July 13, 2024

Unkonventionell und erfolgreich: Katrin Jakobsdottir.

Hier wird Inhalt angezeigt, der zusätzliche Cookies setzt.

An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.

Cookies zulassenMehr Infos

Gerüchte wehten lange schon durch Reykjavik, jetzt gibt es Gewissheit: Katrin Jakobsdottir wird bei den Präsidentschaftswahlen am 1. Juni antreten. Das Besondere an dieser Kandidatur: Jakobsdottir war bislang Islands Premierministerin und Vorsitzende der Links-Grünen Bewegung. Von beiden Posten ist sie am Sonntag zurückgetreten. Insofern war das Video, das sie aus diesem Anlass veröffentlichte, seltsame Rücktrittserklärung und Bewerbung in einem.

Sie sagte, nach 22 Jahren im isländischen Parlament sei es nun an der Zeit für eine neue Aufgabe, für die sie sich ihren eigenen Ausführungen zufolge hervorragend eigne. Schliesslich müsse die Präsidentin «die Funktionsweise von Politik und Gesellschaft verstehen, Führungsstärke und Bescheidenheit zeigen, Islands Interessen auf der internationalen Bühne vertreten, schwierige Entscheidungen unabhängig von momentaner Popularität treffen und mit der ganzen Nation sprechen».

Krimis als Vorbereitung auf die Politik

Die 48-jährige Jakobsdottir hat Französisch und Literaturwissenschaften studiert und ihre Abschlussarbeit über den Krimiautor Arnaldur Indridason geschrieben – was, wie sie einmal bemerkte, eine hervorragende Vorbereitung auf den Politikjob gewesen sei: «In Krimis geht es darum, dass man niemandem vertrauen kann. Genau so funktioniert Politik auch.»

Während der Pandemie schrieb sie dann zusammen mit dem Autor Ragnar Jonasson selber einen Krimi, «Reykjavik». Er avancierte 2022 in Island zum bestverkauften Buch des Jahres. Als sie von der «Sunday Times» gefragt wurde, ob das nicht seltsam sei, eine Politikerin, die Krimis schreibe, sagte sie, in Island finde das niemand seltsam: «So wie ich keine Leibwächter habe und selber ins Lebensmittelgeschäft gehe, um Essen zu kaufen, kann ich auch ein Buch schreiben.»

Jakobsdottir kam über ihr Umweltengagement zur Politik, 2002 kandidierte sie erstmals für das Parlament. Von 2009 bis 2013 war sie Bildungsministerin, danach wurde sie Vorsitzende der Links-Grünen Bewegung. Ihre rot-grüne Regierung liegt in den Umfragen zwar momentan weit hinter der Opposition, sie selbst aber galt als Stabilitätsgarantin: Nachdem Island infolge der Finanzkrise 2008 im Dunkel des Nordatlantiks zu versinken gedroht hatte, gab es kurz hintereinander viermal Neuwahlen. Umso dankbarer waren die Isländer, dass Jakobsdottirs Koalition ab 2017 das Land wieder in ruhigere Gewässer führte. 2021 wurde sie wiedergewählt.

«Well, this is Iceland»

Als während eines Interviews mit der «Washington Post» ein Erdbeben die Wände hinter ihr wackeln liess, fuhr sie sich nach einem ersten Schreckensmoment durch die Haare und sagte lächelnd in die Kamera: «Well, this is Iceland.»

Sie hat das Land durch mehrere Beben geführt, Island ächzt unter der hohen Inflation und steigenden Zinsen. Als im vergangenen Jahr Islands Frauen für gerechtere Löhne auf die Strasse gingen, trat auch Jakobsdottir in den Streik und ermutigte ihre Mitarbeiterinnen, es ihr gleichzutun, schliesslich sei es «grotesk, dass wir 2023 immer noch ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle haben».

Ihr eigentliches Thema ist der Klimaschutz; Island hat sich unter ihrer Ägide vorgenommen, bis 2040 klimaneutral zu werden. Aussenpolitisch hat sich Jakobsdottir immer wieder klar gegen Russlands Angriffskrieg positioniert. Sie war auch zu Besuch in Kiew und gilt als hervorragende Netzwerkerin.

Katrin Jakobsdottir gilt nun als eindeutige Favoritin für die Präsidentschaftswahlen am 1. Juni. Neben ihr kandidiert unter anderem der Schauspieler Jon Gnarr, der eine Zeit lang Bürgermeister von Reykjavik war.

Politik in Island

Frauen im isländischen Parlament doch nicht in der MehrheitWahlen in EuropaFrauen im isländischen Parlament doch nicht in der Mehrheit

Mehr Punk, weniger Hölle!AboMehr Punk, weniger Hölle!

«Ich wollte eine Legende schaffen»Abo«Ich wollte eine Legende schaffen»

0 Kommentare