April 12, 2024

Russland fürchtet das Patriot-System, das selbst Hyperschallraketen abschiessen kann. Nun sollen sie aber mindestens zwei dieser strategisch bedeutenden Patriot-Werfersysteme zerstört haben.

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Kurz vor dem Einschlag bewegt sich der ukrainische Konvoi auf einer Strasse. Nur eine Baumreihe bietet etwas Sichtschutz auf dem offenen Gelände. Aus der Luft ist das Kriegsgerät kaum zu übersehen, und zu diesem Zeitpunkt hat bereits eine russische Drohne die Ukrainer aufgespürt. Eine gewaltige Explosion folgt, ein Feuerball türmt sich Hunderte Meter in den Himmel. Videoaufnahmen zeigen den Vorfall, der sich am vergangenen Samstag in der Nähe von Pokrowsk zugetragen haben soll, unweit der Front im Donbass.

Laut russischen Angaben hat eine Hyperschallrakete den Konvoi getroffen, vermutlich eine Rakete des Typs Iskander. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte ein Video des Angriffs und frohlockte, ein ukrainisches S-300-System zerstört zu haben, also ein Flugabwehrsystem aus der Sowjetzeit.

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Später veröffentlichte Bilder des ausgebrannten Kriegsmaterials lassen jedoch einen anderen Schluss zu. Falls sich diese Aufnahmen bewahrheiten, hat die Ukraine mindestens zwei Lastwagen mit aufmontierten Patriot-Werfern verloren, die militärisch sehr wertvoll sind.

Das Magazin «Forbes» berichtete zuerst darüber. Weitere Kriegsbeobachter haben daraufhin diese Einschätzung geteilt, darunter der österreichische Militärexperte Markus Reisner. Die russische und staatlich-kontrollierte Nachrichtenagentur Tass schwenkte schliesslich um und behauptete, Russland habe sogar drei Lastwagen mit Patriot-Werfern zerstört.

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Unabhängig verifizieren lassen sich diese Informationen nicht. Die Ukraine äusserte sich bisher nicht dazu.

Das können die Patriot-Systeme

Für die Ukraine wäre das ein herber Verlust, da sie lediglich drei Patriot-Batterien aus den USA, Deutschland und den Niederlanden erhalten hat. Eine Batterie besteht aus verschiedenen Einheiten, darunter Kommandostation, Radarsystem und Raketenwerfer. Total hat die Ukraine 28 Werfer. Jeweils vier dieser Abschussrampen werden auf einem Lastwagen transportiert. Wenn die Russen nun mindestens zwei Fahrzeuge zerstört haben, blieben den Ukrainern noch 20 Werfer.

Patriot-Systeme sind von hoher strategischer Bedeutung. Zum einen können sie urbane Räume schützen. Auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist eine Batterie stationiert, die in der Vergangenheit selbst Hyperschallraketen vom Typ Kinschal abgeschossen hat. Und das, obwohl Russland einst behauptete, ihr Kinschal (Dolch) sei «unbesiegbar». Die Patriot-Systeme schützen somit Grossstädte vor russischen Luftangriffen.

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Das Flugabwehrsystem kann aber auch offensiv eingesetzt werden, um Kampfflugzeuge abzuschiessen. So wird angenommen, dass eine Patriot-Rakete Mitte Januar ein zentrales russisches Aufklärungsflugzeug vom Typ A-50 getroffen hat.

Für solche Attacken lösen die Ukrainer einzelne Werfersysteme aus den Batterien, erklärte der Militärexperte Reisner auf N-TV. Dann würden sie diese verdeckt an die Front bringen, wobei das Radar ausgeschaltet bleibe. Erst wenn sie einen russischen Jet akustisch oder optisch vernehmen, schalten sie das Radar kurz ein und starten eine Rakete. «Den russischen Piloten bleibt kaum Zeit zur Reaktion», so Reisner. Laut ukrainischen Angaben haben sie dadurch in den vergangenen Wochen an die 15 Kampfflugzeuge niedergeschossen.

Es scheint daher wahrscheinlich, dass die Russen nun eben jene Patriot-Werfer zerstört haben, die zuvor in regelmässigen Abständen ihre Flieger vom Himmel holten. Der Verlust würde für die Ukrainer bedeuten, dass sie im Luftkrieg noch stärker ins Hintertreffen geraten. Putins Armee hat in den vergangenen Wochen ihre Luftangriffe massiv verstärkt. Durch den Abwurf von Gleitbomben mit einer Sprengkraft von über einer Tonne zerstören sie so Tag für Tag ukrainische Stellungen. Bei der Eroberung Awdijiwkas spielten die russischen Luftangriffe eine zentrale Rolle, da es den Ukrainern an Abwehrsystemen fehlte.

Eine Batterie kostet 1,1 Milliarden Dollar

Nun dürfte sich dieser Mangel weiter zuspitzen. Und Russland könnte es leichterfallen, die ukrainische Armee in Dilemmas zu verwickeln. Die wenigen Patriot-Systeme können nur einen begrenzten Luftraum abdecken. Werden sie an die Front gebracht, kann das den Schutz der zivilen Bevölkerung in den Städten gefährden.

Theoretisch könnten westliche Staaten weitere Patriot-Systeme liefern. Doch bis diese in der Ukraine ankommen, dürften Monate vergehen. Denn nicht nur der sichere Transport ist herausfordernd, die Patriot-Batterien sind auch teuer. Eine Batterie kostet etwa 1,1 Milliarden Dollar und ein Werfersystem 400 Millionen Dollar, wie das US-Center for Strategic and International Studies schätzt.

Ausgerechnet in den USA, wo die Patriot-Systeme hauptsächlich hergestellt werden, blockieren die Republikaner im Repräsentantenhaus jegliche weitere Militärhilfe an Kiew. Das bedeutet: Jeder verlorene Patriot-Werfer ist schwer zu ersetzen.

Russland ist sich dessen bewusst und attackiert die ukrainischen Städte seit Anfang Jahr erneut mit besonderer Härte. Dadurch ist Kiew gezwungen, seine Luftabwehrreserven einzusetzen. Doch diese neigen sich dem Ende, wie die «New York Times» unter Berufung auf Regierungskreise berichtet hat. Sendet der Westen nicht massiv mehr Munition, könnten die Vorräte noch diesen Monat ausgehen.

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