July 13, 2024

«Wichtiges Markensymbol für den Staat»: Das hawaiianische Shaka-Zeichen.

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Als ausgreifendes Werkzeug ist die Hand ein wichtiger Mittler zur Umwelt. Mit einer winkenden Hand kann der Mensch bereits aus der Ferne signalisieren: «Ich komme in Frieden!» (Was sich allerdings keineswegs bewahrheiten muss.) Eine geballte Faust ist Drohgebärde, der erhobene Daumen symbolisiert Zustimmung. Und klatscht man in einer Menschenmenge zwei-, dreimal die Handinnenflächen zusammen, so kann das durchaus ansteckend wirken.

Auf Hawaii hat das Parlament nun einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die Shaka-Geste, welche auch von Windsurfern gerne verwendet wird, zum Nationalsymbol erklärt. Der Gouverneur prüft noch, hat aber auch bereits Zustimmung signalisiert. Viel wurde ja schon spekuliert über den Ursprung dieser Geste, bei der Daumen und kleiner Finger abgespreizt, die drei mittleren Finger jedoch eingeklappt werden. Von einem längst verstorbenen Menschen wird berichtet, der einst in einer Zuckerrohrfabrik drei mittlere Finger verloren haben soll und anschliessend als Wachmann in einem Zug sein Geld verdiente. Um vor ihm zu warnen, sollen Schulkinder ihre Hände wie seine geformt haben.

Jedenfalls landete die recht lässige Geste irgendwann auch in Politik und Popkultur: Von Elvis Presley wurde sie ebenso präsentiert, wie vom – auf Hawaii geborenen – US-Präsidenten Barack Obama. Besonders aber machte sie über den Sport junger Surfer Karriere – auch als Einladung, das Leben locker, friedlich und im Einklang mit der Natur zu leben. In der Surferszene ist die Geste auch als «Hang loose» bekannt.

Auch er hat die Shaka-Geste in seinem Repertoire: Der im Bundesstaat Hawaii geborene frühere US-Präsident Barack Obama.

Doch Erfolg hat viele Mütter. Da geht es Handgesten nicht anders als dem Hamburger, dem Gruyère oder dem Champagner – jeder möchte plötzlich Kasse machen. Und so ist der aktuelle hawaiianische Parlamentsbeschluss auch eine Antwort auf den Missbrauch der Shaka-Geste, zum Beispiel durch texanische Rinderzüchter oder russische Soldaten. Wahrscheinlich haben Juristen den Hawaiianern zu dieser Massnahme geraten, damit es sie nicht genauso beutelt wie Bruce Springsteen mit seinen Songs auf Donald-Trump-Veranstaltungen oder so.

Wichtig festzustellen ist, dass es deutlich dämlichere Gesten gibt als Shaka. Jene martialisch ausgestreckten Finger, Hände oder Arme zum Beispiel, die im Faschismus, im Krieg oder im sexualisierten Kontext verwendet werden. «Es gibt keine besseren Zeichen von wackerem Gemüt als eine harte Hand», heisst es ja schon bei Shakespeare warnend. Wesentlich beruhigender wirken da all jene Hände, bei denen zumindest zwei, drei Finger abgeknickt sind (zu sehen etwa in Erlöser-Darstellungen, wo nur Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger als Zeichen für die göttliche Dreifaltigkeit aufrecht stehen). Auch das Nasereiben der Zeichentrickfigur Wickie geht in diese entspannte Richtung.

Die Shaka-Geste heisst wohl vor allem deshalb so, weil das Wort «Shaka» mit ihr in den Sechzigerjahren am Ende des TV-Spots eines hawaiianischen Autohändlers verwendet wurde. Eine solche Verbindung von optischem und akustischem Reiz macht Erkennungszeichen noch beliebter. So spreizte die «Raumschiff Enterprise»-Figur Spock (Leonard Nimoy) Ring- und Mittelfinger immer zum V-Gruss – V stand für Vulkanien, den Planeten seines Vaters – und sagte dazu: «Lebt lang und in Frieden.» Das ging ebenso ins Ohr wie das «Nano-Nano», das Robin Williams als «Mork vom Ork» zu einer ähnlichen Geste verwendete.

Dass das Shaka-Zeichen vom Parlament in Honolulu nun zum «wichtigen Markensymbol für den Staat» erklärt wurde, sollte als Handreichung dienen: Schützt das, was cool und lässig ist! Seid immer nett zu Schaffnern. Und hütet euch vor ausgestreckten Armen.

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