May 29, 2024

Publiziert: 25.02.2024, 16:24Aktualisiert vor 4 Stunden

Das Wichtigste in Kürze

  • Die USA wollen einen temporären Hafen für Hilfsgüter an der Küste des Gazastreifens bauen.

  • US-Präsident Joe Biden hat in seiner Rede an die Nation die dramatische humanitäre Lage im Gazastreifen angeprangert und Israels Führung zu einem besseren Schutz von Zivilisten aufgerufen.

  • Ein Videojournalist der Nachrichtenagentur Reuters ist im Libanon durch den Beschuss eines israelischen Panzers zu Tode gekommen.

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Alle Artikel zu Nahost: News und Hintergründe in der Übersicht

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05:44 UhrUS-Militär meldet Verteidigungsschlag gegen Huthi-Miliz im Jemen

Die US-Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge einen Selbstverteidigungsschlag gegen die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen ausgeführt. Ziel seien zwei auf Lastwagen montierte Antischiffsraketen der Huthi gewesen, teilte das zuständige Regionalkommando am Samstagmorgen auf der Plattform X, ehemals Twitter, mit. Der Vorfall habe sich bereits am Freitagmorgen gegen 9.50 Uhr Ortszeit ereignet.

Huthi-Milizen hätten zudem am Freitagnachmittag zwei ballistische Antischiffsraketen aus dem Jemen auf die MV Propel Fortune im Golf von Aden abgefeuert, hiess es weiter. Das unter der Flagge Singapurs fahrende Schiff befinde sich auch in dessen Besitz und werde von ihm betrieben. Die Raketen hätten den Frachter aber nicht getroffen. Verletzungen oder Schäden wurden demnach nicht gemeldet.

Mit dem Beschuss von Schiffen im Roten Meer wollen die militant-islamistischen Huthi ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen erzwingen, die auf das beispiellose Massaker der islamistischen Hamas in Israel am 7. Oktober folgten. Angesichts der Gefahren meiden grosse Reedereien zunehmend die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg zwischen Asien und Europa. Dies hat mittlerweile erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die USA und Grossbritannien greifen deshalb immer wieder Ziele der Huthi im Jemen an. (DPA)

04:51 UhrDie Nacht auf Samstag im Überblick

Die von den USA geplante Einrichtung eines temporären Hafens zur Lieferung von Hilfsgütern in den Gazastreifen stösst international auf Zustimmung, braucht aber für ihre Umsetzung noch Zeit. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pat Ryder, sagte am Freitag, man rechne damit, dass es etwa 60 Tage dauern werde, bis der temporäre Hafen voll einsatzfähig sei. Ryder betonte, in der Zwischenzeit bemühten sich die USA um eine signifikante Ausweitung von Lieferungen auf dem Landweg, da dies die effektivste Weise sei, um Hilfen in das Krisengebiet zu bringen. Auch die Abwürfe von Hilfsgütern aus der Luft gingen weiter.

Nach mehr als fünf Monaten Krieg, den Israel gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen führt, hatte die US-Regierung am Donnerstag angekündigt, angesichts der humanitären Notlage in Gaza einen temporären Hafen einrichten zu wollen, um Lebensmittel, Wasser und Medikamente in das Kriegsgebiet zu bringen. Die humanitäre Lage der Menschen in Gaza spitzt sich seit Wochen dramatisch zu. UNO-Vertreter hatten zuletzt vor dem Hungertod Tausender Zivilisten im Gazastreifen gewarnt.

Unabhängig von der Vorbereitung einer provisorischen Hafenanlage an der Küste des Gazastreifens arbeitet die internationale Gemeinschaft an der Etablierung eines Seekorridors, über den Hilfsgüter von Zypern ausgehend Gaza-nahe Häfen in Ägypten oder Israel erreichen sollen. «Wir stehen jetzt kurz vor der Eröffnung des Korridors – hoffentlich diesen Samstag, diesen Sonntag», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag bei einem Treffen mit dem zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulidis.

Tödliche Hilfspakete aus dem Himmel

Indes zeigte sich die Problematik der Abwürfe von Hilfsgütern aus der Luft. Eine vom Himmel stürzende Ladung erschlug am Freitag fünf Menschen, weil sich der Fallschirm nicht richtig geöffnet hatte. Das bestätigte das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium auf Anfrage eines dpa-Mitarbeiters vor Ort. Auf Videos in sozialen Medien war zu sehen, wie das grosse Hilfspaket praktisch ungebremst zu Boden stürzte. Mehrere Menschen seien zudem verletzt worden. Hilfsorganisationen fordern eine wirksamere Versorgung auf dem Landweg und verweisen darauf, dass Israel die Einfahrt von Lastwagen in den Gazastreifen behindern würde. Israel bestreitet das und wirft den Hilfsorganisationen Ineffizienz bei der Verteilung der Güter vor.

Hilfspakete werden über dem Norden des Gazastreifens abgeworfen. (8. März 2024)

Verhandlungen unterbrochen

Hintergrund der Not im Gazastreifen sind massive Bombardierungen und eine Bodenoffensive Israels in dem Küstengebiet. Das Militär reagiert damit auf das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, bei dem Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel rund 1200 Menschen ermordet und 250 entführt hatten. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden bei Israels Militäroffensive bisher mehr als 30’000 Menschen getötet. Die Angaben machen keinen Unterschied zwischen Zivilisten und bewaffneten Kämpfern. Eine grosse Mehrheit der Opfer seien jedoch Frauen, Minderjährige und alte Männer.

Humanitäre Organisationen verlangen eine sofortige Waffenruhe, um der ausgebombten und Not leidenden Zivilbevölkerung Erleichterung zu verschaffen. Indirekt geführte Gespräche über eine Feuerpause und eine Freilassung der israelischen Geiseln aus der Gewalt der Hamas waren am Donnerstag ohne Ergebnis unterbrochen worden. Sie sollen zu Wochenbeginn weitergehen. Die USA, die bei den Verhandlungen zusammen mit Ägypten und Katar vermitteln, machen die unnachgiebige Haltung der Hamas für das Ausbleiben einer Einigung verantwortlich.

Hamas-Sprecher Abu Obaida bekräftigte indes die Position der Islamisten. «Unsere höchste Priorität bei der Herbeiführung eines Gefangenenaustausches ist die verbindliche Zusage, dass die Aggression gegen unser Volk beendet wird und sich der Feind zurückzieht», sagte er in einer Video-Botschaft, die die Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas, am Freitagabend auf ihrem Telegram-Kanal veröffentlichten. Der von Israel akzeptierte Vermittlervorschlag sieht hingegen eine sechswöchige Waffenruhe sowie den Beginn des Austausches von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen vor. Erst während dieser Waffenruhe soll über Schritte verhandelt werden, die zu einer dauerhaften Einstellung der Kämpfe führen. Israel zeigt bislang keine Bereitschaft, von diesem Stufenplan abzurücken.

Vor dem Ramadan giesst Hamas-Sprecher Öl ins Feuer

Voraussichtlich am Sonntag beginnt der Fastenmonat Ramadan, eine den Muslimen in aller Welt besonders heilige Periode. Islamistische und militante Bewegungen wie die Hamas schreiben dem Ramadan eine besondere Bedeutung im Jihad, dem sogenannten heiligen Krieg, zu. Vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs lässt dies eine Zunahme gewalttätiger Konflikte in Jerusalem und im israelisch besetzten Westjordanland befürchten.

Hamas-Sprecher Abu Obaida spielte in seiner Video-Botschaft darauf an, als er die palästinensische Bevölkerung dazu aufrief, im Fastenmonat zur Al-Aksa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg zu marschieren. «Möge der gesegnete Monat Ramadan (…) sich zur maximalen Flutwelle auf den Strassen und Fronten innerhalb und ausserhalb Palästinas auswachsen», sagte er. Den Überfall auf Israel am 7. Oktober nennt die Hamas «Al-Aksa-Flutwelle».

Einen Vorgeschmack gaben militante Palästinenser, als sie am Freitag in der Nähe der Stadt Nablus im Westjordanland einen illegalen Siedler-Aussenposten angriffen. Sie feuerten rund 30 Schüsse auf einen Posten der israelischen Armee ab, der die Siedlung Homesch bewachte, berichtete der Sender Kan. Als die Soldaten die Angreifer verfolgten, hätten die Militanten einen Sprengkörper detoniert. Drei Soldaten erlitten mittelschwere, vier weitere leichte Verletzungen, teilte die Armee am Abend mit. Homesch gilt selbst nach israelischem Recht als illegal, auch wenn sich die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf Betreiben der rechtsextremen Koalitionspartner intensiv um eine Legalisierung dieses und anderer Aussenposten bemüht. (DPA)

02:13 UhrBiden: Waffenruhe im Gazastreifen vor Ramadan «schwierig»

US-Präsident Joe Biden hat die Hoffnungen auf eine Einigung auf eine Waffenruhe im Gazastreifen vor Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan weiter gedämpft. «Es sieht schwierig aus», sagte Biden am Freitag bei einem Besuch im Bundesstaat Pennsylvania zu Journalisten. Der Präsident hatte am Vorabend in seiner Rede zur Lage der Nation im US-Kongress zu einer «sofortigen» sechswöchigen Waffenruhe aufgerufen.

Viele hatten auf eine Einigung auf eine Feuerpause zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas vor dem Ramadan gehofft, damit mehr Hilfsgüter in den Gazastreifen gelangen und Hamas-Geiseln freikommen können. Der muslimische Fastenmonat beginnt je nach Sichtung der Mondsichel bereits am Sonntagabend.

US-Aussenminister Antony Blinken sagte am Freitag, das Problem bei den Verhandlungen sei die Hamas. «Der Ball ist in ihrem Feld», sagte Blinken bei einem Treffen mit dem türkischen Aussenminister Hakan Fidan in Washington. «Wir arbeiten intensiv daran.» Eine Waffenruhe wäre für alle von Vorteil.

Die Hamas-Delegation hatte am Donnerstag die Gespräche in Kairo unter Vermittlung der USA, Ägyptens und Katars unterbrochen und war zu Beratungen nach Doha gereist. Zur Begründung hiess es, die bisherigen Antworten der israelischen Regierung erfüllten «nicht die Mindestanforderungen».

Die Hamas verlangt einen dauerhaften Waffenstillstand, einen vollständigen Abzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen, die Rückkehr der Binnenvertriebenen in ihre Häuser und den Beginn des Wiederaufbaus in dem Palästinensergebiet. Israel lehnt dies ab. (AFP)

Gestern, 23:49Pentagon: Rund 1000 Soldaten sollen Hafen für Gaza-Hilfen bauen

Für den Transport und Bau eines temporären Hafens für zusätzliche Hilfslieferungen an die Bevölkerung im Gazastreifen will das US-Militär rund 1000 Soldaten abstellen. Dies teilte Pentagonsprecher Pat Ryder am Freitag vor Reportern mit. An der Mission würden unter anderem Teile der für Logistik zuständigen 7. Transportbrigade der US-Armee beteiligt sein.

Die Truppen würden vor der Küste des Gebiets einen Pier bauen, an dem grosse Schiffe Lebensmittel und andere Hilfsgüter abladen könnten. Kleinere Militärschiffe sollen die Güter dann von dort zu einem temporären Damm bringen, der an der Küste in den Boden getrieben werden soll, wie der Sprecher erklärte.

Dass US-Soldaten in Israel an Land gingen, sei nicht vorgesehen. Wer die Hilfsgüter vom schwimmenden Damm ans Ufer bringen solle, werde noch geklärt, sagte Ryder. Zur Frage der Lebensmittelverteilung und anderen Aspekten der Operation seien die USA auch mit Verbündeten im Gespräch. Es sei davon auszugehen, dass die Errichtung des temporären Hafens mehrere Wochen dauern werde. (DPA)

Gestern, 22:34Hamas ruft Palästinenser zu Marsch auf den Tempelberg auf

Die islamistische Hamas im Gazastreifen hat die palästinensische Bevölkerung dazu aufgerufen, im Fastenmonat Ramadan zur Al-Aksa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg zu marschieren. «Erlauben wir es der Besatzungsmacht (Israel) nicht, die Fakten vor Ort zu diktieren», erklärte Hamas-Sprecher Abu Obaida in einem Video, das die Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas, am Freitagabend in ihrem Telegram-Kanal veröffentlichten.

Der Ramadan ist eine den Muslimen besonders heilige Periode und soll am Sonntag beginnen. Die Al-Aksa-Moschee gilt als drittwichtigstes Heiligtum im Islam. Israel hat den Tempelberg-Komplex zusammen mit der Jerusalemer Altstadt im Sechs-Tage-Krieg 1967 erobert. Seitdem kontrolliert es die Zugänge zu der Kultstätte, den es immer wieder auch einschränkt. In diesem Jahr sollen für den Ramadan ähnliche Bestimmungen gelten wie in den vergangenen Jahren. Unter anderem bedeutet das, dass männliche Muslime jüngeren und mittleren Alters nicht in der Al-Aksa-Moschee beten können.

Islamistische und militante Bewegungen wie die Hamas schreiben dem Ramadan eine besondere Bedeutung im sogenannten Jihad, dem heiligen Krieg, zu. Vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs lässt dies eine Zunahme gewalttätiger Konflikte in Jerusalem und im israelisch besetzten Westjordanland befürchten. «Möge der gesegnete Monat Ramadan (…) sich zur maximalen Flutwelle auf den Strassen und Fronten innerhalb und ausserhalb Palästinas auswachsen», sagte Abu Obaida in seiner Video-Botschaft. (DPA)

Gestern, 15:17Fallschirm versagt: Fünf Menschen von Gaza-Hilfslieferung erschlagen

Bei Hilfslieferungen aus der Luft für die hungernden Menschen im Gazastreifen hat es am Freitag einen tragischen Unglücksfall gegeben.

Hilfspakete, die inmitten des anhaltenden Konflikts zwischen Israel und der Hamas-Bewegung über dem nördlichen Gazastreifen abgeworfen werden.

Fünf Menschen wurden von einer vom Himmel stürzenden Ladung erschlagen, weil sich der Fallschirm nicht richtig geöffnet hatte, wie das von der islamistischen Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium auf Anfrage eines dpa-Mitarbeiters vor Ort bestätigte. Auf Videos in sozialen Medien war zu sehen, wie das grosse Hilfspaket praktisch ungebremst zu Boden stürzte. Mehrere Menschen seien zudem verletzt worden.

Die USA und andere Nationen hatten am Samstag begonnen, angesichts der katastrophalen Versorgungslage vor allem im Norden des umkämpften Küstenstreifens Hilfslieferungen mit Lebensmitteln an Fallschirmen abzuwerfen. (DPA)

Gestern, 11:49Maritimer Korridor für Gaza soll am Sonntag öffnen

Der geplante maritime Hilfskorridor von Zypern zum Gazastreifen soll nach den Worten von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen möglichst schon am Sonntag öffnen. «Wir stehen kurz davor, diesen Korridor zu öffnen, hoffentlich schon diesen Sonntag», sagte von der Leyen am Freitag im Hafen von Larnaca in Zypern.

Zunächst werde jedoch die Organisation Open Arms mit einem Schiff eine Testfahrt unternehmen.

Die Hilfsorganisation Open Arms soll vor der Korridor-Öffnung eine Testfahrt unternehmen.

Die EU richte den Korridor gemeinsam mit den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Partnerländern ein, um grosse Mengen an Hilfsgütern in den Gazastreifen zu liefern, sagte von der Leyen auf der Pressekonferenz mit dem zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides. In dem abgeriegelten Küstengebiet spiele sich eine humanitäre Katastrophe ab. (DPA/AFP)

Gestern, 12:54Hilfskonvoi: Israelisches Militär räumt Schüsse auf Wartende ein

Das israelische Militär hat am Freitag Ergebnisse einer Überprüfung des tödlichen Vorfalls rund um einen Hilfskonvoi im nördlichen Gazastreifen präsentiert, bei dem in der vergangenen Woche 118 Palästinenser getötet wurden. Demnach schossen Soldaten auf einige Personen in der Menge, die sich auf sie zubewegt hätten. Zunächst hatte die israelische Seite lediglich erklärt, Soldaten hätten Warnschüsse in Richtung der Menge abgegeben.

Luftaufnahmen des Vorfalls in Gaza.

Eine grosse Zahl von Menschen hatte im Morgengrauen des 29. Februar auf einen Konvoi mit Hilfsgütern gewartet und dann versucht, an die Nahrungsmittel zu gelangen. Augenzeugenberichten zufolge eröffneten israelische Soldaten das Feuer auf sie.

Das Militär erklärte am Freitag, etwa 12’000 Menschen hätten sich um die Lastwagen versammelt, die auf dem Weg in Verteilzentren waren. Dann hätten sie begonnen, sich der Hilfsgüter zu bemächtigen. Die Überprüfung des Vorfalls habe ergeben, dass die Soldaten nicht auf den Konvoi selbst geschossen hätten, aber «auf eine Reihe von Verdächtigen, die sich auf die Einsatzkräfte in der Nähe zubewegten und eine Gefahr für sie darstellten», erklärte das Militär. Viele der Opfer seien auf einen Ansturm auf die Lebensmittel zurückzuführen, zudem seien Menschen von den Lastwagen überfahren worden.

Die UN hatten in der vergangenen Woche erklärt, ein UN-Team habe das Schifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza besucht und von einer grossen Zahl von Schusswunden unter den mehr als 200 Verletzten berichtet, die dorthin gebracht worden waren. Der Direktor des al-Adwa-Spitals sagte, 80 Prozent der 176 in seine Klinik gebrachten Verletzten wiesen Schusswunden auf. Die EU forderte eine Untersuchung des Vorfalls. (DPA)

Gestern, 12:49UN-Bericht: Palästinensische Gefangene erleiden Gewalt und möglicher­weise Folter

Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach eigenen Angaben glaubhafte Berichte, dass festgenommene Palästinenser in israelischem Gewahrsam misshandelt worden sind. Darunter seien auch Ärzte und anderes Spitalpersonal, sagte Ajith Sunghay, Leiter des UN-Menschenrechtsbüros für die besetzten palästinensischen Gebiete, am Freitag. «Sie wurden auch misshandelt, das kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen», sagte Sunghay. Er war in Ostjerusalem und sprach über eine Videoverbindung mit Reportern in Genf. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befinden sich noch 118 Mitarbeiter im Gesundheitssektor in israelischem Gewahrsam.

Sunghay nannte auch einen bislang unveröffentlichten Bericht des UN-Hilfswerks für Palästinenser (UNRWA) über die Behandlung von Palästinensern in israelischem Gewahrsam. Er habe den Bericht gesehen. «In dem Bericht geht es um Misshandlungen und möglicherweise Akte, die Folter darstellen», sagte er. Der Inhalt decke sich mit Informationen, die auch sein Büro zusammengetragen habe. Betroffene hätten über Schlafentzug und Beschallung mit lautem Lärm berichtet und mangelndem Essen sowie mangelnder medizinischer Versorgung. In dem Bericht würden auch Vorwürfe von Folter und sexualisierter Gewalt erhoben. (DPA)

Gestern, 11:12UN-Hochkommissar verurteilt Ansiedlung von Israelis im Westjordanland

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, spricht in Bezug auf die israelischen Siedlungen im besetzten palästinensischen Westjordanland von Kriegsverbrechen. Die Errichtung und der Ausbau der Siedlungen laufe darauf hinaus, dass Israel die eigene Zivilbevölkerung in die von ihm besetzten Gebiete verlege, sagte Türk am Freitag im UN-Menschenrechtsrat, «was nach dem Völkerrecht ein Kriegsverbrechen darstellt».

«Die Gewalt der Siedler haben ein schockierendes Ausmass erreicht», sagt Volker Türk, UN-Hochkomissar für Menschenrechte.

Türk stellte im UN-Menschenrechtsrat seinen periodischen Bericht über die Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten vor. Dieser umfasst den Zeitraum von November 2022 bis Oktober 2023. In dem Zeitraum seien gut 24 000 neue Wohneinheiten vorangetrieben worden, geht daraus hervor, so viele wie nie innerhalb eines Jahres seit Beginn der Überwachung dieser Aktivitäten 2017. Vergangenes Jahr hatte das UN-Menschenrechtsbüro die Zahl der israelischen Siedler im Westjordanland mit etwa 700 000 beziffert. Türk kritisierte auch den jüngsten Beschluss in einem israelischen Planungsausschuss, den Bau von mehr als 3426 neuen Wohneinheiten voranzutreiben.

Der UN-Hochkommissar verurteilte Gewalt von Siedlern und «Staatsgewalt» gegen Palästinenser, Vertreibungen und die Zerstörung palästinensischer Häuser. «Die Gewalt der Siedler und die Verstösse im Zusammenhang mit der Besiedlung haben ein schockierendes Ausmass erreicht und bergen die Gefahr, dass jede praktische Möglichkeit zur Errichtung eines lebensfähigen palästinensischen Staates zunichtegemacht wird», sagte Türk. Seit dem Terrorüberfall palästinensischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober habe es gut 600 Angriffe von Siedlern gegeben. 396 Palästinenser seien seitdem von israelischen Sicherheitskräften getötet worden, neun von Siedlern. Bei zwei Todesfällen sei unklar, wer dafür verantwortlich war.

«Der einzige Weg nach vorne ist eine tragfähige politische Lösung, die die Besatzung endlich beendet, einen unabhängigen palästinensischen Staat errichtet und die Verwirklichung der Grundrechte des palästinensischen Volkes garantiert», sagte Türk. (DPA)

Gestern, 10:52Nach Raketen aus dem Gazastreifen: Israel beschiesst Abschussrampen

Nach einem Beschuss Israels mit Raketen aus dem Gazastreifen hat die Armee nach eigenen Angaben die Abschussrampen in dem Küstenstreifen angegriffen. Artillerie und Kampfjets seien dabei im Einsatz gewesen, teilte die Armee am Freitag mit.

Zuvor war demnach eine ungenannte Zahl von Raketen in der Gegend der Stadt Sderot niedergegangen, die nur etwa drei Kilometer vom Grenzzaun im Norden des Gazastreifens entfernt ist. Auch der Kibbuz Nahal Oz sei am späten Donnerstagabend mit Raketen angegriffen worden, hiess es. Über Opfer oder Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

Bei Kämpfen im Zentrum des Gazastreifens und in der im Süden gelegenen Stadt Chan Junis tötete die Armee nach eigenen Angaben etwa 30 islamistische Terroristen. Zudem seien Tunnel zerstört und Waffen sichergestellt worden.

Unterdessen bekräftigte Regierungschef Benjamin Netanjahu erneut die Absicht, auch die Stadt Rafah ganz im Süden anzugreifen, wohin sich Hunderttausende Zivilisten aus anderen Teilen des Gebiets geflüchtet haben. Auch die Führungsriege um den Chef der islamistischen Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, wird in Rafah vermutet. «Heute sage ich deutlich: Die Armee wird ihren Kampf im gesamten Gazastreifen fortsetzen – und das gilt auch für Rafah, die letzte Bastion der Hamas», sagte er am Donnerstag bei einer Abschlusszeremonie in einer Ausbildungsakademie für Offiziere. «Wer auch immer uns sagt, nicht in Rafah tätig zu werden, sagt uns damit zugleich, wir sollten den Krieg verlieren – und das wird nicht geschehen», fügte Netanjahu hinzu. (DPA)

Gestern, 04:15Die Nacht auf Freitag im Überblick

Angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen sollen neben Lieferungen aus der Luft nun auch Güter über den Seeweg kommen. Das US-Militär will dafür zusammen mit internationalen Partnern einen temporären Hafen in dem Palästinensergebiet einrichten. An einem Pier des Hafens sollen grosse und mit Hilfsgütern beladene Schiffe andocken können, wie ein hochrangiger US-Regierungsvertreter am Donnerstag mitteilte. Laut Aussenministerin Annalena Baerbock arbeitet auch Deutschland mit Partnern wie Zypern und den Vereinigten Arabischen Emiraten an einem Hilfskorridor für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen über das Mittelmeer.

Mütter in Küstengebiet haben Probleme, Babys zu stillen

Der temporäre Hafen der USA soll «Kapazität für Hunderte zusätzlicher Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern pro Tag» bieten, erklärte ein weiterer US-Regierungsvertreter. Weitere Details zu den Plänen wurden zunächst nicht genannt.

Angesichts der humanitären Katastrophe haben die USA und andere Staaten kürzlich auch damit begonnen, die Zivilbevölkerung im Gazastreifen aus der Luft mit Hilfsgütern zu versorgen. In dem Küstengebiet fehlt es am Nötigsten. Vertreter der Vereinten Nationen hatten zuletzt im Weltsicherheitsrat vor dem Hungertod Tausender Zivilisten gewarnt. Ein Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur im Gazastreifen berichtete, viele junge Mütter hätten wegen der schlechten Ernährungslage Probleme, ihre Babys zu stillen.

Bei den Gesprächen über die Freilassung weiterer aus Israel entführter Menschen sowie eine Feuerpause im Gaza-Krieg gibt es weiter keinen Durchbruch. Am Donnerstag verliessen Teilnehmer der Hamas und der Vermittlerstaaten USA und Katar die ägyptische Hauptstadt Kairo, wie es aus Sicherheitskreisen am Flughafen hiess. Die Vermittler hoffen auf eine Einigung bis zum muslimischen Fastenmonat Ramadan, der in diesem Jahr um den 10. März beginnt. Der staatsnahe ägyptische Sender Al-Kahira News zitierte eine nicht näher genannte hochrangige Quelle, wonach die Verhandlungen kommende Woche fortgesetzt werden sollen.

Laut Israel kommen mehr Hilfen nach Gaza als vor Krieg

Israel forderte derweil eine energische Zurückweisung des südafrikanischen Eil-Antrages zu humanitärer Hilfe im Gazastreifen durch den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Pretoria hatte das Gericht darin aufgefordert, Israel anzuweisen, humanitäre Hilfe in den Gazastreifen zu lassen. Israel handele im Einklang mit dem Völkerrecht und lasse sehr wohl humanitäre Hilfe in den Gazastreifen zu, schrieb ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums auf X. «Südafrika fungiert weiterhin als rechtlicher Arm der Hamas und agiert gegen das Recht Israels, sich und seine Bürger zu verteidigen und sich für die Freilassung der Entführten einzusetzen.»

Nach Angaben der israelischen Regierung kommen derzeit mehr Hilfsgüter in den Küstenstreifen als vor Kriegsbeginn. Es gebe keine Beschränkungen der Menge der Hilfslieferungen. Problem gebe es aber bei der Verteilung innerhalb des Gazastreifens.

Netanyahu: Werden gegen Hamas auch in Rafah vorgehen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu pocht weiter auf einen Militäreinsatz in Rafah, um dort gegen die verbliebenen Bataillone der Hamas vorzugehen. Man müsse internationalem Druck widerstehen und Versuchen, den Krieg zu beenden, gemeinsam entgegentreten, sagte Netanyahu am Donnerstagabend. «Wer uns sagt, dass wir in Rafah nicht operieren sollen, sagt uns, dass wir den Krieg verlieren sollen.»

Auch nach fünf Monaten Krieg feuern extremistische Palästinenser weiter Geschosse aus dem Gazastreifen Richtung Israel. Israelischen Medien zufolge schlugen am Donnerstagabend drei Raketen auf israelischem Gebiet ein. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht.

Auslöser des Gaza-Krieges war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, bei dem Terroristen der islamistischen Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel 1200 Menschen ermordet und 250 entführt hatten. Israel reagierte mit massiven Bombardierungen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Laut der von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde wurden seitdem mehr als 30’000 Menschen getötet. Laut Armee sind darunter rund «10’000 Terroristen».

China fordert Ende der Gewalt gegen Zivilisten

Chinas Aussenminister forderte indes ein Ende der Gewalt gegen Zivilisten im Gazastreifen. «Es kann nicht länger eine Rechtfertigung für die Fortsetzung des Konflikts und keine Entschuldigung für die Tötung von Zivilisten geben», sagte Wang Yi am Donnerstag in Peking. Das brutale Massaker der Hamas erwähnte Wang nicht. «Alle Gefangenen» müssten freigelassen werden, und die internationale Gemeinschaft müsse sich für einen sofortigen Waffenstillstand einsetzen, sagte er.

Derzeit sind noch mehr als 100 israelische Geiseln nach dem Terrorüberfall vom 7. Oktober in der Gewalt der Hamas. Sie sollen gegen palästinensische Gefangene, die in Israel in Haft sind, ausgetauscht werden, sofern ein Abkommen erreicht werden kann.

Spanien unterstützt UNRWA mit 20 Millionen Euro

Mit Blick auf die humanitäre Lage im Gazastreifen will Spanien das in die Kritik geratene UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) mit weiteren 20 Millionen Euro unterstützen. Das teilte Aussenminister José Manuel Albares am Donnerstag nach einem Treffen mit UNRWA-Chef Philippe Lazzarini in Madrid mit. Er habe Lazzarini die Unterstützung der spanischen Regierung für «die wichtige Arbeit» des Hilfswerks zugesagt. Mit dem Geld sollen demnach Ernährung, Bildung und Gesundheit für Tausende palästinensische Familien sichergestellt werden. Erst Anfang Februar hatte Spanien eine Sonderzahlung von 3,5 Millionen Euro angekündigt.

Mehr als ein Dutzend Länder, zu denen die grössten Geber USA und Deutschland gehören, hatten zuletzt ihre Zahlungen an das Palästinenserhilfswerk ausgesetzt. Hintergrund sind Vorwürfe, UNRWA-Mitarbeiter seien an den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober beteiligt gewesen. Die Untersuchungen zu den Terrorvorwürfen sind noch nicht abgeschlossen.

Kreise: Kanada nimmt UNRWA-Finanzierung wieder auf

Kanada will seine Finanzierung des UNRWA unterdessen wieder aufnehmen. Diplomatische Kreise bestätigten der dpa am Donnerstag in New York Medienberichte, wonach Ottawa demnächst sogar ankündigen werde, seine Zuwendungen für UNRWA aufzustocken. Der öffentliche kanadische TV-Sender CBC hatte gemeldet, die Regierung von Premier Justin Trudeau wolle eine fällige Zahlung von umgerechnet mehr als 15 Millionen Euro sowie eine Extrasumme leisten. Offiziell verkündet wurde der Schritt aber bislang nicht. Auch Kanada hatte seine Finanzierung des UNRWA nach den Terrorvorwürfen zunächst eingefroren. Für die humanitäre Versorgung von mehr als zwei Millionen Zivilisten im Gazastreifen gilt das UNRWA derzeit als alternativlos. (DPA)

07.03.2024, 18:19Biden will offenbar Hafen für Hilfsgüter im Gazastreifen bauen lassen

US-Präsident Joe Biden will mit Hilfe des US-Militärs einen temporären Hafen im Gazastreifen einrichten, über den mehr Hilfsgüter zur Bevölkerung des Palästinensergebiets gelangen sollen. Biden werde das Vorhaben am Donnerstagabend (Nacht zum Freitag Schweizer Zeit) in seiner Rede zur Lage der Nation bekanntgeben, erfuhr die Nachrichtenagentur AP vorab aus Regierungskreisen.

Das US-Militär soll den temporären Hafen gemeinsam mit internationalen Partnern an der Küste des Gazastreifens einrichten. Hauptteil des Hafens ist demnach ein temporärer Pier, an dem grosse Schiffe andocken können, um Nahrungsmittel, Wasser, Medizin und Notunterkünfte zu liefern. Dieser böte «die Kapazität für Hunderte zusätzlicher Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern pro Tag», erklärte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter.

Die Lieferungen würden zunächst über Zypern erfolgen, ermöglicht durch das US-Militär und eine Koalition aus Partnern und Verbündeten. Die Umsetzung des Vorhabens werde einige Wochen dauern. Hilfe von US-Soldaten vor Ort sei allerdings nicht notwendig. (DPA)

07.03.2024, 17:10Bericht: Israelischer Panzer tötete Reuters-Journalist im Libanon

Ein Videojournalist der Nachrichtenagentur Reuters ist im Libanon durch den Beschuss eines israelischen Panzers zu Tode gekommen. Zu diesem Ergebnis kommt die niederländische Forschungsorganisation TNO in einem Bericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Reuters hatte die Forscher beauftragt, Beweismaterial des Vorfalls vom 13. Oktober im Süden des Libanon zu analysieren, bei dem der Videojournalist Issam Abdallah getötet und sechs weitere Medienvertreter verletzt wurden.

Sie hatten über Gefechte zwischen dem israelischen Militär und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah im Grenzgebiet zwischen dem Libanon und Israel berichtet – wenige Tage nach dem Ausbruch des Gaza-Kriegs. Die TNO erklärte, es habe zwei Angriffe im Abstand von 37 Sekunden auf das Gebiet gegeben, in dem die Journalisten arbeiteten. Anschliessend seien Schüsse zu hören gewesen und Kugeln durch die Luft geflogen. Der israelische Beschuss habe eine Minute und 45 Sekunden gedauert.

Israel betonte, dass Journalisten niemals absichtlich ins Visier genommen würden. Zu dem Bericht der niederländischen Forschungsgruppe lag zunächst keine israelische Reaktion vor. Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch hatten im Dezember erklärt, die israelischen Angriffe, die die Journalisten töteten und verletzten, seien offenbar absichtlich gewesen und eine direkte Attacke auf Zivilisten. (DPA)

07.03.2024, 07:36Drei Seeleute sterben bei Huthi-Angriff im Golf von Aden

Bei einem Angriff der jemenitischen Huthi auf ein Frachtschiff im Golf von Aden sind nach US-Angaben drei Menschen getötet worden. Bei den Opfern handelte es sich um Besatzungsmitglieder der «True Confidence», wie das Zentralkommando des US-Militärs mitteilte. Bei dem Angriff mit einer Anti-Schiffsrakete seien zudem mindestens vier Besatzungsmitglieder verletzt worden. Drei von ihnen befänden sich in kritischem Zustand.

«Diese rücksichtslosen Angriffe der Huthi haben den Welthandel gestört und das Leben internationaler Seeleute gekostet, die einfach nur ihrer Arbeit nachgingen, die zu den härtesten der Welt gehört und auf die sich die Weltöffentlichkeit für die Aufrechterhaltung der Lieferketten verlässt», erklärte das Zentralkommando.

An Bord des unter der Flagge von Barbados fahrenden Schiffs waren 20 Besatzungsmitglieder, wie die Eigentümer am Donnerstag mitteilten – bestehend aus einem Inder, 15 Philippinern und vier Vietnamesen. Zudem seien drei bewaffnete Wachleute, zwei aus Sri Lanka und eine Person aus Nepal, auf der «True Confidence» gewesen. Das Schiff hatte demnach Stahl geladen und war auf dem Weg von China nach Dschidda in Saudi-Arabien.

Der unter der Flagge von Barbados fahrende Frachter, nachdem er von einer Rakete der Huthi-Rebellen im Jemen getroffen wurde. (6. März 2024)

Die Besatzung sei von Bord geflohen und in Rettungsboote gestiegen, hiess es. Ein US-Kriegsschiff und die indische Marine versuchten dem US-Militär zufolge, ihr zu helfen. Zwei der Todesopfer stammten den Angaben nach von den Philippinen, das dritte aus Vietnam. «Alle Besatzungsmitglieder wurden nach Dschibuti gebracht», erklärten die Eigentümer.

Es war der erste tödliche Angriff der Huthi auf ein Schiff im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg. Ein Sprecher der Huthi-Rebellen im Jemen, Jahja Sari, reklamierte die Attacke für seine Gruppe. Durch den Raketenangriff sei das Schiff in Flammen aufgegangen. (DPA)

07.03.2024, 05:31Die Nacht auf Donnerstag im Überblick

Israel gerät im Gaza-Krieg wegen der katastrophalen humanitären Lage international zunehmend unter Druck. Südafrika forderte den Internationalen Gerichtshof in Den Haag per Eil-Antrag auf, Israel anzuweisen, Hilfe in das abgeriegelte Küstengebiet zu lassen. Begründet wird dies mit einer «weitverbreiteten Hungersnot», wie aus einer Mitteilung des Gerichts in Den Haag vom Mittwoch hervorgeht. Unterdessen schwinden die Hoffnungen, dass es noch vor dem um den 10. März beginnenden islamischen Fastenmonat Ramadan zu einer Einigung über die Freilassung von Geiseln und eine vorübergehende Waffenruhe kommt, wie die Zeitung «New York Times» am Mittwoch unter Berufung auf mehrere mit den Gesprächen in Kairo vertraute Personen berichtete.

Sollten die Bemühungen der Vermittler USA, Katar und Ägypten scheitern, droht Israel mit einer Militäroperation in der Stadt Rafah während des Ramadans, der voraussichtlich am Sonntag beginnt. In Rafah im Süden des Gazastreifens suchen derzeit rund 1,5 Millionen Palästinenser auf engstem Raum und unter elenden Bedingungen Zuflucht vor den Kämpfen in anderen Teilen des Gebiets. Israel versicherte, die Zivilisten vor einer Offensive in Sicherheit zu bringen. Israelische Beamte glaubten, dass der Anführer der islamistischen Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, an einer Einigung nicht interessiert sei, sondern hoffe, dass es zu einer Eskalation der Spannungen im Westjordanland und in Jerusalem während des Ramadans komme, berichtete das «Wall Street Journal». Ein Einmarsch in Rafah könne auch zu einem grösseren Konflikt an Israels Nordgrenze zum Libanon führen, hiess es.

Israel: Mehr Hilfslieferungen im Gazastreifen als vor Kriegsbeginn

Mit Blick auf zunehmend schärferer Kritik auch aus anderen Ländern wegen der katastrophalen Versorgungslage in dem Küstenstreifen betonte die Regierung in Jerusalem am Mittwoch, es kämen derzeit mehr Hilfsgüter in den Küstenstreifen als vor Kriegsbeginn. «In den vergangenen zwei Wochen sind täglich durchschnittlich 102 Lebensmitteltransporte in den Gazastreifen gelangt. Das sind fast 50 Prozent mehr als vor dem Beginn des Krieges durch die Hamas am 7. Oktober», sagte Regierungssprecher Eylon Levy. Es gebe eine «Flut von Falschmeldungen, Israel würde die Menge der Hilfslieferungen beschränken. «Es gibt keine Beschränkungen. Ich wiederhole: keine», betonte der israelische Sprecher.

Britischer Aussenminister drängt Israel zu mehr Hilfen

Grossbritanniens Aussenminister David Cameron sieht Israel jedoch in der Pflicht, mehr Hilfslieferungen zu ermöglichen. Bei einem Treffen mit dem israelischen Minister Benny Gantz habe er deutlich gemacht, welche Schritte Israel unternehmen müsse und wie besorgt Grossbritannien über eine mögliche Offensive in Rafah sei, teilte Cameron am Mittwochabend auf X (früher Twitter) mit. «Ich habe Israel erneut gedrängt, den Fluss von Hilfsgütern zu erhöhen. Wir sehen noch immer keine Verbesserungen am Boden. Das muss sich ändern», teilte Cameron mit. Es brauche eine sofortige humanitäre Pause, mehr Kapazitäten für die Verteilung von Hilfsgütern und verbesserten Zugang über den Land- und den Seeweg.

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Bericht: Hamas besteht auf dauerhaftem Waffenstillstand

Die Vermittler hatten zuletzt einen Vorschlag für eine sechswöchige Waffenruhe erörtert, während der die islamistische Hamas etwa 40 Geiseln – Frauen, Ältere und Kranke sowie fünf israelische Soldatinnen – im Austausch gegen etwa 400 palästinensische Gefangene freilassen würde. Bislang hätten sich die Gespräche auf eine erste Phase konzentriert, die die Freilassung dieser 40 von insgesamt noch etwa 100 Geiseln vorsehe, schrieb die «New York Times». Israelische Beamte hätten geglaubt, dass ein breiter Konsens darüber erreicht worden sei, doch dann habe die Hamas erneut weitergehende Forderungen erhoben.

Die Hamas wolle, dass Israel sich zu einem dauerhaften Waffenstillstand während oder nach drei Phasen der Geiselbefreiung verpflichtet, berichtete die «New York Times» weiter. Zudem bestehe sie auf Abzug der israelischen Truppen aus dem nördlichen Gazastreifen nach der dritten Phase der Geiselbefreiung und auf grössere Hilfslieferungen. Es müsse garantiert werden, dass die Hälfte davon in den Norden Gazas geht, hiess es. Letztere Forderungen könnten noch zwischen Israel und der Hamas ausgehandelt werden, hiess es. Es gebe Streit darüber, ob Männer im kampffähigen Alter während der Waffenruhe in den Norden Gazas zurückkehren dürfen, den Israel abgeriegelt hat, berichtete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf ägyptische Beamte. Ein israelischer Beamter habe jedoch bestritten, dass dies derzeit Teil der ausschliesslich über die Vermittlerstaaten laufenden Verhandlungen sei. (DPA)

07.03.2024, 02:19Medienbericht: Mindestens 15 Tote bei Luftangriffen in Gaza

Bei drei israelischen Luftangriffen auf Ziele im Zentrum des Gazastreifens sind nach einem Medienbericht mindestens 15 Menschen getötet worden. Die Leichen wurden ins Al-Aqsa-Spital in Deir al-Balah gebracht, wo ein Reporter der Nachrichtenagentur AP die Toten zählte. Zudem kursierten Berichte, wonach noch Menschen unter Trümmern eingeschlossen seien. Zwei Luftangriffe hätten Gebäude in Deir al-Balah getroffen, ein dritter Angriff das Flüchtlingslager Nuseirat, hiess es. (DPA)

07.03.2024, 01:31Südafrika ruft wegen humanitärer Lage in Gaza erneut UNO-Gericht an

Südafrika hat den Internationalen Gerichtshof per Eil-Antrag aufgefordert, Israel anzuweisen, humanitäre Hilfe in den umkämpften Gazastreifen zu lassen. Südafrika begründete dies mit einer «weitverbreiteten Hungersnot» in dem abgeriegelten Küstenstreifen, wie aus einer Mitteilung des Gerichts in Den Haag vom Mittwoch hervorgeht. Ende Dezember hatte Südafrika Israel vor dem Internationalen Gerichtshof wegen angeblich im Gaza-Krieg begangener Verstösse gegen die Völkermordkonvention verklagt. Das UNO-Gericht verfügte in einem einstweiligen Entscheid, Israel müsse Schutzmassnahmen ergreifen, um einen Völkermord zu verhindern. «Angesichts der neuen Fakten und Veränderungen in der Lage in Gaza – insbesondere der weitverbreiteten Hungersnot –, die durch die andauernden ungeheuerlichen Verstösse» gegen die Konvention durch Israel verursacht würden, sehe sich Südafrika gezwungen, weitere vorläufige Anordnungen zu beantragen, hiess es am Mittwoch.

Angesichts zunehmend schärferer Kritik auch aus anderen Ländern wegen der katastrophalen Versorgungslage im Gazastreifen betonte die Regierung in Jerusalem am Mittwoch, es kämen derzeit mehr Hilfsgüter in den Küstenstreifen als vor Kriegsbeginn. «In den vergangenen zwei Wochen sind täglich durchschnittlich 102 Lebensmitteltransporte in den Gazastreifen gelangt. Das sind fast 50 Prozent mehr als vor dem Beginn des Krieges durch die Hamas am 7. Oktober», sagte Regierungssprecher Eylon Levy. Es gebe eine «Flut von Falschmeldungen, Israel würde die Menge der Hilfslieferungen beschränken. «Es gibt keine Beschränkungen. Ich wiederhole: keine», betonte der Sprecher.

Dennoch ist die Lage der Menschen in dem kleinen Küstenstreifen zunehmend verzweifelt, und nach UNO-Angaben droht eine Hungersnot, wenn die Hilfslieferungen per Lastwagen nicht ausgeweitet würden. Im Gazastreifen leben rund 2,2 Millionen Menschen. Südafrika beklagte, vergangene Woche seien mindestens 15 Kinder verhungert. Auslöser des Gaza-Krieges war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde sind bisher 30’717 Menschen in Gaza getötet worden. Bei der Zahl wird nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern unterschieden. (DPA)

06.03.2024, 17:48US-Angaben: Tote bei mutmasslichem Huthi-Angriff im Golf von Aden

Bei einem mutmasslichen Angriff der jemenitischen Huthi auf ein kommerzielles Schiff im Golf von Aden hat es nach US-Angaben Tote gegeben. Das Ausmass der Schäden an dem Schiff «True Confidence» war zunächst unklar, doch sei die Besatzung von Bord geflohen und habe auf Rettungsboote zurückgegriffen, verlautete aus US-Verteidigungskreisen am Mittwoch. Ein US-Kriegsschiff und die indische Marine versuchten, bei den Rettungsmassnahmen zu helfen, hiess es.

Wenn sich die Angaben von zwei US-Gewährspersonen als richtig erweisen, wäre es der erste tödliche Angriff der Huthi auf Schiffe im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg. Die Huthi-Rebellen im Jemen bekannten sich zunächst nicht zu dem Angriff. Sie haben seit November Schiffe im Roten Meer und in umliegenden Gewässern angegriffen. Trotz Luftangriffen durch die USA sind die Huthi weiter dazu in der Lage, erhebliche Angriffe auszuführen. (DPA)

06.03.2024, 10:23Armee: Tote bei Einsätzen in Gaza – auch Beteiligte am Hamas-Massaker

Israels Militär hat nach eigener Darstellung bei seinen Kämpfen im Gazastreifen fünf weitere am Hamas-Massaker in Israel Beteiligte getötet. Bei weiteren Angriffen am Dienstag seien zudem rund 20 Terroristen im Zentrum der Stadt Chan Junis getötet worden, sagte die Armee am Mittwoch. Auch in einem anderen Viertel des grössten Orts des südlichen Gazastreifens seien unter anderem bei einem Helikopter-Einsatz mehrere Menschen ums Leben gekommen – das Militär sprach von Terroristen. Israelische Soldaten hätten in der Gegend auch eine grosse Menge Waffen sowie Munition beschlagnahmt. Die Äusserungen der Armee liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen in Israel verübt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Angesichts der katastrophalen humanitären Lage in dem abgeriegelten Küstengebiet und der hohen Zahl ziviler Opfer geriet Israel zuletzt international immer mehr in die Kritik. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde sind seit Kriegsbeginn bislang 30 717 Menschen getötet und 72 156 weitere verletzt worden.

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SDA/AFP/red