhaber George Weah, der seine Niederlage trotz eines historisch knappen Ergebnisses umgehend anerkannte.

In Westafrika, wo nach einer Serie von Putschen inzwischen sogar das einst so stabile Senegal tief in die Demokratiekrise geschlittert ist, ist das ein seltener Lichtblick. Am 22. Januar wurde Boakai vereidigt. Doch den Start in seine Präsidentschaft haben ihm die Proteste der Soldatenfrauen nun gehörig verhagelt.

Boakai, als Präsident auch oberster Befehlshaber, traf sich Anfang der Woche mit Vertreterinnen der Proteste. Er versprach laut einer Mitteilung eine gründliche Untersuchung der Vorwürfe und ordnete unter anderem an, dass die grösste Kaserne des Landes bei Monrovia umgehend wieder mit Strom versorgt werden soll.

Am Dienstag ernannte der Staatschef die Nachfolgerin Johnsons, eine frühere Brigadegeneralin namens Geraldine George. Zum ersten Mal in der Geschichte Liberias steht damit eine Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums.

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