July 21, 2024

Publiziert: 25.02.2024, 16:24Aktualisiert vor 1 Stunde

Das Wichtigste in Kürze

  • Israels Premier Benjamin Netanyahu sagt, Israel habe sich auf ein Datum für einen Einmarsch in die Stadt Rafah festgelegt.

  • Neue Verhandlungen in Kairo über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg haben noch nicht den erhofften Durchbruch gebracht.

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05:48 UhrDie Nacht auf Dienstag im Überblick

Während Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu Pläne für eine Bodenoffensive in Rafah im Gazastreifen bekräftigt, wollen die USA den Verhandlungen über eine Waffenruhe laut Medienberichten mit einem neuen Kompromissvorschlag zum Erfolg verhelfen. Wie das «Wall Street Journal» am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf arabische Vermittler berichtete, sieht der von CIA-Direktor William Burns in Kairo am Sonntagabend präsentierte Vorschlag vor, dass die islamistische Hamas im Zuge einer sechswöchigen Feuerpause 40 der mehr als 100 im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln im Tausch gegen 900 palästinensische Häftlinge freilässt – darunter 100, die wegen Mordes an Israelis zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Israel solle wiederum bis zu 150 000 vertriebenen Palästinensern die Rückkehr in den Norden des Küstengebiets gestatten.

USA warten auf Antwort der Hamas

Auch das Nachrichtenportal «Axios» berichtete über Burns’ neuen Vorschlag, der laut israelischen Beamten auf Bedingungen aufbaue, die bei früheren Verhandlungen diskutiert worden seien. Der neue Vorschlag verlange Kompromisse von beiden Konfliktparteien. Israels Sicherheitskabinett wird laut «Axios» voraussichtlich an diesem Dienstag zusammentreten, um den Vorschlag zu erörtern.

Die Hamas-Delegation wiederum verliess Kairo am Sonntagabend für Beratungen mit ihrer Spitze. Man warte jetzt auf die Antwort des Anführers der Hamas in Gaza, Jihia al-Sinwar, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der US-Regierung, John Kirby. Dies könne ein paar Tage dauern.

Israel angeblich zu Kompromiss bei Rückkehr von Zivilisten in den Norden bereit

Israel habe zudem deutlich gemacht, dass es Kompromisse bei der Frage der Rückkehr von Zivilisten in den nördlichen Gazastreifen eingehen würde, wenn die Hamas sich auf diesen Aspekt der Vereinbarung einlassen sollte, hiess es. So sehe der US-Vorschlag einen schrittweisen und fast vollständigen Rückzug Israels aus dem Korridor vor, der das Küstengebiet teilt und vertriebene Palästinenser an einer Rückkehr in den Norden hindert. Israel will verhindern, dass sich bei einer Rückkehr von Zivilisten auch Hamas-Kämpfer unter die Schutzsuchenden mischen. Die Frage der Rückkehr der palästinensischen Zivilisten in den nördlichen Gazastreifen ist einer der Hauptstreitpunkte bei den Verhandlungen, bei denen die USA, Katar und Ägypten vermitteln, weil die Hamas und Israels Führung aus Prinzip keine direkten Gespräche führen.

Die Hamas fordert die vollständige Rückkehr der Zivilbevölkerung in den Norden und einen vollständigen Rückzug Israels aus dem Landkorridor, der den südlichen Gazastreifen vom Norden trennt. Israel würde einer «schrittweisen Rückkehr» der Zivilisten zustimmen, lehne aber den Abzug seiner Soldaten ab, so «Axios». Zudem verlange die israelische Seite Personenkontrollen, um sicherzustellen, dass sich keine Hamas-Kämpfer darunter befinden. Es sei nicht klar, ob sich die Hamas auf den Kompromiss einlässt und bereit ist, Geiseln freizulassen, bei denen es sich um Soldaten oder Männer unter 50 Jahren handelt. Die Hamas sieht letztere als besonders effektives Druckmittel, um einen dauerhaften Waffenstillstand zu erzwingen.

Rechtsextreme Partner erhöhen Druck auf Netanyahu

Unterdessen drängen in Israel die rechtsextremen Partner in der Koalition von Regierungschef Netanyahu ungeachtet internationaler Kritik auf einen Einmarsch in die an Ägypten grenzende Stadt Rafah. Nach dem Rückzug israelischer Truppen aus der Stadt Chan Junis schrieb Polizeiminister Itamar Ben-Gvir am Montag auf der Plattform X, vormals Twitter: «Wenn der Ministerpräsident entscheiden sollte, den Krieg zu beenden, ohne einen breiten Angriff auf Rafah, um die Hamas entscheidend zu schlagen, wird er kein Mandat haben, weiter als Regierungschef zu amtieren.» Netanjahu sagte daraufhin am Abend, der Termin für eine Offensive stehe fest. Für den Sieg sei es nötig, die letzten Bataillone der Hamas zu eliminieren. «Das wird geschehen, es gibt ein Datum.»

US-Präsident Joe Biden hatte Netanyahu klargemacht, dass ein Einmarsch in Rafah ohne vorherige Evakuierung der Hunderttausenden palästinensischen Zivilisten eine «rote Linie» für ihn wäre. Vertreter der beiden verbündeten Staaten wollen nach Angaben des Kommunikationsdirektors des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Kirby, voraussichtlich kommende Woche bei einem persönlichen Treffen über die geplante Offensive beraten.

Papst empfängt Angehörige israelischer Geiseln

Papst Franziskus hat unterdessen Angehörige der von der Hamas vor einem halben Jahr entführten israelischen Geiseln empfangen. Der Vatikan veröffentlichte am Montag Fotos, auf denen die Mitglieder von fünf Familien bei einer Privataudienz im Apostolischen Palast zu sehen sind – sie halten Fotos und Plakate in den Händen, die ihre entführten Angehörigen zeigen. Der Papst hatte am Ostersonntag einen sofortigen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln gefordert.

Die Hamas und andere extremistische Gruppen hatten am 7. Oktober rund 1200 Menschen in Israel ermordet und rund 250 Frauen, Männer und Kinder entführt. 105 von ihnen kamen im Zuge einer Feuerpause nach knapp zwei Monaten frei. Knapp 100 der Verschleppten dürften nach israelischen Schätzungen noch am Leben sein. (DPA)

04:00 UhrUSA legen neuen Kompromissvorschlag für Gaza-Deal vor

Die USA wollen den indirekten Verhandlungen über eine Waffenruhe laut Medienberichten mit einem neuen Kompromissvorschlag zum Erfolg verhelfen. Wie das «Wall Street Journal» am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf arabische Vermittler berichtete, sieht der von CIA-Direktor William Burns in Kairo am Sonntagabend präsentierte Vorschlag vor, dass die islamistische Hamas im Zuge einer sechswöchigen Feuerpause 40 der mehr als 100 im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln im Tausch gegen 900 palästinensische Häftlinge freilässt – darunter 100, die wegen Mordes an Israelis zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Auch das Nachrichtenportal «Axios» berichtete über Burns’ neuen Vorschlag, der laut israelischen Beamten auf Bedingungen aufbaue, die bei früheren Verhandlungen diskutiert worden seien. Der neue Vorschlag verlange Kompromisse von beiden Konfliktparteien.

Die ägyptischen und katarischen Vermittler erwarten laut dem «Wall Street Journal», dass die Hamas und Israel bis Dienstagabend auf den neuen Vorschlag reagieren. Demnach müsste die Hamas Zugeständnisse bezüglich der Anzahl und Identität der freizulassenden Geiseln eingehen. Israel wiederum müsste Kompromisse in Bezug auf die Rückkehr von vertriebenen palästinensischen Zivilisten in den nördlichen Gazastreifen eingehen, berichtete «Axios». (DPA)

Gestern, 19:13Netanyahu: Es gibt ein Datum für den Angriff auf Rafah

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat eine bevorstehende Offensive im Süden des Gazastreifens bestätigt. Der Sieg über die radikalislamische Hamas erfordere «den Einmarsch in Rafah und die Eliminierung der dortigen Terroristenbataillone», sagte Netanyahu am Montag in einer Videobotschaft. «Das wird geschehen – es gibt ein Datum», fügte der Ministerpräsident hinzu.

Israel zufolge ist die Stadt an der Grenze zu Ägypten die letzte verbliebene Hamas-Hochburg in dem Palästinensergebiet. Ungeachtet internationaler Kritik hält Israel an seinen Plänen für eine Offensive fest.

Die westlichen Verbündeten Israels, darunter die USA und Deutschland, hatten sich gegen eine Offensive in Rafah ausgesprochen. In der an der Grenze zu Ägypten gelegenen Stadt befinden sich mehr als 1,5 Millionen geflüchtete Bewohner des Gazastreifens. (AFP)

Gestern, 17:37Gedämpfte Hoffnungen auf Waffenruhe im Gaza-Krieg

Neue Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg haben noch nicht den erhofften Durchbruch gebracht. Indirekte Gespräche der Kriegsparteien in Kairo sollen nach Darstellung der islamistischen Hamas ohne Fortschritte unterbrochen worden sein. Vertreter der Terrororganisation hätten Kairo für Beratungen mit ihrer Spitze verlassen. Kurz zuvor hatte es noch aus ägyptischen Sicherheitskreisen geheissen, dass bei den am Sonntag neu angelaufenen Verhandlungen «leichte Fortschritte» erzielt worden seien. Ob eine Einigung bis zum Ende des Ramadans war unklar. Der Fastenmonat endet voraussichtlich am Mittwoch. Offizielle Angaben zum Verhandlungsstand gibt es bisher nicht.

Widersprüchliche Berichte über Verhandlungen

Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid sagte dem israelischen Rundfunk am Montag, eine Abmachung liege auf dem Tisch und müsse vereinbart werden. «Wir müssen Druck auf diese (israelische) Regierung ausüben, den Deal abzuschliessen», sagte er. «Es wird ein Deal sein, den wir nicht mögen, aber wir müssen ihn machen, weil wir sie nach Hause bringen müssen», sagte Lapid mit Blick auf die in der Gewalt der Hamas verbleibenden Geiseln. Er hält sich gegenwärtig zu Gesprächen in den USA auf.

Der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News hatte zuvor unter Berufung auf eine ranghohe ägyptische Quelle berichtet, dass es eine Einigung über die grundlegenden Punkte zwischen allen beteiligten Parteien gebe. Eine weitere Verhandlungsrunde wird demnach stattfinden, nachdem sich die einzelnen Parteien mit ihren Anführern zu den bisherigen Ergebnissen besprochen haben. Da Israel und die Hamas nicht direkt miteinander reden, treten die USA, Katar und Ägypten als Vermittler auf. (DPA)

Gestern, 14:40Palästinenser kehren nach israelischem Abzug nach Chan Junis zurück

Nach dem israelischen Abzug aus Chan Junis im Gazastreifen erkennen die Rückkehrer ihre Stadt kaum wieder: Zahlreiche Gebäude sind zerstört oder schwer beschädigt, wo einst Wohnungen und Geschäfte standen, türmen sich jetzt Schuttberge. Dennoch strömen die Menschen am Montag herbei, einen Tag, nachdem das israelische Militär den Rückzug seiner Truppen ankündigte, wie die DPA berichtet.

«Viele Gebiete, insbesondere das Stadtzentrum, sind unbewohnbar geworden», sagt Mahmud Abdel-Ghani, der im Dezember aus Chan Junis floh, als Israel mit der Bodeninvasion begann. Sein Haus und die Häuser seiner Nachbarn seien nur noch Schutt und Asche. Najwa Ajjasch, die ebenfalls aus Chan Junis vertrieben wurde, sagt, sie habe die Wohnung ihrer Familie im dritten Stock nicht erreichen können, weil die Treppe verschwunden sei. Ihr Bruder bahnte sich durch die Zerstörung einen Weg nach oben und holte einige Gegenstände hinab, darunter Kleidung für ihre Kinder.

Nach dem israelischen Rückzug könnte die Hamas versuchen, sich in Chan Junis neu zu formieren, wie sie es in anderen Gebieten tat, in denen das Militär seine Truppenstärke reduzierte. Der Rückzug ermöglichte aber auch Palästinensern die Rückkehr, die nun versuchen, verbliebenen Besitz aus den Trümmern zu retten. Schon am Sonntag, kurz nachdem das Militär seinen Rückzug angekündigt hatte, verliessen die ersten Palästinenser die Stadt mit einigen wenigen Habseligkeiten.

Zu Fuss und auf Fahrrädern trugen sie alles, was sie sammeln konnten, in Plastiktüten und Wäschekörben davon. Einer schleppte eine zusammengerollte Matratze, ein anderer einen Standventilator. Ein Mann transportierte Holz mit seinem Fahrrad. Viel ist allerdings nicht geblieben, wie Bassel Abu Nasser sagt, der nach einem Luftangriff auf sein Haus im Januar floh. Die Stadt sei grossteils zerstört. «Es gibt dort kein Leben mehr», sagt der 37-jährige Vater von zwei Kindern. «Sie haben dort nichts hinterlassen.»

Unklar war der Zustand des Nasser-Krankenhauses, des grössten in Chan Junis. Die Klinik war wiederholt Ziel israelischer Angriffe. Soldaten stürmten zudem das Gelände, weil das israelische Militär dort die sterblichen Überreste von Geiseln der Hamas vermutete. Videoaufnahmen aus dem Krankenhaus zeigen, dass das Notaufnahmegebäude intakt zu sein scheint. Trümmer sind jedoch im Inneren verstreut, wo einst Tausende Vertriebene Schutz suchten, bevor sie vom Militär zur Räumung gezwungen wurden. (DPA)

Gestern, 11:53Vater von in Gaza getötetem WCK-Helfer fordert von USA mehr Härte

In einem Telefonat mit US-Aussenminister Antony Blinken hat der Vater eines bei dem Luftangriff der israelischen Armee auf Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation im Gazastreifen getöteten Mannes Washington zu einer härteren Haltung gegenüber Israel aufgefordert. Das israelische Vorgehen gegen Zivilisten in dem von der militant-islamistischen Hamas regierten Gebiet müsse aufhören, sagte John Flickinger nach eigenen Angaben am Samstag in seinem 30-minütigen Gespräch mit Blinken.

Um das zu erreichen, müssten die USA ihren Einfluss auf ihren engsten Verbündeten im Nahen Osten geltend machen und Druck ausüben. Flickingers 33 Jahre alter Sohn Jacob, der sowohl die US- als auch die kanadische Staatsbürgerschaft hatte, war einer von sieben Helfern der Organisation World Central Kitchen, die vergangene Woche bei dem israelischen Luftangriff getötet wurden. «Wenn die USA mit einem Aussetzen von Hilfe für Israel gedroht hätten, würde mein Sohn heute vielleicht noch leben», sagte Flickinger der Nachrichtenagentur AP am Sonntag.

Blinken habe keine neuen politischen Massnahmen zugesagt, aber erklärt, die US-Regierung habe dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu eine deutliche Botschaft übermittelt: dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Israel ändern könnten, wenn die israelischen Streitkräfte nicht mehr Rücksicht auf das Schicksal der Zivilisten in Gaza nähmen. «Ich hoffe, dass dies der letzte Strohhalm ist, dass die Vereinigten Staaten die Hilfe aussetzen und sinnvolle Massnahmen ergreifen werden, um eine Veränderung in der Art und Weise zu bewirken, wie Israel diesen Krieg führt», sagte John Flickinger.

Ausser seinem Sohn Jacob kamen drei britische Staatsbürger, eine Australierin, ein Pole und ihr palästinensischer Fahrer bei dem Angriff auf den Hilfskonvoi ums Leben. Der Vorfall sorgte weltweit für Empörung. (DPA)

Gestern, 09:44Israel: Hamas feuert Raketen aus humanitärer Zone ab

Israel hat der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas vorgeworfen, aus einer «humanitären Zone» im Süden des Gazastreifens Raketen auf Israel abgefeuert zu haben. Israelische Kampfjets hätten drei Abschussrampen der Hamas in einer solchen Zone im Westen der Stadt Chan Junis gezielt angegriffen und zerstört, teilte die Armee am Montag ab. Das Militär hatte sich am Sonntag nach einem monatelangen Bodeneinsatz aus Chan Junis zurückgezogen.

Am Sonntag seien drei Geschosse von dem als konfliktfrei designierten Gebiet in Chan Junis aus auf israelische Ortschaften abgefeuert worden, hiess es in der Mitteilung. Sie seien auf offenem Gebiet eingeschlagen. Bei dem darauffolgenden Angriff der Luftwaffe auf die Abschussrampen seien keine Zivilisten gefährdet worden.

Die Hamas äusserte sich zunächst nicht zu den Vorfällen. Der militärische Arm der Terrororganisation hatte seit Beginn des Gaza-Kriegs vor sechs Monaten immer wieder Raketenangriffe auf israelische Städte und Ortschaften für sich reklamiert. (DPA)

Gestern, 09:26Israel: Wichtigen Hisbollah-Kommandeur gezielt getötet

Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge am Montag einen wichtigen Kommandeur der proiranischen Schiitenmiliz Hisbollah gezielt getötet. Es handele sich um einen Kommandeur der Radwan-Truppe, einer Eliteeinheit der Hisbollah, im Süden des Libanons. Er und zwei weitere Hisbollah-Kämpfer unter seinem Kommando seien bei einem Luftangriff in Sultanija getötet worden. Die Hisbollah bestätigte am Montag den Tod des Kommandeurs, nannte aber keine weiteren Details.

Sein Rang sei mit dem eines Brigadekommandeurs vergleichbar, hiess es in der Mitteilung der Armee. «In seiner Rolle war er verantwortlich für die Planung und Ausführung von Terrorattacken auf israelische Zivilisten im Norden Israels.» Seit Beginn des Krieges habe er mehrere Angriffe auf israelisches Gebiet befehligt. (DPA)

Gestern, 07:27Bericht: Fortschritte bei Gaza-Verhandlungen in Kairo

Bei den indirekten Verhandlungen in Kairo über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg sind einem ägyptischen Medienbericht zufolge Fortschritte erzielt worden. Es gebe eine Einigung über die grundlegenden Punkte zwischen allen beteiligten Parteien, berichtete der staatliche ägyptische Fernsehsender Al-Qahera unter Berufung auf eine ranghohe ägyptische Quelle.

Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Laut Al-Qahera haben die Delegationen der islamistischen Hamas und Katars Kairo verlassen und wollten innerhalb von zwei Tagen zurückkehren, um sich auf die Bedingungen des endgültigen Abkommens zu einigen. Die Gespräche sollten in den nächsten 48 Stunden fortgesetzt werden, hiess es. (DPA)

Gestern, 05:18Die Nacht auf Montag im Überblick

Während die Vermittler im Gaza-Krieg einen neuen Vorstoss für eine Waffenruhe unternehmen, befeuert die israelische Armee nach einem Teilabzug die Spekulationen um einen möglichen Angriff auf Rafah im Süden des Küstenstreifens. Die Truppen hätten nach Zerschlagung der militärischen Strukturen der islamistischen Hamas in Chan Junis die lange umkämpfte Stadt verlassen, «um sich auf ihre künftigen Missionen vorzubereiten, einschliesslich in Rafah», sagte Verteidigungsminister Joav Galant am Sonntag. Dies könnte auf eine bevorstehende Einigung bei den neuen Verhandlungen in Kairo über eine Waffenruhe und Freilassung von Geiseln hindeuten, schrieb die israelische Zeitung «Haaretz». In dem Fall werde eine Offensive auf Rafah für die Dauer der Feuerpause ausbleiben. Doch selbst wenn es keine Einigung geben sollte, werde es mit ziemlicher Sicherheit noch eine Weile dauern, bis Israels Armee in Rafah vorgehe, schrieb die Zeitung.

Israels Generalstabschef: sind weit davon entfernt, aufzuhören

Genau sechs Monate nach Beginn des Gaza-Krieges hatte Israels am Sonntag überraschend einen Teil seiner Truppen aus Chan Junis abgezogen. Kurz darauf machten sich die ersten Palästinenser laut israelischen Medienberichten auf, dorthin zurückzukehren. Nach monatelangem Bombardement und schweren Kämpfen zwischen israelischen Truppen und Kämpfern der islamistischen Hamas liegt ein Grossteil des Gebiets in Trümmern. Israels Generalstabschef Herzi Halevi machte derweil deutlich, dass ein Ende des Krieges noch lange nicht in Sicht ist. «Der Krieg in Gaza dauert an, und wir sind weit davon entfernt, aufzuhören», sagte Halevi am Sonntag. Ranghohe Funktionäre der Hamas hielten sich in dem abgeriegelten Küstengebiet weiter versteckt. «Wir werden sie früher oder später erreichen.»

«Wir werden keine Hamas-Brigaden aktiv lassen – in keinem Teil des Gazastreifens», sagte Halevi. Die Zeit werde kommen, in der die Hamas nicht länger das Küstengebiet kontrolliere und die Sicherheit Israels bedrohe, sagte auch Verteidigungsminister Galant. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat immer wieder erklärt, dass hierzu ein Einmarsch in Rafah und die Zerschlagung der dort verbliebenen letzten Bataillone der Hamas unerlässlich sei. In der an Ägypten grenzenden Stadt suchen derzeit mehr als eine Million Palästinenser auf engstem Raum Schutz vor den Kämpfen.

Bericht: Noch keine Vorbereitungen für Evakuierungen in Rafah

Die USA und Deutschland haben Israel wiederholt vor einer grossangelegten Bodenoffensive in Rafah gewarnt. US-Präsident Joe Biden hatte Netanyahu klargemacht, dass ein Einmarsch dort ohne vorherige Evakuierung der Zivilisten eine «rote Linie» für ihn wäre. Israels Armee kündigte an, für die Menschen aus Rafah weiter nördlich «humanitäre Inseln» zu schaffen. Vorbereitungen dafür gebe es aber noch gar nicht, schrieb «Haaretz». Möglich sei denn auch, dass keine dieser Entwicklungen über die kommenden Wochen oder Monate hinweg eintrete. Dies würde nur einem dienen: Netanyahu, schrieb die israelische Zeitung weiter.

Nach Einschätzung amerikanischer und israelischer Beamter glaube Israels zunehmend unter Druck stehender Ministerpräsident, dass ein sich in die Länge ziehender Krieg im Gazastreifen seine Chancen erhöhe, an der Macht zu bleiben, berichtete auch das Nachrichtenportal «Axios». In einer Kabinettssitzung sagte Netanyahu am Sonntag einmal mehr, Israel sei «einen Schritt vom totalen Sieg entfernt». Solange der Krieg andauere, seien Neuwahlen, die Netanyahu um sein Amt bringen könnten, weniger wahrscheinlich, hiess es in dem «Axios»-Bericht. «Und je mehr Zeit vergeht, desto mehr Chancen hat er, sich politisch zu erholen.»

50’000 Menschen demonstrieren in Jerusalem für die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen. (7. April 2024)

Erneut Massen-Demonstration in Israel

Am Sonntagabend gingen in Jerusalem nach Angaben der Organisatoren der Massendemonstration erneut rund 50’000 Menschen auf die Strasse und forderten in Sprechchören Netanyahu und seine Regierung auf, die im Gazastreifen weiter festgehaltenen Geiseln nach Hause zu bringen. Auch am Vortag hatten Zehntausende Menschen in Tel Aviv und anderen israelischen Städten gegen Netanyahus Regierung demonstriert. Kritiker werfen ihm vor, den Schutz der Gaza-Grenze vernachlässigt zu haben und die Interessen des Landes seinem politischen Überleben unterzuordnen. Demonstranten forderten wiederholt seinen Rücktritt.

Viele Israelis haben nach wie vor mit den traumatischen Folgen des Massakers vom 7. Oktober zu kämpfen. Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen hatten an jenem Tag den Süden Israels überfallen, rund 1200 Menschen getötet und weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Es war der Auslöser des Gaza-Krieges. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten palästinensischen Gesundheitsbehörde in Gaza wurden bisher mehr als 33’000 Palästinenser bei den israelischen Angriffen getötet, wobei die unabhängig kaum zu überprüfenden Angaben keinen Unterschied zwischen Kämpfern und Zivilisten machen.

CIA-Chef und Hamas-Vertreter in Kairo zu Gesprächen über Waffenruhe

Unterdessen sind am Sonntag in Kairo die indirekten Verhandlungen über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln, die von der Hamas festgehalten werden, wieder aufgenommen worden. Zu diesem Zweck reisten CIA-Direktor William Burns und eine Delegation der Hamas in die ägyptische Hauptstadt. Am Sonntagabend traf auch der katarische Ministerpräsident und Aussenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani ein. Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, soll israelischen Berichten nach ebenfalls teilnehmen. Die USA als Israels wichtigster Verbündeter wollen einen Durchbruch in den seit Wochen festgefahren Verhandlungen herbeiführen.

Da Israel und die Hamas nicht direkt miteinander reden, treten die USA, Katar und Ägypten als Vermittler auf. Im Laufe einer einwöchigen Feuerpause Ende November vergangenen Jahres liess die Hamas 105 Geiseln im Austausch gegen 240 palästinensische Häftlinge frei. Knapp 100 der Geiseln, die nach dem Terrorüberfall der Hamas vom 7. Oktober nach Gaza verschleppt wurden, dürften nach israelischen Schätzungen noch am Leben sein.

Neue Drohungen aus dem Iran

Unterdessen wurden am Sonntag neue Drohungen aus dem Iran gegen Israel laut. «Die Widerstandsfront ist bereit für alle möglichen Vergeltungsszenarien und keine israelische Botschaft weltweit ist sicher davor», sagte General Jajhja Rahim-Safawi am Sonntag. Er ist ein Berater des obersten iranischen Führers, Ayatollah Ali Khamenei. Vergangene Woche waren unter anderem zwei iranische Brigadegeneräle bei einem Raketenangriff auf das iranische Botschaftsgelände in Damaskus getötet worden. Irans Staatsspitze macht Israel für die Attacke verantwortlich und drohte mit Vergeltung. Seitdem wird ein Angriff auf Ziele Israels oder der USA befürchtet. Beide Länder sind daher in höchster Alarmbereitschaft. (DPA)

07.04.2024, 20:51Israels Generalstabschef nach Teilabzug: Gaza-Krieg lange nicht vorbei

Trotz eines Teilabzugs israelischer Truppen im Gazastreifen ist nach Angaben von Israels Generalstabschef Herzi Halevi ein Ende des Gaza-Kriegs noch lange nicht in Sicht. «Der Krieg in Gaza dauert an, und wir sind weit davon entfernt, aufzuhören», sagte Halevi am Sonntag. Hochrangige Funktionäre der islamistischen Hamas hielten sich in dem Küstengebiet weiter versteckt. «Wir werden sie früher oder später erreichen», sagte er. «Wir werden keine Hamas-Brigaden aktiv lassen – in keinem Teil des Gazastreifens.»

Als Generalstabschef fühle er sich persönlich dafür verantwortlich, alle Geiseln, die in dem Küstengebiet festgehalten werden, «so schnell wie möglich zurückzubringen», sagte Halevi. Trotz aller militärischen Fortschritte in Gaza in den vergangenen sechs Monaten seien nicht alle Ziele erreicht worden – «alle Geiseln nach Hause zu bringen, die Einwohner aus dem Norden (Israels) in Sicherheit in ihre Häuser zurückkehren zu lassen und die Hamas im ganzen Gazastreifen zu zerschlagen.» (DPA)

Israel zieht Truppen im Süden Gazas ab

Sechs Monate nach Beginn des Gaza-Krieges hat Israel einen Teilabzug seiner Truppen aus dem Palästinensergebiet eingeleitet. «Die 98. Kommando-Abteilung hat ihren Einsatz in Chan Junis beendet», teilte die Armee am Sonntag mit. Sie habe den Gazastreifen verlassen, erhebliche Truppen verblieben jedoch im Gazastreifen. Die Stadt Chan Junis im Süden des abgeriegelten Küstengebiets gilt als wichtiger Stützpunkt der islamistischen Hamas. In Kairo sollten am Sonntag neue indirekte Verhandlungen über eine Waffenruhe beginnen – ob es einen Zusammenhang mit dem israelischen Abzug gab, blieb zunächst unklar. Jüngste Drohungen aus dem Iran versetzten Israel und die USA derweil in höchste Alarmbereitschaft.

Nach Angaben der Armee werden die Truppen den Gazastreifen verlassen, «um sich zu erholen und auf weitere Operationen vorzubereiten». Israelische Medien deuteten den Teilabzug als Ende der grossen Bodenoffensive, die am 27. Oktober vergangenen Jahres begonnen hatte. Künftig seien in der Stadt nur noch gezielte, punktuelle Einsätze geplant, schrieb die Nachrichtenseite ynet. Die Armee werde es den Einwohnern, die Chan Junis verlassen haben, erlauben, in ihre Wohnungen zurückzukehren. Der Abzug umfasse drei Brigaden, nun solle nur noch eine Brigade in dem Küstenstreifen bleiben, berichtete die «Jerusalem Post». (DPA)

07.04.2024, 14:47CIA-Chef und Hamas-Vertreter in Kairo zu Gesprächen über Feuerpause

CIA-Direktor William Burns und eine Delegation der islamistischen Hamas sind für indirekte Gespräche über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die mögliche Freilassung weiterer Geiseln in Kairo eingetroffen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Kreisen des Flughafens in der ägyptischen Hauptstadt. Burns landete demnach am Samstagabend, am Sonntag traf die Hamas-Delegation ein, angeführt vom ranghohen Funktionär Chalil al-Haja. Die Hamas-Vertreter reisten demnach auf Einladung Ägyptens an. Auch der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, sollte israelischen Berichten zufolge nach einer Entscheidung des Kriegskabinetts noch anreisen.

Ein Knackpunkt in den indirekten Verhandlungen war bis zuletzt die Frage, ob und wie viele durch Kämpfe vertriebene Zivilisten in den Norden Gazas zurückkehren dürfen. Einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge drängen die USA Israel in der Frage zu neuen Zugeständnissen. Damit wollen die USA als Israels wichtigster Verbündeter einen Durchbruch in den Verhandlungen ermöglichen, die seit Wochen in einer Sackgasse stecken. Auch Bemühungen, vor Beginn des laufenden muslimischen Fastenmonats Ramadan zu einer Einigung zu kommen, blieben erfolglos. Der Ramadan endet voraussichtlich am Dienstagabend.

Israel und die Hamas verhandeln seit Monaten – aber nicht direkt miteinander. Die USA, Katar und Ägypten treten deshalb als Vermittler auf. Im Laufe einer einwöchigen Feuerpause Ende November vergangenen Jahres hatte die Hamas 105 Geiseln freigelassen. Im Gegenzug entliess Israel 240 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen. Knapp 100 der Geiseln, die nach dem Terrorüberfall der Hamas vom 7. Oktober nach Gaza verschleppt wurden, dürften nach israelischen Schätzungen noch leben. (DPA)

07.04.2024, 14:32Iran: Israels Botschaften nach Angriff in Syrien «nicht mehr sicher»

Nach dem Israel zugeschriebenen Angriff auf ein iranisches Konsulargebäude in Damaskus hat die Führung in Teheran eine Drohung gegen israelische Vertretungen im Ausland ausgesprochen. «Die Botschaften des zionistischen Regimes sind nicht mehr sicher», sagte Jahja Rahim Safawi, hochrangiger Berater des geistlichen Oberhaupts Ali Chamenei, am Sonntag laut der Nachrichtenagentur Isna. Aus diesem Grund habe Israel «aus Angst bis gestern 27 Botschaften geschlossen», fügte Safawi demnach hinzu.

Rettungskräfte auf dem zerstörten Konsulargebäude der iranischen Botschaft in Damaskus, Syrien (1. April 2024).

Der Berater von Ayatollah Chamenei nannte als Beispiel die israelischen Vertretungen in Jordanien, Ägypten, Bahrain und in der Türkei.

Bei Luftangriffen auf das Konsulargebäude in Syriens Hauptstadt waren am Montag mindestens 13 Menschen getötet worden, darunter sieben Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden. Der Iran, Syrien und Russland machten Israel für den Angriff verantwortlich. Israel äusserte sich nicht zu dem Vorfall.

Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen hat Israel auch seine Angriffe auf iranische Ziele und auf Teherans Verbündete in Syrien und dem Libanon verstärkt. (AFP)

07.04.2024, 12:30Sechs Monate Gaza-Krieg in Zahlen

Die Bilanz des seit sechs Monaten wütenden Gaza-Krieges ist verheerend. Mehr als 33’000 Menschen wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bisher im Gazastreifen getötet und knapp 76’000 weitere verletzt. Die Behörde unterscheidet dabei nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Nach israelischen Angaben wurden im Gazastreifen rund 12’000 Terroristen getötet, das wären mehr als ein Drittel der Toten. Die Angaben beider Konfliktparteien lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Das Grauen begann mit schlimmstem Massaker seit dem Holocaust

Auslöser des Krieges war der Terrorangriff der islamistischen Hamas auf das israelische Grenzgebiet am 7. Oktober vergangenen Jahres, bei dem mehr als 1200 Menschen getötet wurden. Es war das schlimmste Massaker in der Geschichte des Landes; einschliesslich Leichenschändungen und Vergewaltigungen. Ausserdem verschleppten Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Organisationen mehr als 250 Menschen in den Gazastreifen. Bis heute werden dort nach israelischen Informationen noch 133 Menschen festgehalten, davon sollen aber höchstens noch knapp hundert am Leben sein.

Auf der israelischen Seite wurden seit dem 7. Oktober insgesamt mehr als 1500 Menschen getötet, darunter 600 Soldaten. Mehr als 15 000 erlitten Verletzungen.

Verheerende Reaktion Israels im Gazastreifen

Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer zerstörerischen Bodenoffensive im Gazastreifen. Rund 300’000 israelische Reservisten wurden zu Beginn des Krieges einberufen.

Mehr als 1,7 Millionen der insgesamt 2,2 Millionen Einwohner des Küstenstreifens wurden nach UN-Angaben seitdem zu Binnenvertriebenen. Das Gebiet am Mittelmeer, das flächenmässig etwa so gross ist wie München, liegt weitgehend in Schutt und Asche. Unter den mehr als 33 000 Toten sind auch Sanitäter, Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

Alle Gaza-Einwohner sind nach UN-Angaben von «hoher, akuter Ernährungsunsicherheit», die Hälfte von ihnen sogar von «katastrophaler Ernährungsunsicherheit» betroffen. Hilfsorganisationen warfen Israel vor, die Hilfslieferungen zu behindern. Israel wies dies zurück und sagte, das Problem liege vielmehr im Gazastreifen, weil die Akteure dort offenbar nicht in der Lage seien, mehr Hilfsgüter zu verteilen.

Nach Angaben der israelischen Cogat-Behörde wurden seit Beginn des Krieges mehr als 388’850 Tonnen humanitärer Hilfsgüter in den Gazastreifen transportiert, in mehr als 20 700 Lastwagen.

Krieg verursachte Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe

Der Gaza-Krieg hat einer Schätzung der Weltbank und der Vereinten Nationen zufolge einen Sachschaden in zweistelliger Milliardenhöhe verursacht. Die Institutionen bezifferten den Schaden an der kritischen Infrastruktur im Gazastreifen mit rund 18,5 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht den Angaben zufolge 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Gazastreifen und Westjordanland im Jahr 2022. Dem Bericht zufolge machten Schäden an Wohngebäuden 72 Prozent des Gesamtschadens aus. Auch im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen sowie zum Libanon hat der Krieg schwere Verwüstungen angerichtet. (DPA)

07.04.2024, 06:17Die Nacht auf Sonntag im Überblick

In dem seit nun schon sechs Monaten andauernden Gaza-Krieg mit Zehntausenden von Toten ist weiterhin kein Ende der Feindseligkeiten zwischen Israel und der islamistischen Hamas in Sicht. Während die USA den seit Wochen stockenden Verhandlungen über eine Feuerpause und Freilassung von Geiseln in der Gewalt der Hamas mit einem neuen Vorstoss in Kairo zum Durchbruch verhelfen wollen, sieht sich Israels Führung unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu international, aber auch im eigenen Land immer stärker unter Druck. Zehntausende Menschen gingen am Samstagabend in Tel Aviv und anderen israelischen Städten gegen Netanyahus Regierung auf die Strasse und forderten ernsthaftere Bemühungen um die Freilassung der von der Hamas verschleppten Geiseln. Nach Medienberichten handelte es sich um die grössten Proteste seit dem 7. Oktober, als ein Massaker der Hamas und anderer extremistischer Gruppen in Israel den Gaza-Krieg auslöste.

Gaza-Krieg drängt Israel in die Isolation

Die Terroristen hatten an jenem Tag vor sechs Monaten den Süden Israels überfallen, rund 1200 Menschen getötet und weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israels Streitkräfte reagierten mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive, die verheerende Wirkung entfaltete. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten palästinensischen Gesundheitsbehörde in Gaza wurden bisher mehr als 33’000 Palästinenser getötet, wobei die unabhängig kaum zu überprüfenden Angaben keinen Unterschied zwischen Kämpfern und Zivilisten machen. Die israelische Armee gab am Sonntagmorgen den Tod vier weiterer Soldaten bekannt. Seit Beginn der israelischen Bodenoffensive Ende Oktober sind damit 260 Soldaten und Soldatinnen getötet worden, wie die «Times of Israel» berichtete.

Ein Grossteil der 2,2 Millionen palästinensischen Einwohner des abgeriegelten Küstengebiets hat wegen der massiven Zerstörungen inzwischen kein Heim mehr, viele leiden unter Hunger. Wegen seiner brutalen Kriegsführung ist Israel auf der Weltbühne zunehmend isoliert. Selbst Verbündete üben nun offen Kritik an Ministerpräsident Netanyahu. In den Vereinigten Staaten und Grossbritannien mehren sich Rufe nach einem Stopp der Waffenlieferungen an Israel. Gleichzeitig stehen Netanyahu und seine Regierung im eigenen Land unter wachsendem Druck. Kritiker werfen ihm vor, den Schutz der Gaza-Grenze vernachlässigt zu haben und die Interessen des Landes seinem politischen Überleben unterzuordnen. Viele Menschen in Israel haben mit den traumatischen Folgen des Massakers vom 7. Oktober zu kämpfen.

Massenproteste in Israel

Bei den Massenprotesten am Samstagabend entfachten Demonstranten mehrere Feuer auf der Strasse. Dabei kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei, wie Medien berichteten. Angehörige der Verschleppten werfen Netanyahu vor, einem Geisel-Deal im Wege zu stehen. Im Laufe einer einwöchigen Feuerpause Ende November hatte die Hamas 105 Geiseln freigelassen. Im Gegenzug entliess Israel 240 palästinensische Häftlinge aus seinen Gefängnissen. Knapp 100 der im Gazastreifen verbliebenen Geiseln dürften nach israelischen Schätzungen noch leben. Israel und die Hamas verhandeln seit Monaten – aber nicht direkt miteinander. Stattdessen treten die USA, Katar und Ägypten als Vermittler auf. Die Gespräche über eine Feuerpause und Freilassung der Geiseln stocken seit Wochen. Washington will einen Durchbruch erzwingen.

Angehörige und Unterstützer demonstrieren vor dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv für die Freilassung der Geiseln. (6. April 2024)

Bericht: USA drängen Israel zu Zugeständnis

Wie das «Wall Street Journal» am Samstag unter Berufung auf amerikanische, israelische und ägyptische Beamte berichtete, will die US-Regierung erreichen, dass Israel bei einer neuen Verhandlungsrunde der Vermittler in Kairo eine begrenzte Rückkehr von Zivilisten in den Norden des umkämpften Gazastreifens erlaubt. Vertreter der Hamas wollen nach eigenen Angaben an diesem Sonntag nach Kairo reisen, um weiterzuverhandeln. Israels Kriegskabinett sollte laut israelischen Medienberichten am Sonntagmorgen zusammentreten, um zunächst darüber zu beraten, ob es eine Delegation nach Kairo schickt oder nicht.

Die von der Hamas geforderte Rückkehr der palästinensischen Zivilisten in den Norden des abgeriegelten Küstengebiets sei ein entscheidender Streitpunkt bei den Gesprächen, berichtete das «Wall Street Journal». Israel sei bereit, die Rückkehr von täglich 2000 Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder, in den Norden zuzulassen. Insgesamt bis zu 60’000 Palästinenser könnten nach einem von Israel als akzeptabel erachteten Vorschlag zurückkehren. Männer zwischen 18 und 50 Jahren wären davon aber ausgeschlossen.

Hamas beharrt auf ihren eigenen Forderungen

Die vor den Kämpfen in den Süden des Küstengebiets geflohenen Menschen müssten demnach israelische Militärkontrollpunkte passieren, damit bewaffnete Hamas-Kämpfer nicht erneut in den Norden Gazas eindringen, hiess es unter Berufung auf israelische und ägyptische Beamte weiter. Diese Bedingungen würden jedoch von der Hamas abgelehnt. Man werde in den Verhandlungen nicht von den eigenen Forderungen abweichen, teilte die Hamas am Samstag mit. Dazu zählen unter anderem ein dauerhafter Waffenstillstand, der Abzug von Israels Armee aus Gaza und die Rückkehr von Vertriebenen.

Netanyahu hat immer wieder deutlich gemacht, «bis zum totalen Sieg kämpfen» zu wollen. Auch lehnt er bisher jeglichen Plan für «den Tag danach» ab, der eine Übergabe der Macht im Gazastreifen in palästinensische Hände vorsieht. «Niemand weiss, wann und wie dieser Krieg enden wird», sagte Khaled Elgindy vom Middle East Institute in Washington dem US-Sender CNN.

Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid wird unterdessen nach eigenen Angaben am Sonntag zu Gesprächen nach Washington fliegen. Das Verhältnis der US-Regierung zu Netanyahu hat sich deutlich abgekühlt, inzwischen treten die Konfliktlinien überdeutlich zutage – auch öffentlich. Spannungen bestehen vor allem wegen der Art der Kriegsführung und wegen der aus US-Sicht von Israel blockierten Lieferung ausreichender humanitärer Hilfe. Washington sucht deshalb die Nähe zu politischen Gegnern Netanyahus wie Lapid.

Experten warnen vor Anarchie in Gaza

«Israel kann sein erklärtes Ziel, die Hamas zu eliminieren, nicht erreichen, weil die Hamas ein integraler Bestandteil der palästinensischen Gesellschaft im Westjordanland und im Gazastreifen ist. Ihre Popularität hat in den vergangenen Monaten zugenommen», zitierte CNN am Samstag zudem den Nahost-Experten Nathan Thrall in Jerusalem. «Nachdem Israel erklärt hat, dass es die Hamas im Norden besiegt hat, sieht man, dass jede Woche israelische Soldaten im Norden sterben», sagte Thrall. Es sei offensichtlich, dass die Hamas auch nach dem Krieg existieren werde, ob Israel nun wie geplant in der mit Hunderttausenden Flüchtlingen überfüllten Stadt Rafah im Süden einmarschiert oder nicht.

Höchstwahrscheinlich werde es zu einer unbefristeten israelischen Militärpräsenz in Gaza kommen, sagte Elgindy dem Sender. «Es wird so etwas wie einen Zusammenbruch von Recht und Ordnung und immer mehr Chaos geben. Wir werden Warlords, Banden und Clans sehen (…) Gaza ist zu einem Ort geworden, der nicht wirklich lebenswert ist», wurde der Experte zitiert. Wenn es jemanden geben sollte, der glaubt, dass diese Situation den Israelis Sicherheit bringen werde, «dann ist das eine völlig wahnhafte Vorstellung», sagte Elgindy. (DPA)

07.04.2024, 03:21Bericht: USA drängen Israel zu Zugeständnis bei Gaza-Verhandlungen

Die USA drängen Israel bei den indirekten Verhandlungen um eine Feuerpause im Gaza-Krieg und die Freilassung von Geiseln laut einem Medienbericht zu Zugeständnissen in einem Kernpunkt. Demnach will die US-Regierung erreichen, dass eine begrenzte Rückkehr von Zivilisten in den Norden des seit sechs Monaten umkämpften Küstengebiets ermöglicht wird.

Wie das «Wall Street Journal» am Samstag unter Berufung auf amerikanische, israelische und ägyptische Beamte berichtete, wollen die USA als Israels wichtigster Verbündeter mit ihrem Vorstoss einen Durchbruch bei den seit Wochen stockenden Verhandlungen ermöglichen. Vertreter der islamistischen Hamas wollen nach eigenen Angaben an diesem Sonntag nach Kairo reisen, um weiterzuverhandeln. Israels Kriegskabinett sollte laut israelischen Medienberichten am Sonntagmorgen zusammentreten, um zunächst darüber zu beraten, ob es eine Delegation nach Kairo schickt oder nicht. (DPA)

07.04.2024, 02:48Britischer Premier: Schrecklicher Konflikt im Gazastreifen muss enden

Sechs Monate nach dem beispiellosen Angriff der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel hat der britische Premierminister Rishi Sunak ein Ende des Gaza-Kriegs gefordert. «Wir unterstützen weiterhin Israels Recht, sich vor der Gefahr durch die Hamas-Terroristen zu schützen und seine Sicherheit zu verteidigen», erklärte Sunak am Samstagabend in London. «Aber ganz Grossbritannien ist schockiert von dem Blutvergiessen.»

«Dieser schreckliche Konflikt muss enden», forderte Sunak. Die von der Hamas und ihren Helfern aus Israel verschleppten Geiseln müssten freikommen, zugleich müssten die Menschen im Gazastreifen mit riesigen Mengen an Hilfsgütern versorgt werden.

Die Kinder in dem Palästinensergebiet bräuchten «sofort eine humanitäre Pause, die zu einer langfristigen nachhaltigen Waffenruhe führt». Dies sei «der schnellste Weg, um die Geiseln herauszubekommen und Hilfe hineinzubringen und die Kämpfe und den Verlust von Leben zu stoppen», mahnte Sunak.

Der britische Premier hob hervor, die «terroristische Gräueltat» der Hamas vom 7. Oktober sei «der entsetzlichste Angriff in Israels Geschichte, der höchste Verlust jüdischen Lebens seit dem Zweiten Weltkrieg» gewesen. «Sechs Monate später sind Israels Wunden weiter nicht verheilt. Familien trauern und Geiseln werden immer noch von der Hamas festgehalten», fügte Sunak hinzu.

Grossbritannien ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant Israels. Nach Vorfällen wie dem Tod von drei Mitarbeitern der Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) am Montag durch einen israelischen Luftangriff im Gazastreifen wächst allerdings der Druck auf die Regierung in London, die Waffenlieferungen an Israel einzustellen. (AFP)

07.04.2024, 02:46Israels Präsident verurteilt Hamas-Angriff vor halbem Jahr als «Verbrechen»

Ein halbes Jahr nach dem Beginn des Gaza-Kriegs hat der israelische Präsident Isaac Herzog auf die Verbrechen der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas verwiesen. Israel erinnere am Sonntag an «den grausamen Terrorangriff und das grauenerregende Massaker» der Hamas vom 7. Oktober, erklärte Herzog am Samstagabend. «Ein halbes Jahr seit diesem Verbrechen gegen unsere Schwestern und Brüder, gegen unseren Staat, diesem Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sechs Monate eines blutigen und schwierigen Krieges.» (AFP)

06.04.2024, 22:25Zehntausende demonstrieren in Israel gegen Netanyahu

Zehntausende Menschen haben am Samstagabend in Tel Aviv und anderen israelischen Städten gegen die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu demonstriert. Sie forderten ernsthaftere Bemühungen um die Freilassung der von der islamistischen Hamas verschleppten Geiseln. An diesem Sonntag werden es genau sechs Monate her sein, dass Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen den Süden Israels überfielen, knapp 1200 Menschen töteten und weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppten.

Einer der Redner in Tel Aviv erinnerte an Netanyahus Bruder Joni, der 1976 als Elitesoldat bei der Befreiung von Geiseln aus einem von palästinensischen und deutschen Terroristen entführten Flugzeug ums Leben gekommen war. «Und was ist mit dir, Bibi?», fragte er, Netanyahu mit der Kurzform seines Vornamens ansprechend. «Was hast du getan? Was wird dein Erbe sein? Nichts als politischer Spin und Intrige (…) wird dein Erbe sein.»

Die Demonstranten entzündeten mehrere Feuer auf der Strasse. Polizisten schritten ein und löschten sie mit Feuerlöschern. Dabei kam es zu Zusammenstössen zwischen Beamten und Demonstranten, wie Medien berichteten. An einer anderen Stelle überfuhr ein Auto offenbar mutwillig drei Kundgebungsteilnehmer, die Verletzungen erlitten. Die Polizei nahm den Fahrer des Wagens fest.

Demonstrationen gab es auch in Jerusalem, Haifa, Beerscheba, Herzlija und in Caesarea vor einer Privatvilla Netanyahus. Nach Medienberichten handelte es sich am Samstag um den grössten Protest seit dem 7. Oktober, als das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels den Gaza-Krieg auslöste. Israels Streitkräfte reagierten mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive.

Wegen seiner brutalen Kriegsführung wird Israel inzwischen weltweit kritisiert. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten palästinensischen Gesundheitsbehörde wurden 33 000 Palästinenser getötet. Die Angaben machen keinen Unterschied zwischen Kämpfern und Zivilisten. Bis zu 70 Prozent der Opfer sollen Frauen, Minderjährige und ältere Männer sein.

Israelischen Schätzungen zufolge sind heute noch knapp 100 der verbliebenen Geiseln am Leben. Im Rahmen eines Abkommens hatte die Hamas während einer einwöchigen Feuerpause Ende November vergangenen Jahres 105 Geiseln freigelassen. Im Gegenzug entliess Israel 240 palästinensische Häftlinge aus seinen Gefängnissen. (DPA)

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SDA/AFP/red