July 21, 2024

«Bringt sie nach Hause» ist der Slogan Demonstrierender in Tel Aviv und ganz Israel: Noch immer sind mehr als 100 Menschen in der Gewalt der Hamas.

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Rafah-Offensive oder Geiselabkommen, weitere Eskalation oder Hoffnung auf Entspannung – der seit fast sieben Monaten andauernde Gazakrieg steht wieder an einem Scheideweg.

In Israel wurde am Wochenende verkündet, dass die nach längerem Stillstand wieder in Gang gekommenen Verhandlungen die «letzte Chance» seien vor einem Sturm auf die Hamas-Hochburg im südlichen Gazastreifen. Der internationalen Gemeinschaft, die auf ein Ende oder zumindest eine Pause des Kriegs dringt, bleibt zu hoffen, dass diese Mischung aus militärischer Drohung und Gesprächsangeboten zum Erfolg führt. (Lesen Sie hier die aktuelle Entwicklung im Krieg in Nahost.)

In den Geiselverhandlungen soll Israel neue Flexibilität gezeigt haben. Gespräche mit hochrangigen ägyptischen Vermittlern, die nach Israel gereist waren, werden von beiden Seiten als positiv und konstruktiv beschrieben. An diesem Montag werden Hamas-Vertreter in Kairo erwartet. Im Kern geht es nun um ein begrenztes Abkommen auf humanitärer Basis. Berichten zufolge könnten dabei bis zu 33 israelische Geiseln freikommen – Frauen, Kranke und Männer über 50 Jahre. Im Gegenzug würde eine noch offene Anzahl palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen.

Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist katastrophal. Auch in der Nähe von Rafah fehlt es den Menschen an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung.

Die Länge einer Waffenruhe hängt dabei von der Anzahl der freigelassenen Geiseln ab. Nach israelischer Zählung befinden sich noch 131 Geiseln in Gaza. Offiziell für tot erklärt wurden davon bereits 34. Inoffiziell wird davon ausgegangen, dass eine höhere Anzahl inzwischen nicht mehr am Leben ist. In früheren Verhandlungsrunden war für die erste Austauschphase stets von 40 freizulassenden Geiseln die Rede gewesen. Die Hamas hatte jedoch zu erkennen gegeben, dass in dieser humanitären Kategorie nicht genügend Lebende zu finden seien.

Hamas fordert Komplettabzug, Israel spricht von «Wahnidee»

Die von Israel nun vorgeschlagene Konzentration auf ein solches humanitäres Abkommen klammert die Hauptstreitpunkte aus. Die Hamas hat bislang für die Freilassung aller Geiseln stets ein Ende des Kriegs und einen kompletten Abzug der israelischen Truppen gefordert. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hat dies beharrlich als «Wahnidee» abgetan und das Kriegsziel einer kompletten Zerstörung der Hamas bekräftigt.

Die Drohung mit einer unmittelbar bevorstehenden Offensive in Rafah muss nun auch vor dem Hintergrund gesehen werden, den Druck auf die Hamas in den Verhandlungen zu erhöhen. In einem Tunnelversteck in Rafah wird Hamas-Führer Jahia Sinwar vermutet. Es ist davon auszugehen, dass er sich mit israelischen Geiseln als lebenden Schutzschilden umgeben hat.

Bekämpft werden sollen in Rafah auch die letzten vier intakten Bataillone der Hamas. Die vermutlich 6000 bis 8000 Kämpfer sind jedoch umgeben von rund 1,3 Millionen Zivilisten, die sich zum Grossteil aus anderen Gebieten des Gazastreifens dorthin geflüchtet hatten.

Muss bei einem Ende des Kriegs mit einer Neuwahl und Machtverlust rechnen: Israels Premier Benjamin Netanyahu.

Ein direktes Angebot in Richtung Hamas kam nun von Aussenminister Israel Katz, der in einem TV-Interview eine Geiselfreilassung als «höchste Priorität» bezeichnete. Wenn es ein Abkommen gebe, werde Israel die Rafah-Operation aussetzen, versprach er. Katz allerdings kann höchstens für einen Teil der israelischen Führung sprechen. Der rechtsradikale Flügel um Finanzminister Bezalel Smotrich und Polizeiminister Itamar Ben-Gvir erteilt allen Zugeständnissen an die Hamas eine harsche Absage und fordert einen kompromisslosen Militäreinsatz in Rafah.

Auch Premier Netanyahu hat in den vergangenen Monaten wenig Bereitschaft zu Kompromissen erkennen lassen, zumal er bei einem Ende des Kriegs mit einer Neuwahl und dem Machtverlust rechnen muss. Zugleich jedoch steht er unter Druck vom engsten Verbündeten in Washington und Teilen der eigenen Bevölkerung. Um diesen Druck zu vergrössern, hat die Hamas nun wieder zum Mittel der psychologischen Kriegsführung gegriffen.

Neues Video mit flehenden Geiseln veröffentlicht

Am Samstagabend wurde ein neues Video veröffentlicht, in dem zwei männliche israelische Geiseln verzweifelt an die eigene Regierung appellieren, schnellstens ein Abkommen zu ihrer Freilassung zu schliessen. Erwartungsgemäss hat das sogleich die Proteste befeuert, die am Samstag in Tel Aviv, aber auch andernorts wie zum Beispiel vor Netanyahus privater Villa im Küstenort Caesarea stattfanden.

Die internationalen Bemühungen um eine Lösung sollen an diesem Montag in der saudischen Hauptstadt Riad vorangetrieben werden. Dort treffen sich US-Aussenminister Antony Blinken und andere westliche Chefdiplomaten mit Vertretern arabischer Staaten zu Gesprächen über Gaza. Die israelische Armee hat unterdessen ihre Luftangriffe auf den palästinensischen Küstenstreifen wieder intensiviert. So ist die Region gefangen zwischen Hoffen und Bangen.

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