April 12, 2024

Ein russischer Spion arbeitete gegen ihn: Hunter Biden.

An Schrägem und Abgründigem besteht in der Lebensgeschichte von Hunter Biden kein Mangel. Trotzdem sticht das Kapitel heraus, das die grosse Weltpolitik in dieser Woche hinzugefügt hat – mit Alexander Smirnow als Werkzeug.

Der 43-jährige israelisch-amerikanische Doppelbürger wurde vergangene Woche entlarvt als der Informant der Bundespolizei FBI, mit dessen Angaben die Republikaner nicht nur den Präsidentensohn hinter Gitter bringen, sondern auch den Präsidenten seines Amtes entheben wollten. Am Flughafen von Las Vegas nahmen die Behörden Smirnow fest, auf Geheiss von Sonderermittler David Weiss. Der Bundesanwalt ermittelt seit 2018 gegen Hunter Biden und hat ihn angeklagt, Steuern hinterzogen und beim Waffenkauf gelogen zu haben.

Seine Lüge war monatelang in den Nachrichten

Gelogen habe auch Smirnow, wirft ihm der Sonderermittler vor, mehrfach. Seine bekannteste Behauptung war festgehalten auf einem Formular FD-1023, einer FBI-Vorlage für nicht verifizierte Aussagen von Informanten, deren Code Konsumenten rechter amerikanischer Medien bestens kennen. Wochenlang hatten sich die Republikaner im Kongress und das FBI um das Formular gestritten. Senator Chuck Grassley veröffentlichte es schliesslich: Hunter und Joe Biden hätten je 5 Millionen Dollar Schmiergeld erhalten von der ukrainischen Energiefirma Burisma. Die Republikaner meinten, den schlagenden Beweis für Korruption in der Familie Biden gefunden zu haben. Allerdings handelte es sich nur um eine Lüge von Alexander Smirnow.

Doch damit nicht genug. Der FBI-Informant gebe nun zu, Falschinformationen über die Bidens in Absprache mit russischen Geheimdienstoffizieren verbreitet zu haben, heisst es in Gerichtseingaben vom Dienstag. Als «Archetyp eines Informanten, der im Schatten der früheren Sowjetunion operierte», beschrieb ihn die «New York Times». Er habe dem FBI Einsicht versprochen in die undurchsichtige Welt der Oligarchen und Amtsträger in Osteuropa. Gleichzeitig habe er Kontakte mit Geheimdiensten gepflegt, mit amerikanischen, russischen, israelischen und möglicherweise weiteren. Seinen FBI-Betreuern habe er davon erzählt, aber nur zum Teil.

Nicht einmal seinen Geburtsort kennt das FBI

Zweifel hegen die US-Ermittler mittlerweile an so ziemlich allem, was ihnen der Mann seit 2010 erzählt hatte; das FBI wird sich zu seinem Umgang damit einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Klar ist nicht einmal, wo Alexander Smirnow geboren wurde – nur, dass er einen israelischen und einen amerikanischen Pass besitzt und fliessend Russisch spricht, während sein Englisch einen starken Akzent aufweist.

Die Pässe musste er am Dienstag hinterlegen, als ihn ein Richter gegen Kaution freiliess. Trotz Protests der Strafverfolger, er könnte sich absetzen, falls er tatsächlich Kontakte zu Geheimdiensten pflege. Zudem verbreite Smirnow neue Lügen, «die die US-Wahlen beeinflussen könnten, nachdem er im November russische Geheimdienstoffiziere getroffen hatte», wie in der jüngsten Eingabe an das Gericht steht.

Republikaner durchleuchten die Bidens weiter

Unbeirrt geben sich die Republikaner, allen voran der Abgeordnete Jim Jordan. «Es ändert nichts an den grundlegenden Fakten», sagte der Trump-Verbündete und Vorsitzende des Justizausschusses. Dabei waren Smirnows Behauptungen zentral für die Ermittlungen gegen die Bidens. Hunter Bidens jüngerer Bruder James musste am Mittwoch vor einem Kongressausschuss Auskunft erteilen. Er sagte aus, sein Bruder sei nie involviert gewesen in seine Geschäfte.

Am kommenden Mittwoch wird derselbe Ausschuss Hunter Biden befragen. Der Präsidentensohn mit der schwierigen Lebensgeschichte wird erneut im Rampenlicht stehen. Von Alexander Smirnows Gesicht hingegen existiert nicht einmal ein öffentliches Foto. Beim Verlassen des Gerichts in Las Vegas am Dienstag verhüllte er seinen Kopf mit einer Maske und einem Pullover, wie ein Phantom aus einem Agententhriller, der noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

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