July 25, 2024

Als die Nachricht kam, dass iranische Drohnen auf dem Weg nach Israel seien, wurde das Mullah-Regime sofort gefeiert, wie bei dieser Demonstration vor der britischen Botschaft in Teheran.

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Teherans oberster General klang am Sonntagmorgen zufrieden mit sich. Die Ziele seiner Operation gegen Israel seien erreicht worden, sagte Mohammad Bagheri, der Stabschef der Armee, dank «durchdachter Taktik und guter Planung». Welche die Ziele waren, erwähnte er nicht. Es schien in der Nacht zuvor auch, als wäre dem iranischen Regime die Botschaft an Israel und die USA wichtiger als der Militärschlag selbst.

Schon in der Nacht, die Drohnen aus dem Iran waren noch Richtung Israel unterwegs, hatte sich die iranische Botschaft bei den Vereinten Nationen mit einem Tweet gemeldet. Über den Angriff auf Israel sprachen die Diplomaten da schon in der Vergangenheitsform. Die «Sache» könne als «abgeschlossen betrachtet werden», hiess es. Es sei denn, Israel mache «einen weiteren Fehler».

Der prominenteste Verlust seit dem Tod von Qassim Soleimani

Der iranischen Führung war es wohl genau um den Eindruck gegangen, den die Menschen im Nahen Osten in den Nachtstunden bekamen: dass Teheran sich für die Eskalation entschieden habe. Dass es diesmal Ernst macht, nachdem Anfang April ein hoher iranischer General, Mohammad Zahedi, in Damaskus getötet worden war – mutmasslich durch einen israelischen Luftangriff. Zahedi hatte sich dort in einem Gebäude der iranischen Botschaft aufgehalten.

Der General habe in Damaskus Vertreter des palästinischen «Islamischen Jihad» getroffen, schrieb die New York Times. Für den Iran war es der prominenteste Verlust seit dem Tod von Qassim Soleimani, der bei einem Angriff der USA vor vier Jahren ums Leben kam. Wie Soleimani war Zahedi ein wichtiger Kopf der iranischen Revolutionsgarden, er koordinierte deren Auslandseinsätze, sprich das Bündnis mit der libanesischen Hisbollah, mit Milizen im Irak und Syrien oder mit der Hamas.

In den Tagen danach hatte der Iran nach einer Antwort gesucht. Israel «müsse und werde bestraft werden», sagte der oberste Führer Ali Khamenei. Seine Militärs hatten ihm Angriffspläne vorgelegt, so hiess es. Die Revolutionsgarden dürften auf einen harten Gegenschlag gedrängt haben. Andererseits hat Khamenei nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober wieder und wieder klargemacht, dass er sich nicht in den Konflikt drängen lassen will.

Die Unlust der Iraner

So ideologisch verhärtet der Hass der Mullahs auf Israel ist, so klar ist ihnen auch, dass sie bei einem grossen Krieg im Nahen Osten mehr zu verlieren als zu gewinnen haben – ihre Präsenz eben zum Beispiel auf der schiitischen Achse vom Irak über Syrien bis nach Libanon, also bis direkt an die israelische Grenze. Die Unlust der Iraner, all das für die Sache der Hamas und der Palästinenser zu riskieren, war in den vergangenen Monaten nicht zu überhören.

Zugleich stand der Iran unter Druck. Wollte es die Schutzmacht der Palästinenser sein, musste es das auch zeigen, gerade angesichts des Entsetzens in der Region über die Lage der Menschen im Gazastreifen. Das iranische Regime liess seine Stellvertreter in der Region, von der Hisbollah bis zu den jemenitischen Huthi, Angriffe auf Israel und auch US-amerikanische Militärbasen starten. US-Präsident Joe Biden reagierte darauf im Februar mit massiven Luftschlägen gegen iranische Einrichtungen in Syrien und im Irak.

Keine direkten Angriffe, nur solche auf fremdem Territorium – daran hielten sich in der Eskalationslogik bisher sowohl Israel und die USA als auch der Iran. So war es bis zur Nacht auf Sonntag. Da sah die Welt ein Video aus Jerusalem, im Vordergrund die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg, am Himmel iranische Drohnen oder Raketen, daneben die Abfangraketen des Iron Dome, des israelischen Luftabwehrsystems.

Langsame Shahed-Drohnen

Für Teherans Propaganda kann man den Wert dieser Bilder kaum überschätzen. Die Al-Aqsa-Moschee ist das Symbol für den Kampf gegen Israel, den Staat, mit dessen Vernichtung die islamische Republik droht, seit es sie gibt. Über Jahrzehnte sprachen die Mullahs davon, bewaffneten Hisbollah und Hamas und betrieben ihr Atomprogramm. Einen Angriff auf Israel wagten sie bisher nie – erst jetzt, in dieser Nacht.

Als die Nachricht kam, dass iranische Drohnen auf dem Weg nach Israel seien, wurde das Mullah-Regime sofort gefeiert – in der Region mehr als im eigenen Land. Es sah fast nach einer Dramaturgie aus, das Entsenden der relativen langsamen Shahed-Drohnen, die der Iran auch nach Russland verkauft. Mehrere Stunden brauchten die wenigen nach Israel, die nicht schon vor der Ankunft dort durch amerikanische, britische und jordanische Kampfjets abgeschossen wurden.

Wie wenige der Drohnen ihr Ziel erreichen würden, war den Feiernden egal. Es hatte mit Genugtuung zu tun: Seit Monaten schaut die Region nach Gaza und das Leid dort. Dass nun in Israel Panik ausbrach, dass die Menschen dort Schutz suchten vor den Angriffen aus der Luft, dessen wird sich die Führung in Teheran noch lange rühmen. Schwieriger wird es mit den konkreten, den realpolitischen Folgen.

Dem Regime mag es um den nächtlichen Schock gegangen sein. Am Morgen danach schien sich Mohammad Bagheri, der Stabschef der Armee, schon wieder um Deeskalation zu bemühen. Man habe sich bewusst für eine «Strafaktion» anstelle eines «massiven Angriffs» entschieden, so der General. Man habe keine Absicht, die Operation fortzusetzen, es sei denn, Israel lege es darauf an. Nach den Angriffen der Nacht klang es fast wie eine Bitte um Ruhe.

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