February 29, 2024

In einem Essay bezeichnete Putin Ukrainer und Russen als «ein Volk». Dieses Narrativ wollen Historiker nun endgültig aufbrechen – mithilfe eines neuen Projekts.Ukraine Krieg

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Geschichte der Ukraine ist im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg immer wieder Thema.
  • Oftmals werden russische oder sowjetische Versionen wiedergegeben, monieren Historiker.
  • Eine neue Initiative soll deswegen nun die Vergangenheit des Landes neu beleuchten.

Der Ukraine-Krieg ist auch ein Krieg verschiedener Geschichtsauffassungen. Russlands Präsident Wlimir Putin sieht die Ukrainer und die Russen historisch als «ein Volk». Diese Ansicht teilte er unter anderem in einem kurz vor der Invasion veröffentlichten Essay, das für viel Wirbel sorgte.

Um solche Darstellungen zu kontern, haben sich nun 90 ukrainische und internationale Historiker zur «Ukrainian History Global Initiative» zusammengetan. Wie der «Guardian» berichtet, ist deren Ziel, die Vergangenheit der Ukraine von russischen und sowjetischen Narrativen zu befreien.

Denn die ukrainische Geschichte sei nicht nur russisch und sowjetisch. Schon zu Zeiten des antiken Griechenlands oder der Wikinger hätten die Vorläufer des heutigen Landes eine eigene Rolle gespielt. Auch die Zeit des Zweiten Weltkriegs ist ein wichtiger Fokus der Forschung.

Historiker sind sich bei ukrainischer Geschichte oft uneinig

Nicht nur die Ukraine selbst kann von dem Forschungsprojekt profitierten, sagt Geschichtsprofessor Timothy Snyder. Wenn man die Geschichte der Ukraine genauer anschaue, könne man auch grosse Ereignisse der Weltgeschichte besser verstehen.

Was genau die ukrainische Nation ausmacht, wird unter Historikern immer wieder hitzig diskutiert. Jaroslaw Hrystak, der ebenfalls Teil der Initiative ist, sagt: «Es gibt kaum ein Thema in der ukrainischen Geschichte, wo es Konsens gibt – und das ist gut.»

Beispielsweise sei man sich nicht einig, ob und in welchem Ausmass die Ukraine von Russland kolonialisiert worden sei.

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Finanziert wird das Projekt vom ukrainischen Oligarchen Wiktor Pintschuk. Auch Konferenzen, Veröffentlichungen und archäologische Ausgrabungen sollen in diesem Rahmen ermöglicht werden. Schon vor der Eskalation im Ukraine-Krieg sei die Idee da gewesen.

Pintschuk selbst betont, dass das Projekt «absolut unabhängig» sein soll. Er habe «keinen Einfluss» auf die Forscher.

Ukraine-Krieg als Folge des Euromajdan

Im Jahr 1991 erlangte die Ukraine die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Seither schwankte das Land immer etwas zwischen der Nähe zu Russland und zum Westen hin und her.

Gere bei Wahlresultaten zeigten sich immer wieder Spaltungen zwischen dem Westen und dem Osten. Der Westen unterstützte oft den eher pro-westlichen Kandidaten, während der Osten eher dem pro-russischen half. Im Osten sprechen viele Menschen Russisch – die Sprache und die Medien sind entsprechend ebenfalls ein wichtiges Element.

Janukowytsch Putin

2013 eskalierte dann mit der pro-westlichen Euromajdan-Revolution die Situation. Der gewählte Präsident Wiktor Janukowytsch, der als Putin-Freund gilt, wurde nach heftigen Protesten 2014 abgesetzt. Grund für die Unruhen war die Suspendierung eines Abkommens mit der EU durch die Regierung in Kiew.

Russland annektierte daraufhin die Krim. Auch im Osten der Ukraine kam es zu Kämpfen zwischen der ukrainischen Armee und pro-russischen Separatisten. Im Februar 2022 folgte dann die gross angelegte Invasion der Russen.