July 25, 2024

Mit diesem Fischerboot versuchten die Menschen zu flüchten.

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Mindestens 94 Menschen, unter ihnen viele Kinder, sind bei einem Bootsunglück vor der Küste Moçambiques ums Leben gekommen. Die Behörden des Landes im Südosten Afrikas bestätigten am Montag entsprechende Berichte lokaler Medien. Demnach handelte es sich um ein Fischerboot, das mit etwa 130 Passagieren völlig überladen war.

Es sank am Sonntag auf dem Weg zur Moçambique-Insel, nach der das Land benannt ist und die nur wenige Kilometer vor der Küste im Indischen Ozean liegt. Weitere 26 Menschen gelten als vermisst. Nach Aussage der Küstenwache und der Provinzregierung waren die Passagiere auf der Flucht vor einer Gefahr, die nicht nur für die Menschen in Moçambique immer bedrohlicher wird: Cholera.

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Seit 2022 haben sich in Moçambique 45’000 Menschen infiziert

Die Infektionskrankheit, die durch verunreinigtes Wasser übertragen wird und ohne Behandlung binnen Stunden zum Tod führen kann, befand sich lange Zeit auf dem Rückzug. Doch seit drei Jahren verbreitet sie sich wieder mit grosser Geschwindigkeit. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge hat sich die Anzahl der Fälle weltweit seit 2021 Jahr für Jahr nahezu verdoppelt. Es handle sich um einen «beispiellosen Anstieg über mehrere Jahre».

Besonders betroffen ist das südöstliche Afrika, wo mehrere Länder den schlimmsten Cholera-Ausbruch seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten erleben. Seit September 2022 infizierten sich in Moçambique 45’000 Menschen. Auch Malawi, Zimbabwe und Sambia verzeichnen hohe Ansteckungszahlen. Zimbabwes Hauptstadt Harare rief im November den Notstand aus.

Sambias Präsident forderte die Menschen im Januar dazu auf, die Städte zu verlassen und aufs Land zu ziehen, um sich vor der Krankheit in Sicherheit zu bringen. Schulen blieben über Wochen geschlossen. Mehr als 4000 Menschen starben in der Region seit Januar 2022 an der Cholera. Die Zahl der Todesfälle wuchs laut Ärzte ohne Grenzen zwischen 2022 und 2023 um 80 Prozent.

Schnelles Wachstum, Sanitäreinrichtungen fehlen

Für den Anstieg gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist die zunehmende Verstädterung. Abertausende, vor allem junge Menschen strömen vom Land in die Städte, ohne dass deren Infrastruktur mit dem Tempo des Zuzugs Schritt halten kann. In Zimbabwes Hauptstadt Harare etwa drängen sich Hunderttausende Menschen in schnell wachsenden Elendsvierteln zusammen, in denen es häufig keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zu frischem Wasser und Sanitäreinrichtungen gibt.

Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens (mitte) desinfiziert eine Wasserentnahmestelle wegen des Choleraausbruchs in Harare, Simbabwe.

Dazu kommt der Klimawandel und die in seiner Folge vermehrt auftretenden extremen Wetterlagen. Immer wieder führen Starkregen und Überschwemmungen dazu, dass Bewässerungssysteme und Sanitäranlagen zerstört und sauberes Wasser von schmutzigem Wasser überflutet wird. Über Moçambique und Malawi etwa wütete im Frühjahr 2023 für fünf Wochen der Zyklon Freddy, der längste jemals beobachtete tropische Zyklon. Auch Dürren können die Ausbreitung der Cholera befördern, indem sie Menschen dazu bringen, mangels Alternativen verunreinigtes Wasser zu benutzen. Die WHO warnte schon 2021, zu Beginn der neuen Ausbruchswelle, diese sei auch Folge des Klimawandels.

Knappheit des Cholera-Impfstoffs

Vor allem aber weisen Experten darauf hin, dass es nicht genügend Impfstoff gibt, um den steigenden Fallzahlen zu begegnen. Ärzte ohne Grenzen zufolge war die Nachfrage in den vergangenen zwei Jahren bis zu viermal so hoch wie das Angebot. Und das, obwohl die globale Impfstoffproduktion in den vergangenen zehn Jahren um das Achtzehnfache gestiegen ist. Ende 2022 sah sich die WHO zu der «aussergewöhnlichen Entscheidung» genötigt, von einer zweifachen auf eine einfache Impfung umzuschwenken, um der Knappheit zu begegnen. Geschützt sind die Geimpften auch nach einer Dosis, allerdings weniger gut und weniger lang. Doch selbst zwei Dosen bieten nur für drei Jahre Schutz.

Einer der Hauptgründe für die Knappheit des Cholera-Impfstoffs: Auf der ganzen Welt gibt es nur einen einzigen Hersteller, das Unternehmen EuBiologics in Südkorea. Die Firma gebe «ihr Äusserstes, um die Produktion zu maximieren», teilte die WHO Ende März in einer Stellungnahme mit. Doch auch die 37 bis 50 Millionen in diesem Jahr hergestellten Dosen würden nicht reichen. Und neue Anbieter auf dem Markt seien vorerst nicht in Sicht. Kritiker beklagen, dass zu wenig Geld für den Kampf gegen Cholera bereitstehe – und es deshalb an Anreizen fehle, in die Produktion einzusteigen.

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