May 28, 2024

Wie weit rechts steht sie? Die politische Ausrichtung von Giorgia Meloni gibt immer wieder zu Diskussionen Anlass.

Ein Kopfüber-Foto von Italiens rechter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat einen Museumsdirektor im Süden des Landes den Posten gekostet. Der Leiter des Museums der 32’000-Einwohner-Stadt Ostuni, Luca Dell’Atti, erklärte am Mittwoch seinen Rücktritt. Grund dafür war die Veröffentlichung eines Fotos, das die Vorsitzende der Rechtsaussen-Partei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens) mit dem Kopf nach unten zeigte. In Italien wurde dies allgemein als Bezug auf die Hinrichtung des faschistischen Diktators Benito Mussolini verstanden, dessen Leiche nach der Erschiessung 1945 von Partisanen mit dem Kopf nach unten aufgehängt und öffentlich zur Schau gestellt wurde. Dell’Atti stand deshalb heftig in der Kritik.

Der bisherige Museumsdirektor, der auch als Professor an einer Universität unterrichtet, begründete seinen Rücktritt damit, dass er «in unerträglicher Weise an den Medienpranger gestellt» worden sei. Das Foto hatte er in der Nacht zum Montag auf seinem Instagram-Konto veröffentlicht. Inzwischen ist es verschwunden.

Wurzeln im Postfaschismus

Die Aktion wurde über die Parteigrenzen hinweg kritisiert. Auch die Stadtverwaltung von Ostuni ging zu dem 31-Jährigen auf Distanz. In den italienischen Medien war von einem «Schock-Foto» die Rede. Italien wird seit Oktober 2022 von einer Koalition aus drei Rechtsparteien regiert. Melonis Fratelli d’Italia haben ihre Wurzeln in der postfaschistischen Bewegung.

Der faschistische Diktator Mussolini (1883-1945) war in Italien in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mehr als 20 Jahre an der Macht. Das Land war damals einer der engsten Verbündeten von Nazi-Deutschland unter Hitler. Nach Mussolinis Sturz 1943 erklärte Italien Nazi-Deutschland den Krieg. Das Land wurde von deutschen Truppen besetzt, gegen die Partisanen Widerstand leisteten. Die Deutschen rächten sich mit brutalen Vergeltungsaktionen gegen die Zivilbevölkerung. In diesen Monaten wird an vielen Orten an die Geschehnisse vor 80 Jahren erinnert.

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DPA/nlu

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