May 28, 2024

Im Jahr 2017 flammte die #MeToo-Bewegung erstmals auf – doch Frankreich blieb noch Jahre danach unberührt. Nun kämpft die Kulturszene um ihren Ruf.
metoo frankreich

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit mehreren Jahren sieht sich die Kulturszene Frankreichs unter Beschuss.
  • In Folge der #MeToo-Bewegung wurde von vielen mutmasslichen Vergewaltigungen berichtet.
  • Frankreich zeigt sich zerrissen über die Anschuldigungen.

Vor einigen Jahren wurde die #MeToo-Bewegung, die von den USA ausging, in Frankreich noch belächelt. Doch die vergangenen Jahre zeigen: Das Bewusstsein wird auch im westeuropäischen Land immer grösser – obgleich Konsequenzen auf sich warten lassen.

Denn die #MeToo-Anschuldigungen konzentrieren sich hauptsächlich auf Menschen, die die Kultur des Landes mitprägten und -prägen. Neuerdings steht der berühmte Regisseur Benoît Jacquot unter Beschuss.

#MeToo: Der Fall Judith Godrèche

In einer Dokumentation des Psychoanalytikers Gérard Miller gestand dieser eine Affäre ein: In den späten 80er Jahren arbeitete er mit der damals 15-jährigen Schauspielerin Judith Godrèche zusammen. Obwohl er 40 Jahre alt war, liess er sich auf eine Liebesbeziehung mit der Teenagerin ein. «Ich glaube nicht dass es legal war, eine Beziehung mit ihr zu haben. Aber das hat mich nicht gestört und ich glaube, es hat auch Godrèche sehr erregt», sagt er.


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Fast 13 Jahre sind seit der Erstausstrahlung von Millers Dokumentation vergangen. Nun wird die Sitaation anders betrachtet als damals. Die heute 51-jährige Schauspielerin Godrèche hat Anfang Februar in Paris Anzeige gegen Jacquot erstattet. Sie wirft ihm vor, sie am Filmset mehrfach vergewaltigt zu haben, wie «NZZ» berichtet.

Neues Gesetz in Frankreich

Seit 2021 gelten sexuelle Handlungen eines Erwachsenen mit einem Kind unter 15 Jahren in Frankreich als Vergewaltigung. Dies sei unabhängig davon, ob das Opfer zugestimmt hat. Zudem wurden die Verjährungsfristen verlängert: Für Vergewaltigung liegen sie nun bei 30 Jahren, für sexuelle Übergriffe bei 20.

Auch Psychoanalytiker Gérard Miller selbst wird sich vor Gericht verteidigen müssen: Sechs Frauen haben Klage wegen sexueller Belästigung oder Vergewaltigung gegen ihn eingereicht. Dutzende weitere beschuldigen ihn laut «NZZ» unangebrachter Gesten oder Übergriffe.

Stillstand trotz Veränderung

Während die #MeToo-Bewegung in Amerika im Jahr 2017 begann, benötigte Frankreich einige Jahre länger, um nachzuziehen. Doch noch immer empfinden viele wichtige Persönlichkeiten der französischen Kultur die Welle als negativ: Einige fühlen sich sogar von «linken Feministinnen» verfolgt und verleumdet.


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Selbst Präsident Emmanuel Macron sprach sich als Fan von Gérard Depardieu aus, der mehrmals wegen wegen sexuellem Missbrauch angeklagt wurde. Der Politiker betonte die Unschuldsvermutung und merkte an: «Es gibt eine Sache bei der Sie mich nie sehen werden: Hetzjagden.«

Die Stimmung in Frankreich ist auch an einer Tatsache ablesbar: Bisher gab es keinen richterlichen Schuldspruch wegen sexuellem Missbrauch in der Kulturszene. Ob es tatsächlich an der Unschuld der Angeklagten oder eher an fehlender Ernsthaftigkeit liegt, bleibt ungewiss.

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