July 13, 2024

Ein Schweizer Hobbypilot musste sich attestieren lassen, dass er auch mit 75 Jahren noch Auto fahren kann. Seine medizinische Fluguntersuchung reichte nicht.
auto

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Pilot (75) muss sich medizinisch untersuchen lassen, damit er weiter Auto fahren darf.
  • Das strengere flugmedizinische Attest akzeptiert der Kanton Baselland nicht.
  • Der Pilot musste also zu einem anderen Arzt und eine Gebühr an die Behörden zahlen.

Ab 75 Jahren müssen sich Senioren im Kanton Baselland alle zwei Jahre einer medizinischen Untersuchung unterziehen, wenn sie Autofahren wollen. Ausnahmen dafür gibt es nicht. Dies musste auch Heiner Grieder erfahren. Die «Basler Zeitung» berichtet über den Fall, der den Irrsinn der Bürokratie offenlegt.

Grieder erhielt wie alle Senioren die Aufforderung, sich untersuchen zu lassen. Der 75-Jährige ist sich solche Untersuchungen gewohnt, als Hobbypilot muss er jährlich eine strengere Kontrolle überstehen. Der Motorfahrzeugkontrolle schickte er dann auch sein aktuelles flugärztliches Attest.


Heiner Grieder

Doch damit war die Sache nicht erledigt. Der Hobbypilot und die Behörden schickten einige Briefe hin und her. Bis Rieder im April die Verfügung bekam und die ärztliche Untersuchung innert zehn Tagen machen musste. Ansonsten hätte er seinen Führerschein verloren.

Dass er, der regelmässig Alpenrundflüge macht, nicht Auto fahren, aber fliegen darf, war für ihn unverständlich. Die Anforderungen an einen Piloten seien wegen der zusätzlichen Dimension weitaus höher.

Verkehrsmediziner: Flugmedizinische Untersuchung «viel strenger»

Dies bestätigt auch Steffen Geiger, der als Verkehrsmediziner sowohl Piloten als auch Autofahrer prüft. Ein Pilot müsse wegen der dritten Dimension eine «wesentlich höhere psychomentale Leistungsfähigkeit» haben. Die Untersuchung sei deswegen auch «viel strenger» und aufwendiger, die Grenzwerte strenger.

So dürften Senioren auch mit einer leichten Demenz oder eingeschränkter Sicht noch Auto fahren, fliegen hingegen nicht. Es gebe auch keine Konstellation, bei der jemand ein Flugzeug bedienen dürfe, ein Auto aber nicht.

In ihrer Begründung zweifelt die Motorfahrzeugkontrolle dann auch nicht an Grieders Fähigkeiten. Sie verweist dafür darauf, dass es ein Attest eines Arztes mit der entsprechenden Ausbildung brauche. In der Region Basel gibt es Hunderte Mediziner mit dieser Qualifikation.

Flugarzt hatte Bescheinigung für Untersuchung von Autofahrern nicht

Pilot Grieder schüttelt den Kopf über die Begründung. Jeder Hausarzt könne verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchungen durchführen. Es brauche dafür keine Ausbildung, sondern bloss eine Selbstdeklaration.

Doch diese hat sein Flugarzt, einer von nur vier in der Region Basel, nicht. Grieder ging dann zähneknirschend zu einem anderen Mediziner. Dort liess er sich bescheinigen, dass er neben dem Flugzeug auch das Auto bedienen kann.

Der Kanton hat das nun akzeptiert, der 75-Jährige darf weiterhin Auto fahren. Zudem muss er aber noch 60 Franken bezahlen, da die Behörden ein ministratives Verfahren eröffnet hatten.

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