July 13, 2024

In der Kritik: Eine neue Tiktok-Funktion könnte die mentale Gesundheit gefährden.

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Videos schauen und dafür bezahlt werden: Wegen der möglichen Suchtgefahr für Minderjährige hat die EU-Kommission der Videoplattform Tiktok mit einer Blockade seiner neuen Belohnungsfunktion gedroht. Brüssel eröffnete nach eigenen Angaben am Montag ein Verfahren gegen Tiktok wegen der «Gefahr schwerer Schäden für die psychische Gesundheit der Nutzenden». Die Behörde könnte die neue Funktion noch in dieser Woche aussetzen.

Die Videoplattform hatte die neue App «Tiktok Lite» im April eingeführt, in Europa ist sie bislang in Frankreich und Spanien verfügbar. Die Version enthält ein Punktesystem: Wer sich anmeldet, mehrere Stunden Videos schaut oder Freunde zu Tiktok einlädt, wird mit digitalen Münzen belohnt. Die Punkte können gegen geringe Beträge in Form von Gutscheinen ausgetauscht werden, etwa für den Onlinehändler Amazon.

Trotz der Risiken im Zusammenhang mit der suchterzeugenden Wirkung habe Tiktok die neue Funktion «ohne wirksame Massnahmen zur Risikominderung» auf den Markt gebracht, teilte die EU-Kommission mit. Brüssel sei bereit, «Massnahmen einschliesslich der Aussetzung der Tiktok-Lite-Funktionen» zu verhängen, erklärte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton.

Tiktok hat nun einen Tag Zeit, um auf die Vorwürfe aus Brüssel zu reagieren. Liefert das Unternehmen nicht die verlangten Informationen, drohen demnach bereits ab Dienstag Strafen in Höhe von bis zu einem Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Ab Donnerstag könnte die EU-Kommission die umstrittene Funktion blockieren, Tiktok dürfte die App dann nur noch ohne das Punktesystem auf den EU-Markt bringen.

Onlinedienste wie Tiktok, Instagram und Facebook sind unter dem EU-Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act – DSA) verpflichtet, Minderjährige besser zu schützen und Inhalte wie Gewaltdarstellungen oder Falschinformationen schneller zu löschen. Gegen Tiktok läuft bereits ein Verfahren wegen möglicher Suchtgefahren für Minderjährige auf seiner Standard-Plattform.

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AFP/oli

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