April 24, 2024

«Ihr müsst der Soldaten würdig sein, die ihr Leben verloren haben»: Dan Goldfus, Brigadegeneral.

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Dass ein General Politik macht, verbietet sich. Brigadegeneral Dan Goldfus hat sich nicht darum geschert und vor wenigen Tagen in Uniform eine Rede gehalten, in der er die politische Führung seines Landes mit wenigen Sätzen blossstellte. Israels Soldaten kämpften in Gaza Seite an Seite, ohne ihre Kameraden nach der Zugehörigkeit zu einem politischen oder religiösen Lager zu fragen, so der Offizier. Israels Politiker hingegen betrieben ihre intriganten Machtspiele, obwohl Krieg herrsche und die Soldaten ihr Leben für ihr Land riskierten. «Ihr müsst unser würdig sein», sagte Goldfus. «Ihr müsst der Soldaten würdig sein, die ihr Leben verloren haben.»

Die drastischen Worte kommen einer kollektiven Ohrfeige gleich. So ziemlich jeder der führenden Politiker in Regierung und Opposition darf sich von Goldfus angesprochen fühlen. Der Offizier zog aber nicht nur dem politischen Establishment die Ohren lang. Er ging auch mit den Ultraorthodoxen ins Gericht, der immer grösser werdenden Minderheit der Haredim. Dass die Kinder dieser Superfrommen in ihren Religionsschulen den ganzen Tag lang nur die Thora läsen und sich so mit staatlicher Billigung dem Militärdienst entzögen, gehe nicht an. «Auch sie müssten», sagte der Brigadegeneral.

Auch Ultraorthodoxe sollen Militärdienst leisten

Jeder verstand, was Goldfus meinte: keine Ausnahmen mehr beim Militärdienst. Bis auf die Ultraorthodoxen sind in Israel alle Frauen und Männer verpflichtet, zwei beziehungsweise fast drei Jahre Uniform zu tragen. Sie nehmen an den Kriegen und Konflikten des Landes auch als Reservisten teil, riskieren ihr Leben wie derzeit in Gaza. Die Haredim hingegen sitzen in ihren Religionsschulen, den Jeschiwas, und studieren theologische Schriften.

Dass man sich mit dem Verweis auf die Thora vor dem Dienst in der Armee drückt, kann einer wie Goldfus nicht verstehen. Als Sohn südafrikanischer Juden kam er 1976 in Jerusalem zur Welt. Mit 18 trat er in die Armee ein. Aber nicht in irgendeine Einheit. Er meldete sich für Shayetet 13, eine geheime Spezialeinheit der Marine. Sie hat einen ähnlichen Ruf wie die Navy Seals bei den US-Streitkräften: Die Kommandosoldaten sind die Elite der Elite.

An der Front in Gaza: Brigadegeneral Dan Goldfus (links) beim Eingang eines Hamas-Tunnels in Khan Younis.

Nach seiner Zeit bei Shayetet 13 durchlief Goldfus weitere Stationen bei den Streitkräften. Er nahm an den Kämpfen im Libanon und im Gazastreifen teil und sah die zweite Intifada. Dieser Aufstand wurde von den Palästinensern im Westjordanland und in Jerusalem im Gegensatz zur ersten Intifada nicht mit Steinen und Molotowcocktails geführt, sondern mit Bomben, Gewehren, Terroranschlägen.

Der Offizier, der in Haifa Politikwissenschaften studiert hat und zwischenzeitlich auch in Harvard war, ist Vater von vier Kindern. Als Goldfus am Morgen des 7. Oktober 2023 vom Terrorüberfall der Hamas hörte, fuhr er mit einer Handvoll Soldaten sofort zum Nova-Tanzfestival, einem der Schauplätze des Massakers. Dort bekämpfte er die Hamas-Terroristen, die gerade die wehrlosen Festivalbesucher abschlachteten.

Derzeit befehligt Goldfus die 98. Fallschirmjäger-Division, die besonders kampferfahren ist und in Gaza als Speerspitze eingesetzt wird. Mit ihr vertrieb er die Hamas aus ihrer untertunnelten Hochburg Khan Younis.

Soldaten dürften innerlich laut applaudieren

Von Generalstabschef Herzi Halevi eher halbherzig gerügt für den eigenmächtigen Auftritt, kann Brigadegeneral Goldfus sicher sein, dass ihm seine Soldaten innerlich laut applaudieren und dass ihn nun auch ausserhalb der Streitkräfte jeder kennt in Israel. Mit grosser Wahrscheinlichkeit geben ihm ziemliche viele Israelis recht für seine Schelte.

Vielleicht wird Dan Goldfus in ein paar Jahren – nach seinem Abschied von der Armee – selbst in der Politik auftauchen wie schon so viele israelische Offiziere vor ihm. Einige dieser Militärvertreter brachten es später bis zum Premierminister.

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