July 25, 2024

Satellitenaufnahmen als Beweis: Die Kirche Johannes des Täufers in Schuschi ist Ende 2023 noch zu sehen, im April gibt es sie nicht mehr.

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Die Befürchtungen von Diaspora, Kirchenleuten und Wissenschaftlern sind Tatsache geworden: In der einstigen armenischen Enklave Berg-Karabach hat das Regime des aserbaidschanischen Autokraten Ilham Alijew mit der Zerstörung von Kulturgütern begonnen. Nach dem Blitzkrieg der Aserbaidschaner im vergangenen September und der Vertreibung von über 100’000 Armenierinnen und Armeniern droht das jahrtausendealte christliche Erbe der armenischen Gemeinschaft ausgelöscht zu werden.

Ein aktuelles Beispiel für die Zerstörungen durch Aserbaidschan ist der Abbruch der Kirche Johannes des Täufers in Schuschi, einer Ortschaft, die in aserbaidschanischer Sprache Susa heisst. Die «Grüne Kirche» war 1847 errichtet worden und war eine bedeutende Sehenswürdigkeit von Schuschi.

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Dass die neuen Machthaber in Berg-Karabach das Gotteshaus in Schuschi dem Erdboden gleichgemacht haben, zeigen Satellitenaufnahmen, die eine Forschergruppe der Universität Cornell in den USA kürzlich veröffentlicht hat. Ihr Projekt «Caucasus Heritage Watch» (CHW) dokumentiert, was mit den armenisch-christlichen Kulturerbestätten in Aserbaidschan passiert.

Auf den Satellitenbildern ist zu sehen, dass die Kirche am 28. Dezember 2023 noch stand. Auf Aufnahmen vom 4. April ist das historische Gebäude hingegen vollständig verschwunden. «Damit ist ein 177 Jahre altes Wahrzeichen von Berg-Karabach verloren gegangen», heisst es auf der CHW-Website. Die Zerstörung der Kirche in Schuschi sei Aserbaidschans «bisher schwerster Verstoss gegen eine Anordnung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag».

Machtdemonstration des Autokraten: Ilham Alijew besichtigt die Moschee-Baustelle in Dasalti/Karintak.

Weitere Satellitenbilder der CHW zeigen zudem, dass das südlich von Susa/Schuschi gelegene Dorf Dasalti, das auf Armenisch Karintak hiess, verschwunden ist. Offensichtlich soll dort eine neue Siedlung für aserbaidschanische Umsiedler entstehen. Bereits in Bau befindet sich eine Moschee. Aus Dasalti gibt es vom vergangenen Dezember stammende Fotos, auf denen Präsident Alijew auf der Baustelle der neuen Moschee zu sehen ist.

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Seit dem am 1. Januar 2024 vollzogenen Ende der Republik Arzach, wie sich die armenische Enklave nannte, hat das Projekt «Caucasus Heritage Watch» in Berg-Karabach die Zerstörung von zwei Kirchen und drei Friedhöfen dokumentiert. Weitere Auslöschungen des christlichen Erbes könnten fernab der Aufmerksamkeit von Beobachtern bereits vollzogen worden oder in Gang sein.

Da Aserbaidschans Behörden keinen Zugang zu Berg-Karabachs Kulturstätten erlauben, ist nur ein Monitoring mittels Satellitenaufnahmen und Open-Source-Informationen im Internet möglich. Diese zeigen, dass auch armenische Kriegsdenkmäler und politische Stätten wie das Parlamentsgebäude abgerissen wurden. Offensichtlich will Aserbaidschan alles Armenische beseitigen.

Berg-Karabach hatte sich 1991 unabhängig erklärt, obwohl es völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört. Um die Region im Südkaukasus führten Armenien und Aserbaidschan zwei Kriege – 1992 bis 1994 sowie 2020. Am Ende hat sich das militärisch hochgerüstete Aserbaidschan mit türkischer Waffenhilfe durchgesetzt. Und die Karabach-Frage hat es mit Gewalt für sich entschieden.

«Zerstörungen im Stil des Islamischen Staats»

Die Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI) in Zürich beobachtet mit Sorge die Beseitigung von armenischen Kulturstätten in Berg-Karabach. «Die mutwilligen Zerstörungen zeigen, dass Aserbaidschan nicht die Absicht hat, seine hochtrabenden Versprechen zur Bewahrung des Erbes von Berg-Karabach einzuhalten», sagte Joel Veldkamp, Kommunikationsdirektor von CSI, auf Anfrage dieser Redaktion.

«Die Zerstörungen zeigen auch, dass Aserbaidschan sich nicht im Geringsten darum kümmert, wie seine Freunde im Westen auf diese Auslöschung der christlichen Geschichte im Stil des Islamischen Staats reagieren werden», meint Veldkamp.

Gemäss CSI befinden sich in Berg-Karabach einige der ältesten und historisch bedeutendsten christlichen Kirchen, Klöster und Denkmäler der Welt. «Es könnte zu einer Kampagne der vollständigen Zerstörung armenischer Kulturgüter kommen, wie wir es in Nachitschewan erlebt haben.»

Provisorium nach der Flucht Ende September: Karabach-Vertriebene in einer Turnhalle in Artaschat, Armenien.

In der aserbaidschanischen Exklave, die hauptsächlich von Armenien und dem Iran umschlossen ist, veranlasste das Regime in Baku zwischen 1997 und 2011 die Beseitigung von 108 Kirchen, Klöstern und Friedhöfen sowie die Zerstörung von Zehntausenden Kreuzsteinen, die auch als Khachkare bekannt sind.

CSI appelliert an die westlichen Staaten, Aserbaidschan dazu zu drängen, mit der Unesco und der Armenischen Apostolischen Kirche zusammenzuarbeiten, «um den Erhalt religiöser Stätten in Berg-Karabach und den Zugang zu ihnen zu gewährleisten, damit armenische Christen ihre Religionsfreiheit ausüben können». Dass Aserbaidschan diesem Ansinnen folgt, ist fraglich. Schon der Vorwurf der ethnischen Säuberung hat das Regime in Baku nicht beeindruckt.

Keine Christen mehr nach 1700 Jahren

Seit der Militärattacke Aserbaidschans im Herbst leben zum ersten Mal seit rund 1700 Jahren faktisch keine Christinnen und Christen mehr in Berg-Karabach. Rund 20 Armenier werden angeblich als politische Geiseln festgehalten, darunter Angehörige der letzten Regierung der Republik Arzach.

Die über 100’000 nach Armenien geflüchteten Menschen aus Berg-Karabach, darunter etwa 30’000 Kinder, mussten den grössten Teil ihres Besitzes oder sogar das gesamte Hab und Gut zurücklassen. Aber auch in Armenien sind die Lebensbedingungen für Karabach-Vertriebene schwierig. Gemäss Berichten von Hilfsorganisationen fällt es ihnen schwer, Wohnraum und Arbeit zu finden. Die Massenflucht bedeutet auch für Armenien eine Überforderung.

Erwachsene Flüchtlinge erhielten nach dem Exodus aus Berg-Karabach eine einmalige Zahlung von 250 US-Dollar von der armenischen Regierung, seitdem sind es monatlich 185 US-Dollar. Diese Finanzhilfe ist offensichtlich viel zu klein für Menschen, die ihr Leben neu aufbauen müssen. Inzwischen sind Tausende Karabach-Armenier in ein anderes Land weitergezogen. Eine Rückkehr in die Heimat nach Berg-Karabach ist für alle Vertriebenen illusorisch.

Konflikt um Berg-Karabach

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@V_Capodici

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