April 24, 2024

Weltweit trauern Menschen um Alexei Nawalny und legen zum Gedenken Blumen und Kerzen nieder.

Die Mutter des in Haft gestorbenen Kremlgegners Alexei Nawalny hat dessen Leiche von den Behörden erhalten. Das teilte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch am Samstag bei X mit.

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Auch der Direktor von Nawalnys Antikorruptionsstiftung, Iwan Schdanow, vermeldete am Samstag im Netzwerk Telegram die Herausgabe des Leichnams. Er dankte allen, die die russischen Behörden aufgefordert hatten, Nawalnys Leiche an seine Mutter übergeben. Angehörige und Unterstützer des Oppositionellen hatten die russische Führung seit Tagen zur Herausgabe des Toten aufgefordert, um ihn menschenwürdig beerdigen zu können.

Ljudmila Nawalnaja, die Mutter, sei noch in Salechard im Norden Russlands, sagte Jarmysch. Jetzt solle die Beerdigung vorbereitet werden.

«Wir wissen nicht, ob die Behörden es so ablaufen lassen, wie das die Familie will und wie es Alexei verdient», sagte Jarmysch. Ljudmila Nawalnaja hatte eine öffentliche Beerdigung gefordert, damit sich nicht nur die Familie, sondern auch Anhänger von dem russischen Oppositionsführer verabschieden können. «Wir werden Informationen dazu bekannt geben, wenn sie hereinkommen», sagte Jarmysch.

Zuvor hatte es geheissen, dass Nawalnys Mutter eine Beerdigung auf dem Chowanskoje-Friedhof anstrebt, der grössten der mehr als 100 Ruhestätten der russischen Hauptstadt.

Witwe beschuldigt Putin

Erst am Morgen hatten die Witwe und die Tochter Nawalnys die Herausgabe der sterblichen Überreste des 47-Jährigen verlangt. Russlands Präsident Wladimir Putin, der sich selbst als gläubiger Christ bezeichne, verhöhne die Überreste des Toten und lege einen «offenen Satanismus» an den Tag, sagte die Witwe Julia Nawalnaja in einer am Samstag veröffentlichen Videobotschaft. «Geben Sie Alexej heraus. Sie haben ihn lebendig gefoltert und foltern ihn tot weiter», sagte sie. «Sie brechen jedes menschliche und göttliche Gesetz.»

«Gebt Oma den Körper meines Vaters», schrieb Nawalnys Tochter Darja im sozialen Netzwerk X am Samstag. Ihre Grossmutter Ljudmila Nawalnaja hatte am Donnerstag in einem Video erklärt, dass Putins Behörden sie zu einer geheimen Beerdigung zwingen wollten und ihr gedroht hätten, der Leiche etwas anzutun. Nawalnys Witwe warf Putin vor, Alexejs Mutter weiter zu quälen und brechen zu wollen.

Ljudmila Nawalnaja kämpfte darum, dass der Leichnam ihres Sohnes freigegeben wird.

Putin inszeniere sich zwar mit Kerze in der Hand in russisch-orthodoxen Kirchen und küsse Ikonen, sei aber in Wahrheit von Hass und Rachegelüsten getrieben, sagte Julia Nawalnaja. «Nein, es ist nicht einmal Hass, es ist Satanismus, Heidentum.» Im Glauben aber gehe es um Güte, um Barmherzigkeit, um Erlösung. «Und kein wahrer Christ könnte jemals tun, was Putin jetzt mit dem toten Alexej tut.»

Nawalny starb am 16. Februar nach Behördenangaben im Straflager mit dem inoffiziellen Namen «Polarwolf» in der sibirischen Arktisregion Jamal. Die Umstände seines Todes sind nicht geklärt. Der durch den Giftanschlag und wiederholte Einzelhaft im Lager geschwächte Politiker soll bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein. Nach Angaben von Nawalnys Team ist im Todesschein von «natürlichen» Ursachen die Rede.

Nach der Nachricht vom Tod des bekanntesten russischen Oppositionspolitikers hatten Hunderte Russen im ganzen Land an improvisierten Gedenkstätten Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. Etliche Menschen wurden festgenommen.

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AFP/DPA/ij

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