February 25, 2024

Iowa gewonnen und nun klarer Favorit der Republikaner für New Hampshire: «The Donald», Donald Trump.

Kühl haben sie in New Hampshire auf den klaren Sieg von Donald Trump bei der Vorwahl der Republikaner in Iowa vom Montag reagiert. Der frühere Präsident holte dort 51 Prozent der Stimmen, vor Ron DeSantis mit 21 Prozent und Nikki Haley mit 19 Prozent.

Allzu viel Aussagekraft haben die Resultate nicht, wie der frühere Gouverneur John Sununu 1988 in einem viel zitierten Spruch festhielt: «The people of Iowa pick corn, the people of New Hampshire pick presidents.» Iowa erntet Mais, in New Hampshire wird der Präsident bestimmt.

Dahinter steckt mehr als nur die Rivalität zwischen den zwei eher kleinen Bundesstaaten, in denen seit den 1970ern der Wahlreigen beginnt. Acht Mal waren die Vorwahlen der Republikaner seither umkämpft. Nur drei Mal wurde der Sieger von Iowa schliesslich Präsidentschaftskandidat. Sechs Mal war es jener von New Hampshire.

Provokation funktioniert in New Hampshire weniger

Wohl ist der Kleinstaat im Nordosten eben so wenig repräsentativ für die USA wie Iowa, auch dort sind über 90 Prozent der nur 1,3 Millionen Einwohner weisser Hautfarbe, die Republikaner stellen sowohl den Gouverneur als auch die Mehrheit im Parlament. Doch finden in New Hampshire staatliche «Primaries» statt, in den Wahllokalen, an den gewohnten Wahlmaschinen, anders als in Iowa, wo die Entscheidung bei Bürgerversammlungen, sogenannten «Caucuses», fiel. Wegen des Winterwetters hatten diesmal nur 110’000 von 1,5 Millionen Wählern teilgenommen.

In New Hampshire dürfte die Beteiligung höher liegen, zudem spielen dort die 40 Prozent Unabhängigen eine wichtige Rolle, die entweder bei den Demokraten oder den Republikanern mitstimmen können. Davon profitieren in aller Regel nicht provozierende Politiker, sondern jene, die wenig Widerstand wecken, jene, die sich als mehrheitsfähig erweisen. Diesmal dürften viele Unabhängige bei den Republikanern mitmachen; wegen eines Terminstreits wird die Vorwahl der Demokraten in New Hampshire am nationalen Parteikongress im Sommer nicht berücksichtigt.

Haley schneidet in Agglomerationen gut ab

Wegen der Bedeutung von New Hampshire hat Nikki Haley dort einen Schwerpunkt gesetzt. Entsprechend steht nun viel auf dem Spiel für die 51-Jährige. In Iowa musste sie sich gegen Ron DeSantis geschlagen geben, obwohl laut Umfragen auch der zweite Platz in ihrer Reichweite lag. Am Dienstag will sie nun belegen, dass sie dennoch die bessere Kandidatin ist als ihre polarisierenden Rivalen, um sich im Herbst bei der Wahl gegen den 81-jährigen Biden durchzusetzen. Aus Iowa bringt Haley einige gute Argumente mit. Anders als DeSantis gelang es ihr, in zumindest einem der 99 Bezirke zu siegen. Gut schnitt sie in den Agglomerationen ab, die besser voraussagen, wie die USA stimmen könnten, als die sehr ländlichen Regionen.

Die 51-Jährige hat sich als stramm konservative, aber besonnene Politikerin positioniert, die als Gouverneurin von South Carolina Resultate lieferte. Haley hat Trump kaum direkt angegriffen, um seine Basis nicht zu verärgern. Doch hat sie mehrmals einen Führungswechsel gefordert. «Wir besiegen das demokratische Chaos nicht mit republikanischem Chaos», sagte sie in Iowa, bevor sie nach Bretton Woods reiste, dem noblen Ausflugsort in den Bergen, dem Gründungsort von Währungsfonds und Weltbank.

DeSantis setzt alles auf South Carolina

Haley hat in New Hampshire eine gute Ausgangslage: Sie ist in den Umfragen auf 30 Prozent geklettert, Trump ist mit 43 Prozent in Griffnähe. Das bedeutet auch, dass sie am kommenden Dienstag ein starkes Resultat erzielen muss. Nur so kann sie in South Carolina auf einen Sieg am 24. Februar hoffen. Verpasst sie es dort, ihren Heimvorteil zu nutzen, wird es eng für sie.

Ron DeSantis scheint darum nun alles darauf zu setzen, Haley dort aus der Wahl zu drängen: Von Iowa flog er direkt nach South Carolina. New Hampshire hingegen liess der Gouverneur von Florida links liegen, in Umfragen liegt der 45-Jährige dort mit nur 5 Prozent weit hinter Haley zurück. Beflügeln könnte ihn, dass Vivek Ramaswamy am Montag aus dem Rennen ausschied. Der Unternehmer empfahl seinen Anhängern, für Trump zu stimmen. Doch könnten einige, die ihn als Alternative sahen, nun zu DeSantis wechseln.

Trump musste erneut vor den Richter

Klarer Favorit der Republikaner bleibt indes «The Donald». Auch er hätte sich am Dienstag gern von Fans bejubeln lassen, doch wurde er in New York vor Gericht erwartet, zum zweiten Mal wegen eines sexuellen Übergriffs. Die juristischen Probleme des früheren Präsidenten – angeklagt unter anderem wegen seines versuchten Staatsstreichs – kümmern seine Fans kaum. In Iowa bescherten sie dem 77-Jährigen einen Sieg mit 30 Prozentpunkten Vorsprung, ein Rekord. Den vorherigen hatte 1988 Bob Dole aufgestellt. Er unterlag dann in New Hampshire gegen George H. W. Bush – den späteren Präsidenten.

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