July 13, 2024

Einer fehlt auf dem «Klassenfoto»: Die Staats- und Regierungschefs der EU beim Gipfel in Brüssel – natürlich ohne britischen Vertreter.

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In diesen Tagen wird einem mal wieder bewusst, was Europa mit dem Brexit verloren hat. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich diese Woche zum Gipfel in Brüssel getroffen; aktualitätsbedingt sprachen sie viel über den Iran, doch eigentlicher Zweck des Treffens war die Wirtschaft. Im Raum steht schon länger die Frage, wie sich die EU zwischen den ökonomischen Supermächten USA und China behaupten kann. Und schon länger fehlt dabei die Stimme Grossbritanniens.

Es fehlt die Stimme einer grossen europäischen Volkswirtschaft, die sich weltweit für freie Märkte und gegen Protektionismus einsetzt. Genau eine solche Stimme bräuchte es jetzt, um das Versprechen zu erneuern, das die EU noch immer zusammenhält: das Versprechen von Wohlstand.

Es fehlt der britische Pragmatismus

Nun kann man einwenden, dass die Briten mit dem Brexit ja selbst Handelsbarrieren errichtet haben. Das stimmt. Und man kann auch einwenden, dass es durchaus andere Staaten gibt, die sich für mehr Freihandel in der Welt einsetzen, etwa Irland und die Niederlande. Auch das stimmt. Nur: Seit dem Brexit war kein Land der EU in der Lage, auch nur annähernd das politische Vakuum zu füllen, das Grossbritannien hinterlassen hat.

Auch wenn es viele in Brüssel nicht zugeben wollen: Das Vereinigte Königreich wird schmerzlich vermisst, wenn es um europäische Antworten auf die geopolitischen Fragen der Zeit geht. In den ökonomischen Debatten fehlt seit dem Brexit der pragmatische Gegenpol zum französischen Dirigismus. Dieser führt, wenn man nicht aufpasst, zu einer europäischen Planwirtschaft – auch wenn der Gipfel von dieser Woche wirtschaftspolitisch vorerst wenig zählbare Resultate brachte.

Wer weiss: Wenn es in London in diesem Jahr eine neue Regierung geben sollte, könnte auch das Band mit dem Vereinigten Königreich wieder enger werden. Vorausgesetzt, Grossbritannien besinnt sich auf das, was das Land vor dem Brexit ausgezeichnet hat: Pragmatismus. Davon kann Europa nie genug haben.

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