July 21, 2024

Gute Freunde: Wiktor Medwedtschuk und Wladimir Putin bei einem Treffen vor vier Jahren in Moskau.

Hier wird Inhalt angezeigt, der zusätzliche Cookies setzt.

An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.

Cookies zulassenMehr Infos

Wiktor Medwedtschuk war nicht in Bestform, als ihn der ukrainische Geheimdienst SBU als Gefangenen vorführte. Zwar war er Multimillionär, Politiker und persönlicher Freund von Wladimir Putin – doch er befand sich in der Ukraine. Als sich 2021 die Kriegswolken über der Ukraine verdichtet hatten, liess Präsident Wolodimir Selenski Medwedtschuks Reichtum einfrieren, ihn wegen Hochverrat anklagen und unter Hausarrest stellen.

Nach Putins Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 floh Medwedtschuk – und wurde am 12. April vom SBU gefasst: Das damalige Foto zeigt einen Mann, der am Ende zu sein scheint. Doch schon am 21. September 2022 wurde Medwedtschuk gegen 215 ukrainische Soldaten ausgetauscht.

Vom ukrainischen Geheimdienst als Gefangener vorgeführt: Wiktor Medwedtschuk im April 2022.

Er lebt seitdem in Moskau, erneuert seinen Reichtum und betreibt politische Manipulation zugunsten Russlands. Gemäss der tschechischen Regierung verantwortet Medwedtschuk das Propagandaprojekt «Voice of Europe», das Europaparlamentarier für prorussische Positionen bezahlt haben soll.

Putin und Medwedew sind Paten seiner Tochter

Der heute 70 Jahre alte Medwedtschuk war zu Sowjetzeiten Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol und gehörte zur vom KGB beaufsichtigten paramilitärischen Einheit Feliks Dzierzynski.

1974 wurde Medwedtschuk zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er einen Teenager zusammengeschlagen hatte. Seiner Karriere tat dies keinen Abbruch. Vier Jahre später wurde er gar Rechtsanwalt und dafür bekannt, dass er Dissidenten vor Gericht selbst beschuldigte, statt sie zu verteidigen.

In der unabhängigen Ukraine pflegte Medwedtschuk enge Beziehungen zu den Präsidenten Leonid Krawtschuk und Leonid Kutschma, beide zuvor sowjetische Apparatschiks. 2004 soll Medwedtschuk als Stabschef Kutschmas bei massiven Wahlfälschungen geholfen haben, die Kreml-Favorit Wiktor Janukowitsch ins Amt bringen sollten. 2004 wurden Wladimir Putin und dessen damaliger Stabschef Dmitri Medwedew die Paten seiner Tochter Daria. (Lesen Sie auch den Artikel «Putins Göttikind darf nicht in die Schweiz».)

Seitdem mehrte Medwedtschuk mit Dutzenden oft im Ausland oder auf seine dritte Frau Oxana Martschenko registrierten Firmen seine Millionen, kontrollierte in der Ukraine eine Partei im Parlament und drei Kremlpropaganda und Lügen wiederholende Fernsehsender: Der Krieg in der Ostukraine sei durch «ukrainische Verschwörer» begonnen worden. Oder auch: Die Ukrainer seien in Wahrheit Russen.

Auch mit Präsident Petro Poroschenko, der von 2014 bis 2019 regierte, verstand sich Medwedtschuk gut. Dessen Nachfolger Selenski ging erst gegen ihn vor, als Versuche scheiterten, den von Putin in der Ostukraine schon 2014 begonnenen Krieg zu beenden, und Medwedtschuk als Vermittler ausfiel.

Möglicher Kreml-Statthalter in Kiew

Drei Monate nach Medwedtschuks Austausch im September 2022 meldete er sich im Kreml-Sprachrohr «Iswestija» und dem Propagandaprojekt «Die andere Ukraine» zurück. Seitdem stänkert Medwedtschuk dauernd gegen die EU, die USA oder den Westen allgemein. Und er kritisiert das «verbrecherische Regime in Kiew» oder fantasiert über angebliche Fluchtpläne von Selenski.

Dass er sich ausführlich in den Kreml-Agenturen Tass und RIA Nowosti äussern und mit «Voice of Europe» Anti-EU-Propaganda mitorganisieren darf, deutet ebenso wie das Projekt «Die andere Ukraine» darauf hin, dass Putin Medwedtschuk als Option für den Fall einer Kontrollübernahme in Kiew in Reserve hält.

Das notwendige Kleingeld fehlt Medwedtschuk nicht. So ist er russischen Exilmedien zufolge erfolgreich dabei, über mutmassliche Strohleute etwa Ölfirmen des bei Putin in Ungnade gefallenen russischen Oligarchen Alexei Chotin zu übernehmen. Und vor kurzem liess Medwedtschuks Frau die in Italien gebaute, knapp zehn Millionen Dollar teure und 28 Meter lange Jacht Amore Mio durch den russischen Zoll bringen.

Krieg in der Ukraine

«Dann muss die Ukraine weiter zurückweichen»Militärexperte erklärt Lage in Charkiw«Dann muss die Ukraine weiter zurückweichen»

Wie die Ukraine die russische Flop-Flotte aufreibtAboDas Desaster im Schwarzen MeerWie die Ukraine die russische Flop-Flotte aufreibt

Junge Rekruten im Krieg – furchtbar, aber richtigAboKommentar zur ukrainischen ArmeeJunge Rekruten im Krieg – furchtbar, aber richtig

0 Kommentare