July 13, 2024

Autokraten unter sich: Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro und der iranische Präsident Ebrahim Raisi (Teheran, 11. Juni 2022).

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Mitte des vergangenen Jahres brach Ebrahim Raisi zu einer Reise auf. Es gibt nicht mehr viele Länder in der Welt, in denen der Präsident des Iran willkommen ist. In Lateinamerika aber wurde Raisi gleich mehrmals wie ein alter Freund empfangen, in Venezuela ebenso wie in Kuba und Nicaragua. Es wurden mehrere Abkommen unterzeichnet, über wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit oder den Ausbau von Erdölförderanlagen und Schifffahrtsrouten. Und Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro kündigte sogar an, eine Büste aufzustellen von Qassim Soleimani, dem iranischen General, der 2020 bei einer Drohnenattacke der USA im Irak getötet wurde – und zwar an keinem geringeren Ort als in der Grabstätte von Simón Bolívar, dem venezolanischen Nationalhelden schlechthin.

Die Lage im Nahen und Mittleren Osten mag zwar angespannt sein (lesen Sie hier die Analyse über die aktuelle Lage), die Beziehungen zwischen dem Iran und zumindest einigen Regierungen in Lateinamerika könnten trotzdem kaum besser sein. Einerseits ist das überraschend: Vorderasien und den amerikanischen Kontinent trennen mehrere Tausend Kilometer und ein ganzer Ozean, dazu kommen Sprach- und Kulturbarrieren. Doch seit mittlerweile zwei Jahrzehnten betreibt Teheran über alle geografischen Entfernungen hinweg eine Charmeoffensive in Lateinamerika, nicht im grossen Umfang zwar, dafür aber beständig. Und diese Mühe zahlt sich längst aus.

Der Traum von der erwachenden Weltmacht

Begonnen hat sie Anfang der Nullerjahre: Der Iran stand damals unter Druck durch immer neue Sanktionen aus den USA, wo man auch versuchte, das Land politisch zu isolieren. Teheran war also auf der Suche nach neuen Verbündeten und Handelspartnern. In Lateinamerika waren gleichzeitig linke Regierungen an die Macht gekommen, in Argentinien ebenso wie in Venezuela, Bolivien, Brasilien, Nicaragua und Ecuador. Das Selbstvertrauen war riesig, ein weltweiter Rohstoffboom liess das Geld nur so in die Staatskassen sprudeln, und in Caracas, Buenos Aires oder Brasília träumte man davon, die Region in eine Weltmacht zu verwandeln und sich endgültig aus dem Klammergriff der USA zu lösen.

Es war wohl genau jene Abneigung gegen die verhassten «Imperialisten in Washington», welche die linken Regierungen in Lateinamerika und das Regime in Teheran verband. Wo es zuvor keine diplomatischen Beziehungen gegeben hatte, wurden diese nun aufgenommen, und wo aussenpolitische Bande bestanden, wurden sie ausgebaut. Mahmud Ahmadinejad, iranischer Präsident von 2005 bis 2013, reiste immer wieder in die Region. Gleichzeitig flogen Staatschefs wie Evo Morales aus Bolivien, Hugo Chávez aus Venezuela oder Brasiliens Lula da Silva nach Teheran.

Flugverbindung Caracas–Teheran

All diese Treffen und Fototermine hatten nicht nur symbolischen Charakter: Man vereinbarte auch eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit. Brasilien wurde zu einem der Haupthandelspartner für Teheran in der Region, und brasilianischer Mais und Soja wurden bald tonnenweise nach Vorderasien verschickt. Die Regierung in Teheran bewilligte Kredite und Investitionen in Südamerika und baute Fabriken. Zwischen Caracas und Teheran wurde sogar eine Flugverbindung eingerichtet, mit Zwischenstopp in Damaskus. Und noch Mitte 2020, als sich Venezuela gerade auf einem Tiefpunkt seiner Wirtschaftskrise befand, wurde in Caracas eine Filiale der iranischen Supermarktkette Megasis eröffnet, die Regale voll mit Importprodukten aus dem Iran, von Dattelsirup bis hin zu billig gewebten Perserteppichen.

Die Bande zwischen dem Iran und den Ländern in Lateinamerika hielten selbst dann, als in Ländern wie Brasilien, Argentinien, Bolivien oder Ecuador die vormals linken Staatschefs von konservativen Regierungen abgelöst wurden. Es sind aber vor allem die autoritären Regime in der Region, die heute zu den wichtigsten politischen Partnern Teherans in Lateinamerika gehören, Nicaragua und Kuba, vor allem aber Venezuela.

Venezuela sei heute der Brückenkopf für den Iran in der Region, sagt Israel, und längst spiele dabei auch der illegale Handel mit Drogen eine Rolle. Immerhin hiess es aus Caracas, man beobachte die «besorgniserregenden Entwicklungen» im Nahen Osten. Verurteilt wurde der iranische Angriff auf Israel allerdings nicht, stattdessen hiess es, Frieden könne nur gewährleistet werden, wenn Gerechtigkeit wiederhergestellt würde, «insbesondere in Bezug auf das palästinensische Volk und den Staat Palästina».

Auch Nordkorea gehört zum Netzwerk

Ob auch Raketen aus Nordkorea zu den Waffen gehörten, die Israel in der Nacht zum Sonntag bedrohten, ist nicht bekannt. Aber ein Wunder wäre es nicht, denn Nordkorea gehört seit Jahrzehnten zu einem Netzwerk aus iranischen Partnern und militanten Gruppen, die der Hass auf die USA zusammenhält. «Achse des Widerstands» nennt Teheran dieses Netzwerk in Anlehnung an die Bezeichnung «Achse des Bösen», die 2002 der damalige US-Präsident George W. Bush für den Iran, den Irak und Nordkorea gewählt hat. Schon bald nach der islamischen Revolution 1979 war Nordkorea für die iranischen Ayatollahs ein dankbarer Mitstreiter. Diverse politische und militärische Projekte haben beide Regime seither unternommen.

Auch die Iran-freundlichen Terrororganisationen Hizbollah und Hamas scheinen nordkoreanisches Fachwissen zu schätzen. Ein Bericht des israelischen Forschungs- und Bildungszentrums Alma beschrieb 2021 das Tunnelsystem, das die Hizbollah über Jahre mit nordkoreanischer Hilfe angelegt haben soll. Im Januar veröffentlichte der südkoreanische Geheimdienst Bilder, die den Verdacht stärken, dass die Hamas Waffen aus Nordkorea gegen Israel einsetzte. Und das Anti-USA-Netzwerk kann bestimmt auch weiterhin auf Pyongyang zählen. Kim Jong-uns Parteidiktatur hat schon deshalb Interesse an Waffengeschäften und anderen Deals, weil sie dringend Geld braucht.

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