April 24, 2024

Der letzte Schrei: Am 17. Februar lancierte Donald Trump seinen eigenen Turnschuh in Philadelphia. Trotz des Preises von 399 Dollar war der Sneaker nach wenigen Stunden ausverkauft.

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Allein in der vergangenen Stunde habe er mit zehn verschiedenen Lastwagenfahrern gesprochen, sagt der Trucker, der sich selbst «Chicago Ray» nennt, in die Kamera. Sie würden nun damit beginnen, «Ladungen nach New York abzulehnen». Das Video von Ray sollte Ende Februar der Startschuss für einen ungewöhnlichen Boykott in den USA werden.

Trucker solidarisierten sich mit Donald Trump, indem sie Lieferungen in die Metropole verweigerten. Denn hier ist der Ex-Präsident wegen Betrugs zu einer Strafe von 355 Millionen Dollar verdonnert worden – ein Urteil, hinter dem die Lastwagenfahrer ein politisches Komplott vermuten.

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner spaltet die Wirtschaft. Sind Unternehmen zu progressiv, rufen seine Anhänger oder Trump persönlich zum Boykott auf. Haben Firmen ein rechtskonservatives Wertebild, werden sie massiv unterstützt.

«MAGA Coin» und Black Rifle Coffee

Wo es noch keine gleichgesinnten Unternehmer gibt, baut das Trump-Lager eigene Alternativen auf: Längst gibt es die nach Trumps bekanntem Wahlkampfslogan «Make America Great Again» benannte Kryptowährung «MAGA Coin» oder den Black Rifle Coffee, sozusagen das Starbucks der Rechtskonservativen.

Prominente Anleger haben diese Parallelwirtschaft für sich entdeckt. Michael Seifert gehört zu jenen, die ganz offen über deren Aufbau sprechen. Der Unternehmer hat Public Square, kurz Publicsq, gegründet – eine Verkaufsplattform für erzkonservative US-Amerikaner. Was Seifert hier anpreist, stammt ihm zufolge ausschliesslich von Unternehmen, die noch die «traditionellen amerikanischen Werte» respektierten.

«Viele amerikanische Grosskonzerne haben gezeigt, dass sie weit mehr an progressiven Tugenden interessiert sind als daran, ihren Kunden qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu bieten», behauptet Seifert, der regelmässig Gast in Podcasts von Rechtspopulisten wie Steve Bannon ist.

Über Jahre hinweg sei die einzige Option gewesen, diesen Unternehmensaktivismus zu boykottieren. Mit Publicsq könnten US-Amerikaner ihr Geld jetzt in Firmen stecken, die «ihre Liebe zum Leben, zur Familie und zur Freiheit» teilten, wirbt er in einer Mitteilung.

Die «richtigen Werte» zählen

Die Plattform vermittelt Bankkonten bei der Christian Credit Union – für «Menschen, die noch an Gott und das Land glauben», wie es heisst. Oder aber sie vertreibt Windeln über die Eigenmarke Every Life, die Abtreibungsgegner in den USA unterstützt.

Ganz neu gelistet sind Produkte von Bethany Hamilton. Die Profi-Surferin hat sich zuletzt gegen die Teilnahme von Transgender-Personen bei Surfwettbewerben ausgesprochen. Ob ein Partner auch die richtigen Werte vertrete, werde von den Mitarbeitern regelmässig geprüft.

Donald Trump Jr., der Sohn des Ex-Präsidenten, hat in Publicsq investiert und berät das Unternehmen. Im vergangenen Juli ging es an die Börse. Noch aber steckt die Parallelwirtschaft, wie Seifert sie auch nennt, in den Anfängen. Zwar zählte Publicsq zuletzt angeblich 1,6 Millionen Mitglieder, so bezeichnet das Portal seine wiederkehrenden Kunden. Inzwischen preisen rund 75’000 Unternehmen ihre Produkte auf der Plattform an, vor allem kleine und mittelgrosse. Doch Gewinne schreibt Publicsq noch nicht.

Aus Sicht von Richard Torrenzano wird die zweigeteilte Wirtschaft Bestand haben. «Die Unternehmen wurden zur Zielscheibe im Kulturkampf in den USA», sagt der bekannte Reputationsberater für Firmen. Wegen der fortschreitenden Spaltung in politische Lager hätten sich die Reaktionen von Konsumentinnen und Konsumenten systematisch verändert. «In stark polarisierten Zeiten sind 45 Prozent für einen, 45 Prozent gegen einen und 10 Prozent unentschlossen», sagt Torrenzano.

Unternehmen geraten in den politischen Strudel

Welche 45 Prozent den Kaffee der Black Rifle Coffee Company kaufen dürften, zeigte sich besonders eindrücklich am 6. Januar 2021 – dem Tag, an dem Trump-Anhänger das US-Kapitol stürmten. Zu ihnen gehörte der sogenannte «Zip Tie Guy», ein Mann, der mit Kabelbindern in das Gebäude einbrach. Auf dem Kopf trug er eine Kappe mit aufgedrucktem Bild eines Sturmgewehrs vor der US-Flagge. Es war ein Design der Black Rifle Coffee Company.

Der Geschäftsführer distanzierte sich anschliessend von dem Aufständischen. Dennoch machen die Gründer keinen Hehl aus ihrer früheren Trump-Unterstützung, sympathisierten mittels ihrer Kaffeemarke in den sozialen Netzwerken etwa mit dessen erlassenem Einreiseverbot aus verschiedenen muslimischen Staaten.

Dass Unternehmen in den politischen Strudel hineingeraten sind, liegt aus Sicht von Allen Adamson auch an zwei hausgemachten Problemen. Erstens übten die Mitarbeiter zunehmend Druck auf ihre Arbeitgeber aus, sich politisch zu positionieren, sagt der Marketingexperte und Mitgründer der Agentur Metaforce. Vor allem die Jüngeren legten darauf Wert.

Und zweitens: «Die Unterschiede zwischen einzelnen Produkten sind in den vergangenen Jahren deutlich kleiner geworden», sagt er. «In einem Meer von Ähnlichkeiten achten Konsumenten bei ihrer Kaufentscheidung deshalb auf andere Faktoren.» Zum Beispiel: Was tun die Unternehmen für den Klimaschutz? Wie positionieren sie sich in LGBTQ-Fragen, also etwa der Gleichberechtigung von Homosexuellen?

Perioden-Streit und Trump-Sneaker

Statt über das Produkt selbst könnten sich Kundinnen und Kunden dann zumindest über die Haltung des jeweiligen Herstellers identifizieren. Als eine der wenigen Ausnahmen nennt Adamson den iPhone-Konzern Apple. Dessen Produkte seien, so meint er, oft besser als die der Konkurrenz, weshalb das Unternehmen über den politischen Kulturkampf erhaben zu sein scheint. «Aber viele Menschen können noch nicht mal einen Unterschied zwischen zwei Biermarken schmecken», behauptet Adamson.

So dürfte es vielleicht kein Zufall sein, dass es ausgerechnet eine Biermarke war, die im vergangenen Jahr im Zentrum des Kulturkampfes stand. Weil mit Dylan Mulvaney eine Transgender-Aktivistin für Bud Light warb, boykottierten die überwiegend konservativen Kunden das Produkt. Der Absatz des bis dahin beliebtesten Bieres der USA brach zeitweise um ein Viertel ein.

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Geschichten wie die von Black Rifle Coffee gibt es einige. Die Frauenhygiene-Firma Garnuu schaffte den Durchbruch, nachdem grosse Konkurrenten die US-Amerikaner mit ihren Diversitätskampagnen verschreckt hatten. «Nicht alle Menschen mit Periode sind Frauen. Feiern wir die Vielfalt aller Menschen, die bluten», lautete eine Werbebotschaft von Tamponhersteller Tampax.

Garnuu tat das Gegenteil. Nur Frauen könnten ihre Periode bekommen, erklärte die Firma. Ihr Mitgliederprogramm nennt sie «Girls Only Club», also einen Club nur für Frauen. Das selbst ernannte Ziel von Garnuu: «die Weiblichkeit zu beschützen».

Kräftig mischt auch der Ex-Präsident mit. Erst vor wenigen Wochen hat Trump einen eigenen Turnschuh herausgebracht, bewarb das Modell höchstpersönlich auf der Schuhmesse Sneaker Con in Philadelphia. Die goldfarbenen Sneaker namens «Never Surrender» (niemals aufgeben) waren nach wenigen Stunden ausverkauft, trotz des üppigen Preises von 399 Dollar.

Sportliche Kampfansage: Donald Trumps lancierte seinen goldenen Sneaker unter dem Slogan «Never Surrender» – gib niemals auf.

Die Parallelwirtschaft der Rechtskonservativen zieht inzwischen bekannte Geldgeber an. Peter Thiel, Milliardär und Mitbegründer des Zahlungsdienstes Paypal, investierte etwa in die Videoplattform Rumble. Der Youtube-Konkurrent ist besonders bei Trump-Anhängern beliebt, übertrug beispielsweise zahlreiche Fernsehdebatten der republikanischen Präsidentschaftsbewerber.

Der prominente Ex-Banker Omeed Malik hat eine Investmentfirma gegründet, die gezielt in einschlägige Unternehmen investiert. Benannt hat er seine Firma nach dem Jahr, in dem die Bill of Rights verfasst wurde, 1789. Zuletzt soll er einen Millionenbetrag in das Medienunternehmen von Tucker Carlson, dem geschassten Fox-Moderator, gesteckt haben.

Wie viele Lastwagenfahrer sich am Ende dem New-York-Boykott angeschlossen haben, ist unklar. Lieferengpässe sind bislang ausgeblieben. Donald Trump ist hingegen vom Erfolg überzeugt: «Es ist eine grosse Ehre», erklärte der Ex-Präsident, «so viele grosse Patrioten auf der Seite der Freiheit zu haben.»

In Kooperation mit der «Welt am Sonntag», Teil der Leading European Newspaper Alliance.

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5. März 2024 – der Super Tuesday: An diesem Dienstag finden in 15 Bundesstaaten sowie im US-Aussengebiet Amerikanisch-Samoa Vorwahlen der Republikaner statt. Höchstwahrscheinlich werden sich die Republikaner für Donald Trump als ihren Kandidaten entscheiden.

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15. bis 18. Juli: Die republikanischen Delegierten treffen sich in Milwaukee, Wisconsin. Auf dem Parteitag werden sowohl der republikanische Präsidentschaftskandidat als auch der Vizepräsidentschaftskandidat von den Delegierten offiziell gewählt, das Wahlprogramm verabschiedet und der Wahlkampf für die General Election eingeläutet.

19. bis 22. August: Die Demokraten treffen sich in Chicago, Illinois. Dabei geht es auch darum, die Reihen hinter dem Kandidatenduo Joe Biden und Kamala Harris zu schliessen.

2. September: Die heisse Phase des Wahlkampfs beginnt mit dem Labour Day. Höhepunkte sind traditionell die vier TV-Debatten, drei zwischen den Präsidentschaftskandidaten, eine zwischen den Vizes. Ob sie auch in diesem Jahr stattfinden werden, ist Gegenstand eifriger Spekulationen. Vorerst aber sind folgende TV-Duelle geplant:

  • 16. September: Erste TV-Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten in San Marcos, Texas

  • 25. September: TV-Debatte zwischen den Vize-Kandidaten in Easton, Pennsylvania

  • 1. Oktober: Zweite TV-Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten in Petersburg, Virginia

  • 9. Oktober: Dritte TV-Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten in Salt Lake City, Utah

5. November: Der Wahltag. Insgesamt sind 538 Elektorenstimmen zu vergeben, wer 270 davon holt, ist Präsident der Vereinigten Staaten. Neben dem Präsidenten werden alle 435 Abgeordneten im Repräsentantenhaus und 34 Senatoren, ein Drittel des US-Senats, gewählt. Ausserdem finden in verschiedenen Bundesstaaten Gouverneurswahlen statt.

Unsere gesammelte Berichterstattung zu den US-Wahlen finden Sie hier.

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