July 21, 2024

In der Aargauer Gemeinde Full-Reuenthal wurde ein Erdloch entdeckt. Die Ursache dafür könnte ein unterirdisches Tunnelsystem eines ehemaligen Gipsbergwerks sein. Die Gemeinde weiss schon länger von den Senkungen.

Marino WalserThomas Obrecht

Darum gehts

  • In der Aargauer Gemeinde Full-Reuenthal stürzte der Boden ein.

  • Das knapp zehn Meter tiefe Erdloch könnte aufgrund eines unterirdischen Tunnelsystems entstanden sein.

  • Unter dem Ackerland auf dem Reuenthaler Plateau wurde früher in einem Gipsbergwerk Gips abgebaut.

  • Anwohnerinnen und Anwohner haben zunehmend ein mulmiges Gefühl.

  • Der Gemeindeammann von Full-Reuenthal will die Anwohnenden beruhigen.

In Full-Reuenthal im Kanton Aargau ist ein Erdloch mit einer Tiefe von acht bis zehn Metern entstanden. Nun zeigt sich: Das Erdloch ist womöglich nicht ganz so mysteriös, wie zunächst angenommen.

Die Gemeinde hat schon seit Jahren Probleme mit Absenkungen auf dem Ackerland auf dem Reuenthaler Plateau. Zwischen 2012 und 2016 senkte sich das 40 Aren grosse Areal um bis zu 1,5 Meter. Der Grund für die Landabsenkungen: ein rund 25 Kilometer langes unterirdisches Tunnelsystem des ehemaligen Gipsbergwerks Felsenau. Der Abbau von Gips wurde 1989 eingestellt. Historische Aufnahmen sind in der Bildstrecke zu sehen.

«Das Ausmass hat ganz neue Dimensionen angenommen»

Das Ackerland, auf dem vor kurzem ein Erdloch entdeckt wurde, wird von David Graf (32) bewirtschaftet. «Das Ausmass hat ganz neue Dimensionen angenommen», sagt er. Damals, als die ersten Absenkungen publik wurden, habe die Gemeinde in Absprache mit Geologen kommuniziert, dass es sich bei den abgesunkenen Stellen um Orte über dem Hauptschacht dieses Tunnelsystems handelte.

Deshalb sei man in der Gemeinde davon ausgegangen, dass das Problem behoben sei, so Graf. «Das neuste Loch ist aber von beängstigendem Ausmass.» Dort zu arbeiten oder auch nur einen Spaziergang zu geniessen, könne nun neu potenziell lebensgefährlich sein. «Das Gebiet sollte so lange gemieden werden, bis Geologen den Bereich als sicher einstufen.»

Gesprächsthema im Dorf

Im Dorf Reuenthal, das wenige Hundert Meter vom Ackerland entfernt ist, wächst das mulmige Gefühl – erst recht, nachdem sich nun ein neues Erdloch gebildet hat, sagt Helene (55). «Das ganze Gebiet ist quasi unterkellert», sagt die 55-Jährige, die öfter in Reuenthal anzutreffen ist, aber ein Dorf nebenan lebt. «Hier möchte ich nicht wohnen», fügt sie an.

Lisa (64), die das Dorflädeli in Reuenthal führt, findet die Situation beängstigend. Am Stammtisch werde häufig über die Löcher gesprochen. «Im Dorf erhofft man sich, dass die Senkungen nicht bis ins Dorf gelangen oder dort gar Häuser in Mitleidenschaft gezogen werden», sagt die 64-Jährige.

Aufgrund eines Gipsbergwerks befindet sich unter dem Areal ein unterirdisches Tunnelsystem.

Treffen mit dem Kanton

Auf Anfrage von 20 Minuten beruhigt Gemeindeammann Gerhard Hauser: «Unter dem Dorf befindet sich kein Tunnelsystem. Daher ist es ausgeschlossen, dass es dort zu Senkungen kommt.» Im Dorf ist es bislang zu keinen Senkungen gekommen, führt Hauser fort.

«Ob das ganze Tunnelsystem irgendwann kollabiert, können wir nicht voraussagen.»

Geht es jedoch um das Ackerland auf dem Reuenthaler Plateau, gesteht Hauser: «Ob das ganze Tunnelsystem irgendwann kollabiert, können wir nicht voraussagen. Deshalb wurde die Zone auch abgesperrt. Dort besteht für Passanten eine Gefahr.» Aktuell könne man auch nicht mit Sicherheit sagen, ob das neue Erdloch auf das Tunnelsystem zurückzuführen sei. «Diese Untersuchung findet aktuell statt.»

Nächste Woche findet laut dem Gemeindeammann ein Treffen mit dem Kanton statt. Dabei werde besprochen, wie man weiter vorgehen will. «Das Areal wird aber abgesperrt bleiben. Ebenfalls wird eruiert, wie die betroffenen Landwirte entschädigt werden», so Hauser.

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