February 29, 2024

Glühwein, Lebkuchen und Punsch gehören zum Weihnachtsmarkt dazu – Bargeld aber immer seltener. Das kritisieren einige scharf.markstandbetreiber

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Weihnachtsmärkte sind seit Corona ganz oder teilweise bargeldlos.
  • Was einige praktisch finden, sorgt bei anderen für Kritik.
  • Vereinzelte Stände nehmen deshalb freiwillig Bargeld an.

Eigentlich steht gross und deutlich: «Cashless». Doch in Winterthur ZH haben nicht alle Freude daran, ihren Glühwein mit dem Kärtli oder dem Handy zu bezahlen. Das kristallisierte sich bereits letztes Jahr heraus, als der Wintermarkt zunächst ganz bargeldlos war.

Nach Kritik von Besucherinnen und Besuchern wurde ein Kompromiss entwickelt: Mit Bargeld konnten Gäste dann sogenannte Wintertaler kaufen, mit denen sie bei den Weihnachtsmarkt-Ständen bezahlen konnten.

Dieses Jahr ist der Weihnachtsmarkt erneut cashless. Doch diesmal gab es von Anfang an einen Kompromiss für Bargeld-Liebhaberinnen und -Liebhaber. Besuchende können eine spezielle Karte mit Bargeld auflen, mit der sie anschliessend Lebkuchen, Punsch und Co. bezahlen können.

«Grosse Aufwertung, dass wir wieder Bargeld nehmen dürfen»

Was auch anders ist: Die einzelnen Stände dürfen trotz Cashless-Regel Bargeld annehmen, wenn sie das möchten. Für Standbetreiberin Ingrid eine Erleichterung, wie sie zu Nau.ch sagt: «Es ist sicher eine grosse Aufwertung, dass wir wieder Bargeld nehmen dürfen.» Gere in Winterthur gebe es Leute, die froh sind drum.

Das geht zum Beispiel Besucherin Irene so. «Ich habe nur Bargeld da und konnte nicht zahlen», sagt sie zu Nau.ch. Deshalb habe ihre Begleitung alles für sie getwintet.

marktbesucher

«Ich zahle konsequent nicht bargeldlos. Weil ich finde, das Bargeld hat für mich einen anderen Wert als nur das Kärtli. Ich sehe, wie es durch meine Hand geht, das ist für mich wichtig.»

Die Nau.ch-Umfrage vor Ort zeigt aber, dass sie damit in der Unterzahl ist.

Die meisten finden Bargeldlos-Regel gut

Auch Standbetreiber Stefan nimmt freiwillig Bargeld an. Einige hätten ihm gar gesagt, sie dachten schon, sie müssen wieder gehen, weil der Weihnachtsmarkt cashless ist. Als sie ihn gefunden hätten, meinten sie: «Juhu, jetzt können wir bar zahlen.»

«Vereinzelte Besucherinnen und Besucher besitzen kein Twint oder keine Bankkarte und wollen ausschliesslich mit Bargeld hantieren. Das sorgt ab und zu für Irritationen», sagt Wintermarkt-Sprecherin Alina Kilongan.

mark-projektverantwortliche

Sie versichert aber: «Die Rückmeldungen sind grundsätzlich positiv.» Deshalb will der Wintermarkt auch in kommenden Jahren bargeldlos bleiben. Die Vorteile seien unter anderem ein geringeres Diebstahlrisiko und ein kleinerer Aufwand.

Besucherin «richtig wütend» wegen Bargeld-Regel auf Weihnachtsmarkt

Ein ähnliches Konzept hat das Wienachtsdorf in Zürich. Auch dort muss man sein Bargeld auf eine spezielle Karte len, wenn man kein Bankkärtli oder Twint hat. Und auch dort gibt es Kritik von Bargeld-Fans.

«Meine Mutter wollte einen Tee bar zahlen, doch die Verkäuferin erklärte ihr, dass das nicht geht. Sie wurde richtig wütend», erzählt Nau.ch-Leser Matthias Z.* Auch dort ist Kritik aber die Ausnahme, betont Mitveranstalterin Katja Weber.

«Kritik geht meistens um die Sorge der Menschen betreffend der Abschaffung von Bargeld generell», sagt sie zu Nau.ch. «Sie finden, dass wir uns diesem Trend nicht anschliessen sollen.»

Auch cashless, aber mit Aufle-Karte funktioniert der Sternenmärit in Bern. In Aarau ist der Weihnachtsmarkt teilweise cashless, die Zürcher Weihnachtsallee ist ebenfalls bargeldlos. Nicht einheitlich geregelt ist es in St. Gallen, wie es auf Anfrage heisst.

Anders in Basel: Dort kann man laut Basel Tourismus auf allen Weihnachtsmärkten noch bar bezahlen.

*Name geändert